UP Magazin

Vom Ideenlabor zum Inkubator

Die Ideenfindung steht am Anfang jeder erfolgreichen Firmengründung. Die Stadt bewarb sich mit einem dreistufigen Konzept bei einem 80-Millionen-Euro-Förderprojekt des Freistaats Bayern. Die Ideenfindung steht am Anfang jeder erfolgreichen Firmengründung. Die Stadt bewarb sich mit einem dreistufigen Konzept bei einem 80-Millionen-Euro-Förderprojekt des Freistaats Bayern. denkpionier

„Ist nicht sowieso alles digital?“, fragte sich der Fachbereichsleiter Wirtschaft, Klaus Walther, als er vom bayerischen Förderprojekt „Wettbewerb zur Förderung von Gründerzentren und Netzwerkaktivitäten im Bereich Digitalisierung“ hörte. Nun bewarb sich die Stadt am bayernweiten 80-Millionen-Euro-Projekt des Freistaats.

von Rainer Adelmann

Sie nennen sich Ideenlabor, Gründerlabor und Inkubator: die neuen Bausteine, mit denen Würzburg seinen Ruf als Gründer-Stadt weiter festigen will. „Gründer motivieren und Ideen in die Praxis bringen“ sind denn auch laut Klaus Walther, Fachbereichsleiter Wirtschaft der Stadt, die Beweggründe für ein 80 Millionen Förderprojekt des Freistaates Bayern, an dem sich die Stadt Würzburg beteiligt hat.

Laut Konzept des Freistaats soll in jedem Regierungsbezirk Bayerns ein so genanntes „Zentrum für digitale Innovationen“ entstehen, erläutert Klaus Walther das Förderprojekt im Gespräch mit dem UP Magazin. Eines der Ziele war für ihn daher von Beginn an ganz Unterfranken, vor allem aber Mainfranken in dieses neue Projekt einzubeziehen.

Das Programm des Freistaates soll die Stärken stärken, so Klaus Walther – und nicht Schwächen ausgleichen. Aus diesem Grund, so Walther, ist Würzburg der richtige Standort in Unterfranken. Würzburg besitzt bereits Gründerzentren, eine lebendige Gründerszene und sowohl wissenschaftliches wie wirtschaftliches Potential. Wichtig ist aber auch die spezifischen Qualitäten ganz Mainfrankens mit ein zu beziehen. Deshalb handelt es sich um ein Kooperationsprojekt mit starken Partnern in Mainfranken, z.B. Schweinfurt und Bad Kissingen.

90 Prozent der Fördersumme fließen in Technik und Bau, also „in Beton“ wie es Klaus Walther zusammenfasst. Die übrigen zehn Prozent sind für Netzwerkaktivitäten vorgesehen, der eigentlichen Würzburger Domäne im Gründerbereich. Was Bau und Technik betrifft, übernimmt der Freistaat 75 Prozent der anfallenden Kosten, 25 Prozent müssten von der Stadt finanziert werden. Am 14. April gab der Stadtrat einstimmig sein „Go“ für die Bewerbung. Damit ist klar, dass auf die Stadt Kosten zukommen könnten – falls Würzburg den Zuschlag erhalten sollte. Klaus Walther beziffert den Anteil für die Stadt auf 1,5 bis 1,8 Millionen Euro. Dafür geht das Gebäude nach 15 Jahren auf die Stadt über, und muss in diesem Zeitraum laut den Statuten exklusiv für den Gründerbereich genutzt werden. Und auch die Betriebskosten würden bei der Stadt bleiben.

Der alte Tower der ehemaligen Leighton-Barracks am Hubland wird umgebaut. Ein möglicher neuer Mieter könnte das ZDI Mainfranken mit seinem Ideenlabor werden. | Foto: Christian AndersenDer alte Tower der ehemaligen Leighton-Barracks am Hubland wird umgebaut. Ein möglicher neuer Mieter könnte das ZDI Mainfranken mit seinem Ideenlabor werden. | Foto: Christian AndersenGestaltet sich die Förderung für den technischen Teil noch relativ einfach, wird es bei den Netzwerkaktivitäten deutlich komplizierter: Hier stellt der Freistaat bis zu 250.000 Euro jährlich zur Verfügung – und das drei bis fünf Jahre lang. Aber: Jeder Euro, der fließt, muss gegenfinanziert werden. Und zwar diesmal nicht aus städtischen Mitteln, sondern von privaten Sponsoren.

