UP Magazin

UPInterview mit Dramaturgin Katharina Nay

Alle Sparten für König Arthur

David Hieronimi, Hiroe Ito, Jakob Mack mit Dávid Krístof, Dominic Harrison, Étienne Gagnon-Delorme und der Chor des Mainfranken Theaters in szenischen Proben zu „King Arthur“. David Hieronimi, Hiroe Ito, Jakob Mack mit Dávid Krístof, Dominic Harrison, Étienne Gagnon-Delorme und der Chor des Mainfranken Theaters in szenischen Proben zu „King Arthur“. Mainfranken Theater / Nik Schölzel

Am 30. März hat Henry Purcells Semi-Oper „King Arthur“, das aufwendigste Projekt der diesjährigen Spielzeit, Premiere am Mainfranken Theater. Die Geschichte um König Arthur, der aufbricht, um seine Verlobte aus den Fängen seines Konkurrenten zu befreien, nimmt alle Ressourcen des Hauses in Anspruch. UP Magazin sprach mit Dramaturgin Katharina Nay über die Herausforderungen der Mehr-Sparten-Produktion.

Bevor wir in die Details zu King Arthur gehen: Wie ist Ihre grundlegende Herangehensweise an neue Theaterproduktionen?
Katharina Nay: Als Dramaturgin bespreche ich mich zuerst mit dem Regisseur. Gemeinsam lesen wir etliche Fassungen des Stücks, sehen uns verschiedene Inszenierungen an und überlegen, welcher Teil des Stoffs die Regisseurin oder den Regisseur besonders interessiert. Daraufhin erstellen wir eine Fassung, die eben dies in den Fokus nimmt. Im Fall von Purcells Semi-Oper mussten wir zusätzlich entscheiden, welches Musikstück an welcher Stelle im Text sitzen sollte und warum. Der Ursprungstext lässt da viele Möglichkeiten zu.

Bei „King Arthur“ handelt es sich nicht um ein reines Schauspiel oder eine reine Oper, sondern um eine sogenannte Semi-Oper. Diese Gattung kommt eher selten vor und kann als Vorläufer des Musicals und der Operette gelten. In der Semi-Oper steht die Kunst des Schauspiels neben der des Tanzes oder der Musik und ist nicht wie etwa beim Musical miteinander verwoben.

Das heißt, Sie müssen sich zunächst mit dem Regisseur absprechen.
Katharina Nay: Ja. Mit ihm entwickle ich eine Idee davon, wie der Abend später aussehen soll und welcher Aspekt der Geschichte ihn besonders interessiert. Das Staatsschauspiel Dresden und die Semperoper haben zu ihrem 100-jährigen Bestehen eine Fassung auf die Bühne gebracht, die sich deutlich von einer Inszenierung am Theater Augsburg unterscheidet und aktuell gibt es in Basel eine Aufführung, die der Theaterautor Ewald Palmetshofer bearbeitet hat, in der der Fokus auf dem Schauspiel liegt. In der hiesigen Produktion sollen alle Sparten zu möglichst gleichen Teilen beteiligt sein.

Maya Tenzer als Matilda und Johanna Meinhard als Emmeline gemeinsam mit Kinderstatisten in szenischen Proben zu „King Arthur“ am 18. März. | Fotos: © Mainfranken Theater / Nik SchölzelMaya Tenzer als Matilda und Johanna Meinhard als Emmeline gemeinsam mit Kinderstatisten in szenischen Proben zu „King Arthur“ am 18. März. | Fotos: © Mainfranken Theater / Nik SchölzelSie stellen sich also das Beste aus allen Fassungen zusammen?
Katharina Nay: Beim Sichten von anderen Arbeiten und Fassungen entstehen schnell eigene Ideen, schließlich soll sich die eigene Inszenierung nicht nur von anderen unterscheiden, sondern im besten Fall unverkennbar sein. Die Figur der Emmeline wird im Original von einer Gouvernante betreut. Am Mainfranken Theater ist sie eher eine Freundin, die übrigens von einer Tänzerin dargestellt wird. Sie muss bei uns zusätzlich zum Tanzen Text sprechen, was eine echte Herausforderung ist.

