UP Magazin

UPUlrike Sosnitza ist ein literarischer Senkrechtstarter

Ein Faible für die Liebe

Ulrike Sosnitza hat sich der Frauenunterhaltung verschrieben. Nächstes Jahr erscheint ihr bereits dritter Roman als Heyne Taschenbuch. Sie lebt mit ihrer Familie in Reichenberg. Ulrike Sosnitza hat sich der Frauenunterhaltung verschrieben. Nächstes Jahr erscheint ihr bereits dritter Roman als Heyne Taschenbuch. Sie lebt mit ihrer Familie in Reichenberg. Uta Böttcher

Schon mit dem zweiten Roman eine Verlagsveröffentlichung, sieben Wochen mit „Novemberschokolade“ in der Spiegel-Bestsellerliste, der dritte Roman in Folge bei Heyne derzeit in Arbeit. Es läuft für Ulrike Sosnitza. UP Magazin sprach mit der Autorin, die in Darmstadt geboren wurde und mit ihrer Familie in Reichenberg lebt.

Ulrike Sosnitza ist so etwas wie eine literarische Senkrechtstarterin. Nach ihrem Debutroman „Ein Klick zu viel“, der noch bei Königshausen & Neumann in Würzburg verlegt wurde, wechselte sie bereits mit ihrem zweiten veröffentlichten Roman „Novemberschokolade“ zum Heyne Verlag und war mit diesem Titel sieben Wochen lang in der Spiegel-Bestsellerliste vertreten. Und: „Novemberschokolade“ schaffte es dort auf Anhieb bis auf Rang 34. UP Magazin sprach mit der gebürtigen Darmstädterin, die mit ihrer Familie in Reichenberg lebt, über ihre Bücher, ihre Arbeitsweise und den Literaturbetrieb.

Die klassische Frage an Autoren „Wie kamen Sie zum     Schreiben?“ beantwortet sich quasi von selbst: „Man kommt zum Schreiben, indem man liest“, so Ulrike Sosnitza bei ihrem Besuch in der UP Redaktion. „Und ich habe schon sehr früh angefangen zu schreiben, etwa mit 15 oder 16 Jahren. Ich war unglücklich verliebt und habe pubertäre Gedichte geschrieben, die heute kein Mensch mehr lesen will. So hat das bei mir angefangen – wobei ich im Grunde schon immer gerne geschrieben habe, zum Beispiel auch in der Schülerzeitung.“

„Dass ich allerdings etwas zu Ende bekommen habe – das hat ziemlich lange gedauert“, so Sosnitza weiter. „Ich hatte immer neue Ideen, habe immer wieder etwas Neues angefangen.“ 2007 war es dann soweit. Die heute 52-Jährige, die nach ihrer Schulzeit als Diplombibliothekarin gearbeitet hat, beendete ihren ersten Roman. Er wurde zwar nie veröffentlicht, aber: „Das Gefühl, etwas fertig bekommen zu haben, war einfach unglaublich berauschend. Ich fand es toll.“
Die Handlung spielte im Spessart, war eine Mischung aus Familiengeschichte und Kriminalroman und sogar die Mafia kam darin vor. „Es war zwar ziemlich unausgegoren“, urteilt sie heute. „Aber man muss mit irgendetwas anfangen. Den Roman habe ich übrigens heute noch.“

Es folgte der erste zaghafte Versuch einer Vermarktung, das Manuskript landete bei diversen Verlagen auf dem Schreibtisch. Nachdem Ulrike Sosnitza aber schnell feststellen musste, das es auf diese Weise nicht funktionierte, beendete sie die Aktion – und schrieb einfach einen neuen Roman.

Mit ihrem neuen Werk „Ein Klick zu viel“ klappte es besser: Er erschien im Würzburger Verlag Königshausen & Neumann, wo man sich von Anfang an über den Roman begeistert zeigte. „Ich bin nicht so gut im selbst vermarkten“, so Sosnitza. „Ich wusste, das ist nichts für mich.“ Daher wollte sie ihre Romane von Beginn an nur über einen Verlag veröffentlichen. Blieb die Suche nach einer Agentur vor der Erstveröffentlichung noch erfolglos, sah dies nach „Ein Klick zu viel“ schon anders aus.

Mit ihrem Roman „Novemberschokolade“ gelang Sosnitza der Sprung in eine angesehene Agentur in München. Die nahm den Titel sogleich mit auf die „London Book Fair“, eine riesige Verkaufsmesse, bei der es nicht um die Bücher an sich, sehr wohl aber um die Rechte daran geht. Mit im Gepäck jeweils einen so genannten Pitch, also eine kurze Zusammenfassung der Handlung, sowie einen Kurztext.

