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UPStatt Buchhändler: Mit Muskelkraft im Freien unterwegs

300 Kilo auf drei Rädern

Elegant und Lastenesel zugleich: Wolfgang Renningers Cargobike bietet Platz auf 1,2 mal 0,8 mal 1,45 Metern bei 300 Kilogramm Zuladung. Elegant und Lastenesel zugleich: Wolfgang Renningers Cargobike bietet Platz auf 1,2 mal 0,8 mal 1,45 Metern bei 300 Kilogramm Zuladung. Daniel Peter

Vom Buchhändler zur City-Logistik per Lastenbike: Wolfgang Renninger entwickelte seine Leidenschaft zum Fahrradfahren zu einer Geschäftsidee. Sein Alleinstellungsmerkmal: das derzeit größte Lastenrad Würzburgs. Mit ihm transportiert er alles, was in 1,2 mal 0,8 mal 1,45 Meter passt und nicht mehr als 300 Kilo wiegt.

Eigentlich ist er gelernter Buchhändler. Statt der Arbeit an den Bücherregalen ist er inzwischen mit Muskelkraft im Freien unterwegs: Er fährt das derzeit größte Lastenbike in Würzburg und transportiert mit seiner Firma „Vamos Velos“ Güter und Gegenstände durch Würzburgs City. UP Magazin sprach mit Wolfgang Renninger über seine Metamorphose vom Buchhändler zum Logistiker.

„Ich bin gelernter Buchhändler und leidenschaftlicher Fahrradfahrer“, berichtet Wolfgang Renninger über die Anfänge seiner Idee. „Dabei habe ich mich schon immer für die Entwicklung von Lastenrädern und Cargobikes interessiert. Und irgendwann war es soweit, dass sie auch im Alltag nutzbar waren.“

So langsam keimte der Wunsch auf, auch beruflich etwas mit dem Lastenfahrrad anzufangen. „Ich hatte zwischendrin auch Logistik-Jobs und es hat mir immer Spaß gemacht, unterwegs zu sein. Das widerspricht zwar meinem Beruf als Buchhändler – aber das ist eben meins.“ Ihm wurde klar, dass er künftig mit dem Lastenbike arbeiten und eine neue Existenz gründen will. „Aber mir fehlte die zündende Idee, was ich damit transportieren will.“

Die zündende Idee kam schließlich bei einem Buchhändler-Stammtisch. Dabei ging es unter anderem um Barsortimente – so nennen sich die Zwischenhändler im Buchhandel, die die Buchläden beliefern. Die Barsortimente bieten eine spezielle Lieferung an: den so genannten Nachtsprung. „In Würzburg kommt diese Lieferung immer zwischen vier und sechs Uhr morgens mit einem großen Laster. Der fährt von der Autobahn herunter und beliefert dann die einzelnen Buchhändler – hier eine Kiste und dort ein Kiste.“ Plötzlich war die Idee geboren: „Ich könnte doch die Buchhändler per Lastenbike beliefern.“

Der Idee folgte die Tat und Wolfgang Renninger erstellte ein Konzept, das er an einen der Barsortimente schickte. „Ich habe gedacht, das wird ohnehin nichts, der meldet sich sowieso nicht.“ Das war falsch gedacht, denn innerhalb einiger Tage kam die Antwort, man habe ohnehin bereits über alternative Zustellmöglichkeiten nachgedacht – verbunden mit der Einladung zu einem Gespräch.

Dann ging alles relativ schnell: die Kooperation wurde beschlossen, ein Vertrag unterzeichnet. Der Anfang sollte im Weihnachtsgeschäft 2018 gemacht werden. Die Vertriebsleiterin des Grossisten kam nach Würzburg und gemeinsam fuhr man die Buchläden ab.

„Die Kollegen in den Buchhandlungen waren begeistert“, erinnert sich Wolfgang Renninger. Der Lastwagen mit den Buchbestellungen fährt nun nicht mehr durch die Stadt sondern nur bis zu den Posthallen, wo Wolfgang Renninger ein Lager angemietet hat. Von dort übernimmt er dann jeden Morgen die Verteilung in die Buchläden.

Aus der Verteilung der Bücher wurde inzwischen „Vamos Velos“ und Wolfgang Renninger übernimmt Aufträge von Firmen und Privatpersonen. „Die Würzburger City ist perfekt für die Logistik per Lastenrad, die Lieferradien sind optimal.“ Sein Lastenrad ist der Jumbo unter den Lastenrädern und hat Platz für alles, was auf die Ladefläche von 1,2 mal 0,8 mal 1,45 Metern passt und nicht mehr als 300 Kilo wiegt.

Die Stückzahlen dieser Art Lastenräder sind gering und dementsprechend kostspielig ist das Bike. Zu Beginn war der Service schwierig, denn bei einer Panne musste der Hersteller aus der Oberpfalz extra nach Würzburg kommen. Inzwischen hat eine Firma in Würzburg den Service übernommen. „Mein Alleinstellungsmerkmal ist die hohe Zuladung – auch vom Volumen her. Ich kann zum Beispiel eine ganze Europalette einladen. Meine Hauptzielgruppe ist daher gewerblich, aber auch Umzüge oder der Transport von Möbelstücken ist kein Problem.“

 

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