Und hier wird die Sache für Klaus Walther schwierig. Heutzutage ist es nicht gerade leicht, Firmen dazu zu bewegen, Projekte zu unterstützen. Einfach bei den Unternehmen nachzufragen, sei nur „bedingt erfolgversprechend“, so Walther. Und so kam er auf die Idee, den beteiligten Firmen eine Gegenleistung zu bieten. So könnten Unternehmen beispielsweise Personal abstellen, das an Projekten und Workshops mitarbeitet. Das „Zentrum für digitale Innovationen Mainfranken“ erhielte dann für jeden Euro, den der Mitarbeiter eines Unternehmens kostet, einen Euro aus München – gemäß den Förderrichtlinien. Im Gegenzug nimmt die Firma, die das Gehalt des Mitarbeiters weiterbezahlt, am Ideenfindungs- und Gründerprozess teil. Diese Idee weitergeführt, wäre auch denkbar, dass ein Unternehmen einen Mitarbeiter, beispielsweise einen Marketingspezialisten, über einen längeren Zeitraum zur Verfügung stellt.

Es wird ein Unterstützernetzwerk geben, ist sich Walther sicher. Doch trotz allem sieht er in diesem Bereich die wahre „Kärrnerarbeit“. 15 namhafte Unternehmen und 10 Institutionen aus Mainfranken haben bereits schriftlich ihre Bereitschaft zur Unterstützung zugesagt.

Das „Zentrum für digitale Innovation Mainfranken“ – sollte es denn tatsächlich nach Würzburg kommen – besteht aus drei Teilen: Das Ideenlabor könnte in den alten Tower am Hubland ziehen, der derzeit renoviert und umgebaut wird. Auf 200 Quadratmetern im ersten Stock sollen dann „aus Fragestellungen Ideen, und aus Ideen noch bessere Ideen“ werden, umschreibt Klaus Walther diese erste Stufe, in der es darum geht, zunächst einmal Ideen zu generieren und zu optimieren.
Bewusst habe man diesen Ort gewählt, weil hier dank der Stadtbücherei, die ins Erdgeschoss ziehen wird, eine Interaktion mit Menschen möglich ist. Soll heißen: Wer künftig die Stadtbücherei im Hubland-Tower besucht, muss sich nicht wundern, wenn er plötzlich nach seiner Meinung zu einem neuen Produkt gefragt wird, das sich ein junger Gründer ausgedacht hat.

In der zweiten Stufe folgt der Umzug ins Gründerlabor – einem Gebäude, das erst noch gebaut werden müsste. Geplant ist ein offener Bau nach dem CUBITY-Baukonzept der TU Darmstadt. Dieses Haus-im-Haus-Prinzip gibt es zwar im Moment nur für Wohnraum, könnte aber sehr gut für das Gründerlabor angepasst werden. 300 Quadratmeter würden dann aufgeteilt auf kleinere Räume – kostengünstig und energetisch optimiert – für die Gründer zur Verfügung stehen. Hat ein Projekt bewiesen, dass es Potential hat, steht der nächste Umzug ins Haus: in den so genannten Inkubator. Hier, auf rund 1200 Quadratmetern, würden die Startups ihr zuhause finden. Geplant ist der Inkubator als Teil eines Multifunktionsgebäudes samt Parkhaus im neuen Gewerbegebiet am Hubland.

Ob es freilich überhaupt so weit kommt, wird sich im Juni zeigen, denn dann entscheidet eine Jury über die Bewerbungen. Sollte im Juni eine Entscheidung für Würzburg fallen, beginnt erst die Arbeit. Denn dann heißt es, die Zusagen der Firmen innerhalb von drei Monaten in Verträge zu gießen. Startschuss wäre demnach bereits im Oktober, spätestens November und 2017 liefe das Projekt bereits. „Die haben es sehr, sehr eilig“, so Walther. Was allerdings kein Nachteil sei, denn bei digitalen Themen müsse man schnell handeln.

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