„Dann trifft sich der Agent sozusagen im Viertelstundentakt mit Verlagsvertretern und stellt ein Buch nach dem anderen vor“, beschreibt Sosnitza das Prozedere. Auf diese Weise nahm sich der Heyne Verlag „Novemberschokolade“ an und verlegte den Titel in seinem Buchprogramm in der Sparte Frauenunterhaltung. Denn auch wenn ihre bisherigen Romane immer in der Region gespielt haben, zählen sie mitnichten zu regionaler Literatur. „Die gibt es höchstens im Bereich Regionalkrimi“, so Ulrike Sosnitza. „Mein Genre ist Frauenunterhaltung.“

Wobei sie dieses Genre nicht bewusst gewählt hat. „Alles, was ich schreibe, beschäftigt sich irgendwie mit Familie, zum Beispiel um Frauen, die Mütter sind. Ich habe einfach das Glück, dass die Geschichten, die mir vorschwebten, einer bestimmten Genreerwartung bereits entsprochen haben. Ich hatte ja schon immer Liebesgeschichten eingebaut. Die letztendliche Frage ist immer: Wo landet es beim Buchhändler im Regal und danach sortiert sich alles andere.“ Das heißt in der Folge: Welcher Lektor nimmt sich des Buches an, welchem Verlag wird es in welcher Sparte angeboten. Hier spielt die Agentur eine große Rolle, die in der Regel prozentual beteiligt ist.

Trotzdem kam das regionale Element in ihren Büchern gut an. „Ich habe den Eindruck, dass eine mittelgroße Stadt wie Würzburg den Leserinnen gefällt. Es ist einmal etwas anderes, ein anderer Ort, der etwas anderes bietet.“ Wichtiger ist es, einen Roman spannend anzulegen. „Die Personen müssen echt erscheinen und diese Authentizität zu erzeugen, war zu Beginn schwierig.“

Ulrike Sosnitza interessiert die Reaktion der Leser. Sie liest Rezensionen in den Verkaufsportalen des Online-Buchhandels, besucht Leserunden im Internet und Blogs. Sie begrüßt die neuen Möglichkeiten, weil „sie der Unterhaltungsliteratur einen höheren Stellenwert einräumen als die klassischen Buchbesprechungen in Feuilleton und Fernsehen.“ Und auch, wenn sie sich über eine Fünf-Sterne-Rezension natürlich freut: „Weiter bringen einen vielleicht die mit weniger Sternen – zumindest, wenn sie konstruktive Kritik beinhalten.“

Blogger brachten die Autorin auf die Idee, Rezepte aus ihren Büchern auf ihre Website zu stellen. Denn sinnliche Genüsse sind ebenso Teil ihrer Romane wie die Liebesgeschichte. Bei „Novemberschokolade“ hat sie sich vorher genau angesehen, wie ein Chocolatier arbeitet. Und bei „Hortensiensommer“, ihrem dritten veröffentlichten Roman, recherchierte sie akribisch, was wann wo blüht. „Damit danach niemand sagen kann, das geht so nicht.“

Für die Recherche zu ihrer aktuellen Arbeit muss sie im Mai nach München reisen, denn der nächste Roman mit dem Titel „Orangenblütenjahr“ spielt diesmal nicht in der Region. Soviel sei verraten: Es dreht sich um eine Frau, die aus einem kleinen Dorf in eine Großstadt zieht. Der Roman ist zwar in der Rohfassung bereits fertig, aber: „Ich muss verschiedene Spielstätten zu der Jahreszeit ansehen, in der der Roman auch spielt.“ Die Hauptfigur wird diesmal etwas älter sein, nämlich 52 Jahre. „Ich bin gespannt, ob sich dadurch meine Zielgruppe verändert.“

Ulrike Sosnitza ist eine strukturierte Arbeiterin. „Ich brauche feste Arbeitszeiten, weil es einen einfach diszipliniert.“ Das heißt: „Ich fange morgens um acht Uhr an und mache dann die Türe zu, als sei ich nicht da.“ Dann geht es bis mittags um eins und es folgt eine Pause. „Zu dieser Zeit muss ich unbedingt raus. Und am Nachmittag setze ich mich meist nochmals ein paar Stunden hin.“ Zu alledem kommt noch die Arbeit am Internet und Social Media hinzu: Facebook will bedient werden und Leserunden ebenso.

Beim Schreiben geht sie stets chronologisch ans Werk. Sie beginnt am Anfang und schließt das Buch mit dem Ende ab. „Solange ich den Eindruck habe, alles wird gut, schreibe ich weiter, bis die Rohfassung fertig ist.“ Hakt es an einer Stelle, gibt sie ein Kapitel auch bereits früher an ihre Lektorin ab und bekommt ein Feedback. „Ich habe immer die Erfahrung gemacht, dass mir geholfen wird und es dem Roman letztlich gut bekommt.“

Natürlich bleibt auch die Familie von der Autorentätigkeit nicht unberührt: „Wenn ich zum Beispiel einen intensiven Streit beschreiben will, habe aber eigentlich gute Laune, bekomme ich das nicht hin. Dann höre ich bestimmte Musik oder denke an etwas, worüber ich mich ärgern muss – und so klappt das. Wenn dann allerdings jemand aus der Familie ins Arbeitszimmer kommt, hat er Pech gehabt.“

 

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