UP Magazin

UPLiterarischer Herbst der Stadtbücherei

Das Okapi und der Tod

Peter Rühmkorf (Cover-Ausschnitt) Peter Rühmkorf (Cover-Ausschnitt) Wallstein

Sechs Autorinnen und Autoren sind diesmal beim „Literarischen Herbst“ der Stadtbücherei zu Gast – und eine Lesung erinnert an Peter Rühmkorf.

Der Herbst ist genau die richtige Jahreszeit, um abends ein gutes Buch in die Hand zu nehmen. Lassen Sie sich von den Lesungen im „Literarischen Herbst“ der Stadtbücherei inspirieren.

Donnerstag, 5. Oktober
Christoph Poschenrieder:  Kind ohne Namen
Nur zwei Semester Germanistik hat Xenia studiert. Dann kehrt sie in das Dorf ihrer Kindheit zurück. Nicht ganz freiwillig, denn sie ist schwanger. Doch niemand soll das wissen. Auch nicht ihre Mutter. Die hat im Moment sowieso andere Sachen im Kopf: Ein knappes Dutzend Fremde wurde im Schulhaus untergebracht, was den Dorfbewohnern ganz und gar nicht passt.

Als Xenias Mutter ein gut gemeintes Willkommensfest veranstaltet, haben weder die Fremden, noch die Einheimischen Lust zu feiern. Xenia hingegen freundet sich bei der Gelegenheit mit dem jungen Ahmed an. Das Leben im Dorf wird zunehmend ungemütlich; um Ahmed und ihre Tochter vor den aufgebrachten Leuten zu schützen, muss sich Xenia einiges einfallen lassen. Dabei helfen ihr Phantasie, Intelligenz und ein paar außergewöhnliche Mittel.
 
Donnerstag, 12. Oktober
Christoph Peters: Selfie mit Sheikh
Der moderne islamische Orient wirft für uns Menschen im Abendland viele Fragen auf: Was fasziniert an dieser Lebenswelt, Mentalität und Kultur und was erschreckt uns daran? Wie gut verstehen wir sie und inwiefern bleibt sie uns fremd? Können wir unsere westlichen Projektionen und Vorstellungen überwinden und unsere Vorurteile überprüfen? Immer wieder hat Christoph Peters in seinen Büchern die Berührungspunkte und Reibungsflächen der westlichen Welt mit anderen gesellschaftlichen und spirituellen Traditionen ausgelotet. Vor allem die Schnittstellen von Orient und Okzident, von Überlieferung und Moderne beschäftigen ihn intensiv. Seine Erzählungen umkreisen diese Aspekte auf beeindruckende Weise in immer neuen Facetten.
Die Geschichten in „Selfie mit Sheikh“ spielen in den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens, die Christoph Peters in den vergangenen Jahren intensiv bereist hat: Pakistan, Ägypten, Saudi Arabien, Türkei und teilweise auch in Deutschland. Alle beleuchten aus unterschiedlichen Richtungen die Verhältnisse zwischen dem islamischen Orient und dem Westen. Seine Themen sind die Weltpolitik im Großen und Kleinen, Mystik und Strenge, die unglückliche Liebe und ein Teppich, der partout nicht fliegen will.
 
Dienstag, 17. Oktober
Nina Bußmann: Der Mantel der Erde ist heiß und teilweise geschmolzen
An einem sonnigen Tag in Nicaragua verschwindet ein Flugzeug mit seinen Insassen spurlos und ohne jeden erkennbaren Grund vom Radar. An Bord ist die Seismologin Nelly, die sich auf einem Forschungsaufenthalt befindet. Monate später werden Trümmerteile in den Wäldern der Karibik gefunden. Die namenlose Ich-Erzählerin reist nach Nicaragua, um die Umstände des Verschwindens ihrer ehemaligen Studienkollegin aufzudecken. Sie weiß nicht, ob sie Nelly jemals wiedersehen wird. Diese Unsicherheit ist quälend und sie will Klarheit über dieses rätselhafte Verschwinden.
Auf der Suche nach Hinweisen durchforstet sie Nellys Forschungsaufzeichnungen und alte Vermisstenfälle. Rasch merkt sie, dass sich Nelly bereits vor ihrem Verschwinden aus dem Leben zurückgezogen hat. Obwohl die Suche zusehends schwieriger wird, ist die Freundin davon überzeugt, dass der Flugzeugabsturz eine Inszenierung gewesen sein muss.  

Donnerstag, 2. November
Markus Orths: Max    
Das Panorama einer wahnwitzigen Zeit. Und mittendrin: Max Ernst. Er kämpft gegen die Verrücktheit einer aus den Fugen geratenen Welt. Er flieht vor dem patriarchalisch konservativen Vater, später vor dem Nationalsozialismus. Er sucht die eine Frau, die er lieben kann: in Deutschland, im wilden Paris der zwanziger Jahre, im Exil in den USA. Viele seiner Freunde und Frauen sind berühmte Menschen dieser Zeit: Pablo Picasso, André Breton, Leonora Carrington, Peggy Guggenheim. Im Spiegel von sechs Frauenleben entfaltet sich ein Roman über das 20. Jahrhundert und einen seiner großen Künstler.
 