Was ist das Besondere an einem Mehr-Sparten-Projekt?
Katharina Nay: Zum Beispiel besteht das künstlerische Leitungsteam aus wesentlich mehr Personen als sonst. Die Proben werden vom Schweizer Regisseur Dominik von Gunten und Kevin O’Day geleitet, der als Co-Regisseur und Choreograf fungiert. Die musikalische Leitung übernimmt Marie Jacquot. Bei den Proben mischen sich mitunter nicht nur unterschiedliche Arbeitsbedürfnisse, sondern auch mehrere Sprachen. Das kann sehr mühsam sein, setzt aber auch eine große Energie frei.

Vor zwei Jahren gab es mit „Jesus Christ Superstar“ bereits ein Mehr-Sparten-Projekt, das sehr erfolgreich war und ähnlich umfangreich wie „King Arthur“. Solche Mehr-Sparten-Projekte sind nicht nur für die beteiligten Künstlerinnen und Künstler eine große Herausforderung, sondern auch für diejenigen, die Proben koordinieren müssen. Die Tänzer haben zum Beispiel morgens Training. Wenn sie vormittags für „King Arthur“ proben sollen, können sie das entweder nur zwei Stunden, oder sie müssen auf ihr Training verzichten. Ähnlich verhält es sich mit Vorstellungen: Findet abends eine Vorstellung im Schauspiel oder Musiktheater statt, kann nur mit denjenigen geprobt werden, die nicht an der Vorstellung beteiligt sind. Die Figur des Luftgeists Philidel wird gleichzeitig von einer Tänzerin, einer Sängerin und einer Schauspielerin dargestellt. Das heißt, wenn eine der drei Kolleginnen verhindert ist, können nur die Szenen geprobt werden, in denen die Figur nicht vorkommt.

Wie viele Personen sind denn an einer Vorstellung von „King Arthur“ beteiligt?
Katharina Nay: Der Chor besteht aus etwa 25 Personen, dazu kommen zehn Tänzerinnen und Tänzer, acht Schauspielerinnen und Schauspieler, drei Sänger, eine Sängerin und sechs Kinderstatisten. Das Orchester besteht aus etwa 21 Musikern und einer Dirigentin bzw. einem Dirigenten – also zwischen 70 und 80 Personen. Dazu kommt noch Technik, Licht und Ton.

Wie lange ist der Vorlauf für ein Projekt wie „King Arthur“?
Katharina Nay: Der Spielplan einer neuen Saison wird im April kommuniziert. Im besten Fall weiß man dann schon, wer die Regie übernimmt. Je nachdem, wie schnell das künstlerische Team an Bord ist, fängt zeitnah die Arbeit an. Die ersten Gespräche zu „King Arthur“ hatte ich im Mai und Juni vergangenen Jahres. Es ist immer ein work in progress, der stetig mit allen Beteiligten rückgekoppelt werden muss. In diesem Fall war es so, dass der zuerst geplante Regisseur ausfiel und kurzfristig ein neuer Regisseur gefunden werden musste. Mit Dominik von Gunten habe ich erst im Herbst vergangenen Jahres anfangen können zu arbeiten. Das ist für solch ein großes Projekt sehr wenig Zeit.

Wann kommt dann zum Beispiel das Bühnenbild ins Spiel?
Katharina Nay: Sehr früh. In der Regel sind Bühnen- und Kostümbildner von Anfang an mit dabei. Wenn sich Regie, Bühne und Kostüm geeinigt haben, dann werden die Ideen und Entwürfe mit dem Intendanten besprochen.

Und wer entscheidet letztlich? Gibt es oft Reibereien?
Katharina Nay: Reibereien gehören dazu. Am Ende kommt es immer darauf an, worum gestritten wird. Manchmal kollidieren unterschiedliche Vorstellungen von Ästhetik oder Arbeitsweise. Auch das Budget kann ein limitierender Faktor für die Wünsche und Vorstellungen des künstlerischen Teams sein. Im besten Fall wird das Problem besprochen und gemeinsam nach einer Lösung gesucht. Theaterleute können das meist ziemlich gut.

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