UP Magazin

UPArt-Rock eroberte das 31. Jazzfestival der Jazz-initiative

Glanz auf allen Saxophen

Nastja Volokitina mit der Berliner Kombo KUU! Nastja Volokitina mit der Berliner Kombo KUU! Carola Thieme

Ferdinand kommt aus dem Münsterland. Für zwei Tage hat er sich in Franken einquartiert. Das Würzburger Jazzfestival hat den leidenschaftlichen Hörer an den Main gelockt. „Zwei Tage, sechs Konzerte“, findet er, „das ist schon von der Quantität her sehr gut.“ Die großen Festivals in Frankfurt und Berlin über vier, fünf Tage zu besuchen, und immer mehrere Konzerte gleichzeitig im Angebot – da nimmt man am Ende dann gar nichts mehr wahr.

von Peter Sandkopf

Ferdinand kennt Musiker aus aller Welt. Aber von den 44 Künstlern des Würzburger Festivals hat er bisher erst einen Schlagzeuger mal auf einer Bühne erlebt oder auf CD gehört. „Das find ich klasse“, sagt er im Gespräch mit Jörg Meister, Vorsitzendem der Jazzinitiative Würzburg, „dass man bei euch noch was Neues kennenlernt.“ Ihn langweilt es, wenn Agenturen immer nur auf sichere große Namen setzen. Sicher, bei ein paar Namen im Programm hat es auch bei Ferdinand geklingelt. Von einem finnischen Gitarristen Kalle Kalima hat man schon mal gehört, auch von der afghanischen Holländerin Simin Tander. Da hat Ferdinand sich gesagt: „Anscheinend spielen auf diesem Würzburger Jazzfestival lauter Profis mit Geheimtipp-Status“, und ist von Münster nach Würzburg gereist.

Nun sind Westfalen gemeinhin nicht so leicht zu beeindrucken. Am Main jedoch kam alles anders. Mal abgesehen davon, dass das Kulturzentrum mit dem etwas sperrigen Namen Felix-Fechenbach-Haus sich als gediegene, postmodern umgenutzte Industriemontagehalle aus den frühen 20. Jahrhundert entpuppte. Da war nämlich der komplette erste Festivaltag, Samstag, der 24. Oktober, eine einzige Abfolge hochmusikalischer Überraschungen.

Das 23-köpfige Bamesreiter-Schwartz-Orchester begann mit einer ungemein differenzierten und fließenden modernen sinfonischen Musik. Da erinnerten schon die Instrumentalpassagen von der Dynamik her an die Wirkung romantischer Kunstlieder. Gesteigert wurde dieses neuartige Kunsterlebnis dadurch, dass ein Frauen-Gesangsquartett die Bigband ergänzte. Dann trat das siebenköpfige Projekt „Early Music 2 a. m.“ auf und gab eine Instrumentierung zu hören, die auch ein festivalerfahrener Ferdinand bislang für unmöglich gehalten hatte, zumindest im Jazz: Arabische Laute Oud, Cembalo, Klarinette und Flöten, Cello, Kontrabass und Percussion klangen zusammen zu einer Art orientalischem Renaissance-Jazz. Das Septett war eigens für diese eine Show gecastet worden.

Wer hingegen öfter zusammen spielt, das sind Gitarrist Philipp Schiepek und Saxer Thomas Hähnlein. Wenn sie Vernissagen untermalen, spielen die Jungs von der Würzburger Musikhochschule naturgemäß etwas Gefälliges. Mit Schlagzeuger im Trio „Dedicated to Rafael“ geht das dann schon experimenteller zu, und als ob sie nach „Early Music 2 a. m.“ Angst vor zu viel Schönheit hätten, knüpft zumal Schiepek immer wieder kleine Knötchen in seine Saitenarbeit auf der Elektrischen.

Da das startende Jazzorchester vom Würzburger Gitarristen Richard Schwartz mitgegründet wurde, zeigte sich der erste Jazztag recht lokal – konnte aber mit international besetzten Großfestivals locker mithalten, bescheinigte Ferdinand.

Musikfreunde schätzen den Jazzeinfluss in einem Genre, das Progressive Popmusik oder Art-Rock genannt wird. Die Grenzen sind da fließend, und eben das macht eine Definition dieser ganzen Richtung aus. Die Jazzinitiative holte für den Sonntag gleich zwei Musterbeispiele auf die Bühne, beide mit Sängerinnen, beide ohne Bass: Neofobic meets Simin Tander und KUU! Klavier, Laptop, Schlagwerk am frühen Abend, als Rausschmeißer dann zwei Gitarren plus Drums. Die einen arbeiteten mit Stille als Umhüllung der introvertierten Vokalistin Tander. Die anderen machten tierischen Radau. Dass beide Seiten dieser Medaille von technischer Perfektion geprägt waren, versteht sich für die „Ini“ von selbst. Dilettanten bewerben sich für dieses Festival vergebens. Zwischen den beiden zukunftsweisenden Formationen des Sonntags erinnerte Andi Kissenbecks Club Boogaloo daran, dass man auch in der Bebop-Tradition Spaß haben kann.

 

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