UP Magazin

UPUP Magazin besucht "Vater" der Klanggärten in seinem Studio

Herr der Röhren

Burkard Schmidl mit seiner selbst entwickelten Soundharp live auf der Bühne. Burkard Schmidl mit seiner selbst entwickelten Soundharp live auf der Bühne. Hans Will

Der Würzburger Komponist und Musiker Burkard Schmidl lässt mit seiner selbst entwickelten Soundharp Röhren nicht nur leuchten, sondern auch klingen. UP Magazin besuchte den „Vater“ der Klanggärten in seinem Studio.

von Rainer Adelmann

Burkard Schmidl fährt mit der Hand über eine der leuchtenden Plexiglasröhren und der Rhythmusteppich aus den Lautsprechern verändert sich. Die andere Hand gleitet über einer weiteren Röhre von oben nach unten und moduliert den Klang ins Nasale. Der Zuhörer versucht die schwebenden Hände mit dem Gehörten in Einklang zu bringen und ist damit nur bedingt erfolgreich, denn nicht immer sind die Sensoren so programmiert, dass sie sofort auf die Handbewegung reagieren.

Seit etwa einem Jahr ist die von Burkard Schmidl selbst entwickelte Soundharp bühnenreif und sie hat etwas geschafft, was seit fast 30 Jahren nicht mehr der Fall war: den Würzburger Komponisten und Musiker wieder auf die Bühne zu bringen. UP Magazin besuchte Burkard Schmidl, der mit „Missus Beastly“ und den „Dissidenten“ große Erfolge feierte, mit Eisi Gulp und Spliff-Schlagzeuger Herwig Mitteregger tourte und dessen Klanggarten-Installationen tausende Besucher faszinierten, in seinem Studio.

Eigentlich sei die Soundharp ein Nebenprodukt einer anderen Überlegung, so Burkard Schmidl im Gespräch über die Entwicklung seines elektronischen Instruments. Seit über einem Vierteljahrhundert beschäftigt er sich mit Installationen wie dem Klanggarten auf der Würzburger Landesgartenschau, der Klangallee in Fulda oder der Klanguhr in Aschersleben. Dabei sei ihm die Idee gekommen, man könne die Installationen doch interaktiv gestalten.

„Die Idee war, Klanginstallationen im Raum anzubringen, bei denen die Bewegungen der Besucher sensorisch eingefangen und dadurch Klänge erzeugt und verändert werden“, so Burkard Schmidl. „Ich habe also angefangen, Sensoren in meinem Übungsraum zu verteilen und bin dann hin und her gerannt.“ Weil das auf Dauer zu umständlich war, platzierte er schließlich die Sensoren der Reihe nach auf einem Tisch. „Hat dufte funktioniert, sah aber erbärmlich aus“, so Schmidl über diesen vorübergehenden Entwicklungsschritt.
Kurz: Der Formfaktor begann eine Rolle zu spielen, die Soundharp bekam ihre jetzigen Röhren aus Plexiglas übergestülpt. Zudem wurden die Röhren per LED-Beleuchtung von innen mit Licht bestrahlt, „denn der Künstler wollte, dass es hübsch aussieht.“ Bewusst weckt die Soundharp Assoziationen zu einer Kirchenorgel oder den Röhren eines Vibrafons.

Nun kommt die Alte Synagoge in Kitzingen ins Spiel: Burkard Schmidl wurde angefragt, ob er sein neues Instrument nicht in einer Veranstaltung dort vorstellen wollte. Damit sollte Schmidl, der 1990 aufgehört hatte live zu spielen, nach langer Pause wieder auf einer Bühne stehen. „Ich hatte mich in all der Zeit quasi jedes Jahr einmal gefragt, ob ich nicht wieder einmal etwas live machen sollte“, so Burkard Schmidl. „Die Antwort war immer: Nö, muss nicht sein. Ich brauche es nicht als Bestätigung meiner musikalischen Arbeit.“