Donnerstag, 9. November
Mariana Leky:  Was man von hier aus sehen kann
Selma kann den Tod voraussehen. Immer wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Unklar ist allerdings, wen es treffen wird. Wie die Bewohner in den folgenden Stunden mit dieser Gewissheit umgehen, was sie fürchten, was sie blindlings wagen, gestehen oder verschwinden lassen, erzählt Mariana Leky in ihrem neuen Roman.
Selmas Enkelin zum Beispiel muss viele tausend Kilometer überbrücken. Denn der Mann, den sie liebt, ist zum Buddhismus konvertiert und lebt in einem Kloster in Japan. „Was man von hier aus sehen kann“ ist das Porträt eines Dorfes, in dem alles auf wundersame Weise zusammenhängt. Vor allem ist es ein Buch über die Liebe unter schwierigen Vorzeichen.


Donnerstag, 16. November
Mareike Krügel: Sieh’ mich an
Man kann ja nicht einfach sterben, wenn die Dinge noch ungeklärt sind. Über den Knoten in ihrer Brust versucht sie nicht nachzudenken, dieses Wochenende soll noch einmal ganz normal sein. Am Montag wird sie sich darum kümmern. Niemand weiß davon, und das ist auch gut so. Und so entrollt sich das Chaos eines ganz normalen Freitags. Während sie einen abgetrennten Daumen versorgt, ihren brennenden Trockner löscht und sich auf den emotional nicht unbedenklichen Besuch eines Studienfreundes vorbereitet, beginnt ihr Vorsatz zu bröckeln, und sie stellt sich den großen Fragen des Lebens: Ist alles so geworden, wie sie es wollte? Ihre Musik, ihre Kinder, die Ehe mit dem in letzter Zeit viel zu abwesenden Costas? Als der Tag fast zu Ende ist, beschließt sie, endlich ihr Geheimnis mit jemandem zu teilen, den sie liebt.

Mittwoch, 22. November
Peter Rühmkorfs „Des Reiches genialste Schandschnauze
Texte und Briefe zu Walther von der Vogelweide – Lesung und Gespräch mit Stephan Opitz und Joachim Kersten

Peter Rühmkorf und Walther von der Vogelweide: eine freundschaftliche Annäherung zweier großer Lyriker über die Jahrhunderte hinweg. Peter Rühmkorf fand in den 1970erJahren eine erstaunliche und für sein weiteres literarisches Werk bedeutsame Nähe zu Walther von der Vogelweide. Diese Nähe zeigt sich in Rühmkorfs Übersetzungen der mittelhochdeutschen Gedichte Walthers, „des Reiches genialster Schandschnauze“, wie Rühmkorf ihn nennt. Die Beschäftigung mit dem mittelalterlichen Dichterkollegen half Peter Rühmkorf bei der Überwindung seiner poetischen Krise. In Gedichten, Briefen und Tagebuchnotizen erzählt Rühmkorf von dieser Erkundung und Annäherung.

Stephan Opitz, Herausgeber des Buches, ist seit 2009 Professor am Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medien an der Universität Kiel und, gemeinsam mit Joachim Kersten, Rühmkorfs Nachlassverwalter. Diese beiden stellen unterhaltsam und informativ in Lesung und Gespräch diese besondere freundschaftliche Annäherung Rühmkorfs an Walther von der Vogelweide vor. Moderation: Kulturreferent Muchtar Al Ghusain

Die Veranstaltungen beginnen um 20 Uhr im Lesecafé der Stadtbücherei (Max-Heim-Bücherei). Einlass ab 19.15 Uhr. Der Eintritt beträgt 10 Euro. Kartenvorverkauf in der Stadtbücherei im Falkenhaus. Mehr im Internet:
www.stadtbuecherei-wuerzburg.de.

 

UP - Der Überblick

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4

Schwimmen im Bumerang

Schwimmen im Bumerang

Das Alte ist weg, das Neue kann kommen. Nach dem Abriss begannen jetzt die ersten Arbeiten am neuen Freizeitbad, das das alte Nautiland ersetzen wird: ein schickes, hochmodernes Gebäude in Form eines Bumerangs, mit Schwimmbädern, Saunalandschaft, Wellness, Gastronomie und einer Videorutsche. Was noch fehlt: der neue...

Mehr >

Würzburgs Flaniermeile

Würzburgs Flaniermeile

Ein Mammutprojekt: Mehr als vier Jahre dauerte die Bauzeit für die Fußgängerzone Eichhornstraße. Entstanden ist eine moderne Flanier- und Einkaufsmeile, die Würzburg gut zu Gesicht steht.

Mehr >

Stifter statt Investoren

Stifter statt Investoren

Seit etlichen Jahren auf dem Wunschzettel: Jetzt soll eine Stiftung für die Finanzierung einer neuen Multifunktionsarena für Würzburg sorgen. Somit geht die Entwicklung des Geländes an den Bahngeleisen weiter – auch Hotel und ein neues Parkhaus nehmen Konturen an.

Mehr >

Moderne Herbergssuche

Moderne Herbergssuche

Stadt, Landkreis und Caritas haben sich zusammengetan, um Wohnraum an Bedürftige zu vermitteln. „Fit for move“ nennt sich das Interkommunale Pilotprojekt, das im Juli dieses Jahres gestartet ist.

Mehr >
Website Realisation: CATLINE print & web | © UP Magazin 2016