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UP"Entlockt" bis 20. Juni in der Augustinerkirche

Ein Puzzle aus Klängen

Erst heißt es sammeln: Mit einem Aufnahmegerät war der Würzburger Komponist und Musiker Burkard Schmidl unterwegs, um bei über 350 Menschen Klangspenden einzuholen. Erst heißt es sammeln: Mit einem Aufnahmegerät war der Würzburger Komponist und Musiker Burkard Schmidl unterwegs, um bei über 350 Menschen Klangspenden einzuholen. Antje Arlt

Klangpuzzle nennt der Komponist und Musiker Burkard Schmidl sein neues Projekt, das er gemeinsam mit der Diplom-Pädagogin Antje Arlt ins Leben gerufen hat. Ziel ist es, Menschen mit und ohne Behinderung in der Musik zusammenzuführen – ob als Künstler oder als „Klangspender“. Zu sehen und zu hören ist das Klangpuzzle bis zum 20. Juni in der Würzburger Augustinerkirche.

Mit dem Sammeln von Klängen hat der Würzburger Komponist und Musiker Burkard Schmidl, der die Besucher der ersten Würzburger Landesgartenschau mit seinem Klanggarten erfreute, einige Erfahrung. Schon im Dezember 2016 hatte er eine interaktive Kunst- und Klanginstallation zum Thema Inklusion in der Kapelle von St. Johannis geschaffen.

„Diesmal geht es nicht nur wie 2016 um Geräusche aus Podesten“, erläutert Burkard Schmidl im Gespräch mit dem UP Magazin sein neuestes Projekt. „Das Prinzip ist zwar ähnlich, aber musikalisch gibt es einen Unterschied. War es 2016 noch ein reines Klangkunstprojekt, ist es diesmal ein kompositorisches Klangkunstprojekt. Das heißt: Diesmal sind die Klangspenden in eine Komposition eingebunden.“

Die Rede ist vom Klangpuzzle (Untertitel: „entlockt“), das bis zum 20. Juni in der Würzburger Augustinerkirche zu sehen und zu hören ist. Diesmal sind die Klangspenden musikalischer eingebettet als noch bei den Klangspielen. Und: Der Kreis der Klangspender hat sich drastisch vergrößert. Waren es damals fast ausschließlich die Mainfränkischen Werkstätten, sind diesmal auch die Lebenshilfe, das St. Josef Stift, das Blindeninstitut, das Zentrum für Körperbehinderte und weitere beteiligt.

Überall dort war Burkard Schmidl mit seinem Aufnahmegerät unterwegs, um „Klangspenden“ für das Projekt einzusammeln. Schmidl hat von über 350 Menschen Beiträge aufgenommen – und hier kommt auch der Untertitel „entlockt“ ins Spiel. Schließlich musste Burkard Schmidl nicht selten erst einmal ein Vertrauensverhältnis aufbauen, um eine Klangspende zu bekommen.

„Zunächst einmal ging es meist darum, herauszufinden, was die Spender machen wollen – vielleicht etwas singen oder ein Gedicht vortragen. Da kann es dann auch passieren, dass jemand erst einmal blockiert ist“, beschreibt Burkard Schmidl. „In 95 Prozent aller Fälle, gelingt es mir aber, einen guten Draht aufzubauen. Und hinterher sind alle Beteiligten stolz. Viele wollen es nochmal hören und wollen wissen, wann sie es sehen können. Normalerweise wird für Menschen mit Behinderung gespendet. Diesmal spenden sie selbst.“ Und weil das so ist, gibt es auch für jeden Klangspender eine Spendenquittung.

Burkard Schmidl in seinem Studio. | Foto: Rainer AdelmannBurkard Schmidl in seinem Studio. | Foto: Rainer AdelmannGesammelt wurden die Klangspenden von Menschen mit Behinderung, aber auch von Werkstattleitern, Fachpersonal oder Betreuern. Und auch Personen des öffentlichen Lebens und der Lokalpolitik spendeten Geräusche oder Klänge. Diese blieben teils unverändert, teils bearbeitete sie Burkard Schmidl künstlerisch. Die Kompositionen zu erstellen und die Klangspenden einzuarbeiten, waren eine zeitraubende Angelegenheit: „Du machst ein paar Akkorde, um eine Atmosphäre zu schaffen und versuchst dann eine passende Klangspende zu finden und einzubauen. Das kann neun Mal schief gehen, aber beim zehnten Mal merke ich: Es tut sich was, die Atmosphäre passt“, beschreibt Burkard Schmidl. „Man muss irre viele Spenden sammeln, sichten und ausschneiden, das ist schon viel Arbeit.“

Im Gegensatz zu den Klangspielen 2016 hat sich diesmal die „Aktion Mensch“ an dem Projekt beteiligt. Für den Künstler heißt dies: Er hatte diesmal ein Budget, um sein Projekt in einer über einjährigen Vorbereitungszeit realisieren zu können. Burkard Schmidl freut sich auch, dass die Augustiner ihre Kirche zur Verfügung stellten. In der Augustinerkirche sind 16 Lautsprecher installiert, welche die interaktive Klanginstallation Burkard Schmidls übertragen. Über Sensoren lösen die Besucher zusätzliche Klänge aus, die die Komposition immer wieder neu auf vielfältige Weise verändern. So entsteht das Klangpuzzle, das sich immer wieder anders zusammensetzt.

Mit Diplom Pädagogin Antje Arlt hat Burkard Schmidl eine Mitstreiterin gefunden, die schon öfters Musikprojekte für und mit Menschen mit Behinderung organisierte. Gemeinsam schufen sie das Motto: In jedem Menschen steckt ein Talent, das „entlockt“ werden will.

Das Klangpuzzle mit Bildern und Objekten der Mainfränkischen Werkstätten, dem St. Josefs Stift der Gemeinschaft Sant‘ Egidio und des Fördervereins der Stiftung Menschen und Autismus ist noch bis 20. Juni in der Augustinerkirche zu sehen und zu hören. Öffnungszeiten: täglich von 13 bis 16 Uhr. Führungen sind an den Samstagen 1., 8. und 15. Juni, jeweils um 12.15 Uhr im Anschluss an das Tastenspiel. Weitere Termine nach Vereinbarung unter klanggarten@t-online.de.

 

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