Eine Ausnahme gab es beim Würzburger Hafensommer vor drei Jahren, als er mit Missus Beastley-Kollegen auftrat – mit einem halbstündigen Programm, „um zu sehen, ob ich das noch kann.“ „Schließlich bin ich auch schon über 60“, so Schmidl weiter, „und ich dachte mir: Entweder trete ich jetzt wieder live auf – oder es wird nichts mehr.“

Burkard Schmidl mit Jochen Volpert und Thomas Gawlas. | Foto: Hans WillBurkard Schmidl mit Jochen Volpert und Thomas Gawlas. | Foto: Hans WillWeil der Auftritt seinerzeit Spaß gemacht hat, nahm Schmidl das Angebot aus Kitzingen an und stellte für die künftigen Live-Auftritte mit der Soundharp eine Band zusammen. Gemeinsam mit dem Bassisten Thomas Gawlas und dem Gitarristen Jochen Volpert agiert die Formation als „Burkard Schmidl & Friends“ und spielt vorwiegend Stücke von Schmidl, aber auch Fremdkompositionen.

Einerseits will Schmidl auf diese Weise die Soundharp vorstellen. Anderseits sieht er darin die Möglichkeit, einen Rückblick auf sein musikalisches und kompositorisches Leben zu präsentieren: von Jazz-Rock über ethnische Melodien bis zu seinem Klavierspiel. „Bestimmte Sachen, die man in seinem Leben gemacht hat zu bündeln“, fasst Schmidl seine Intentionen zusammen. Viele Melodien seiner Stücke sind ethnischen Ursprungs, zum Beispiel aus der Zeit als er mit dem indischen Karnataka College of Percussion gearbeitet hat.

„Wenn ich auftrete, soll es aber auch Spaß machen, es zu erarbeiten“, so Schmidl weiter. Deshalb kam für ihn nicht in Frage, für die Auftritte auf seinen alten Musikerkollegen aus „Missus Beastly“ oder „Dissidenten“ Zeiten zurückzugreifen, die quer über Deutschland verstreut sind. „Da schickt man sich dann nur jede Menge MP3-Dateien und kommt zwei Tage vor dem Auftritt zum Proben zusammen.“ Daher war für ihn klar: Es müssen Musiker aus der Region sein, mit denen man gemeinsam im Proberaum das Programm einstudiert. „Beide besitzen ein großes musikalisches Spektrum“, so Schmidl über seine Mitstreiter.

Die Soundharp hat Burkard Schmidl nicht nur selbst entwickelt, sondern auch selbst gebaut. Dazu kommt die zeitaufwändige Programmierung der einzelnen Klangröhren sowie die Programmierung der Lichteffekte. „Zuerst habe ich gedacht: Das mache ich jetzt einfach mal und bin dann drei Monate beschäftigt“, so Schmidl. „Jetzt sind es schon zwei Jahre her und ich arbeite noch immer ein bisschen daran herum“. Für die technisch Interessierten: Grundlage der Soundharp sind Infrarotsensoren unter den Plexiglasröhren. Sie schalten die gewünschte Computersequenz durch die Handbewegung nicht nur an und aus. In manchen Röhren regelt ein zweites Paar Sensoren darüber hinaus stufenlos die Klangveränderung. Über Midi, das ist die genormte Schnittstelle für digitale Instrumente, ist die Soundharp mit dem Computer verbunden, der wiederum die auf die Bewegung vorprogrammierten Samples und Klangeffekte abruft und an die Lautsprecher weitergibt.

Wer die Soundharp samt Burkard Schmidl & Friends live hören und sehen will, muss sich noch ein wenig gedulden, sollte sich aber schon folgenden Termin notieren: am 2. Oktober in Karlstadt im Rahmen der Veranstaltung „Kultur Häpply“. Mehr Informationen im Internet unter:
www.klanggarten.de.

 

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