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UPDas Mozartfest präsentiert Kammermusik im Kaisersaal.

Intim und magisch

Christiane Karg Christiane Karg Gisela Schenker

Kammermusik im Kaisersaal: Das Mozartfest hat auch in diesem Jahr wieder exquisite Künstler im Programm. Zum ersten Mal stehen drei Artistes étoiles gemeinsam auf der Bühne.

Mit unbeschreiblicher Anmut ertönten die Fugen und künstlichen Passagen der Komposition, sodass die erlauchten Fürsten und Damen zu speisen aufhörten und der Musik allein ihre ganze Aufmerksamkeit schenkten, und keiner der Diener während dieses ganz unübertrefflichen Quartetts sich von seinem Platze bewegte.“

Diese „Konzertkritik“ eines Chronisten vom Auftritt eines Quartetts der Münchner Hofkapelle bei einer Fürstenhochzeit im Jahre 1568 verdeutlicht einprägsam die fast magische Wirkung von Kammermusik. Die „musica da camera“, Musik nämlich für die Kammern und Säle der Fürsten und nicht, wie bisher, für die Kirchen, zieht dank ihrer Feinheit und Intimität die Zuhörer mitten hinein in ihr musikalisches Zentrum. Kleine Besetzungen spielen mit großer Virtuosität und Hingabe und erlauben es, Momente zu erleben, in denen die Zeit stehen bleibt.

Aus den Fürstensälen heraus fand diese exquisite Form des Musizierens im 18. Jahrhundert ihren Weg in die bürgerlichen Salons. Die Kompositionen wurden immer raffinierter und anspruchsvoller, zur Freude der Musiker und zum Vergnügen der Zuhörer. Diese Begeisterung für die Kammermusik hält bei Musikern und Publikum bis in die heutigen Tage an – Grund genug für das Mozartfest, in Würzburgs schönster „Kammer“, dem Kaisersaal der Residenz, eine Reihe von Konzerten mit einigen der aktuell besten Kammermusikensembles und interessanten Programmen anzubieten.

Armida Quartett | Foto: Felix BroedeArmida Quartett | Foto: Felix BroedeDen Anfang macht im Kaisersaal das Armida Quartett (5. Juni), das in der Kammermusik eine besondere Chance sieht: „Sie gibt uns die Möglichkeit, nicht allein die Musik zu präsentieren, sondern auch, was es bedeutet, gemeinsam zu musizieren. Wir lenken die Ohren auf uns als Gruppe, auf die Dynamik innerhalb dieses demokratischen Teams“, formuliert das Quartett, das in seiner jugendlichen Frische eine bewundernswerte Reife ausstrahlt.
Jörg Widmann, Tabea Zimmermann und Dénes Várjon (20. Juni) treffen sich zum wiederholten Mal zur Kammermusik beim Mozartfest. „Kammermusik“, sagt Tabea Zimmermann, „muss für mich aus dem inneren Bedürfnis entstehen, sich mit Menschen so zu verschränken, dass jeder seine Seele öffnet und man gemeinsam ausdrückt, was in den Noten steht.“ Mit tiefem musikalischen Einverständnis und großer Lust am natürlichen Spiel bilden die drei Künstler ein Trio, das neben aller Homogenität und Virtuosität auch von der charismatischen Ausstrahlung seiner Mitglieder lebt.

Von Johann Wolfgang von Goethe stammt die wohl berühmteste Einschätzung zur Kammermusik: „Man hört vier vernünftige Leute sich untereinander unterhalten“, schrieb der Dichterfürst über das Streichquartett, die Königsdisziplin der Kammermusik, „man glaubt ihren Diskursen etwas abzugewinnen und die Eigentümlichkeiten der Instrumente kennenzulernen“. Einer unter den begnadeten Komponisten seiner Zeit hatte es Goethe besonders angetan: Felix Mendelssohn.

„Was dieser kleine Mann im Phantasiren und Primavistaspielen vermag, das grenzt an‘s Wunderbare und ich habe es bei so jungen Jahren nicht für möglich gehalten“, soll Goethe voller Bewunderung über die frühe Reife des 12-jährigen Mendelssohn geäußert haben. Für das Mozartfest begeben sich der Schauspieler Dominique Horwitz und das Fauré Quartett (22. Juni) mit Werken von Mendelssohn auf musikalisch-literarische Reise nach Weimar in Goethes Salon.

Auch für Isabelle Faust steht Kammermusik an erster Stelle. Sie bedauert, dass sie nicht noch mehr Zeit dafür findet. „Pures Solospiel interessiert mich nicht“, sagt die Geigerin. Auch große Konzerte gehe sie am liebsten kammermusikalisch an. Der Einladung zur Kammermusik im Kaisersaal folgt Isabelle Faust gemeinsam mit ihrem Klavierpartner Alexander Melnikov und dem Salagon Quartett (25. Juni), das mit klarem Ausdruck und farbenreicher Tonsprache ein idealer Partner für die Ausnahmekünstlerin ist. Die Sopranistin Christiane Karg, Artiste étoile des diesjährigen Mozartfestes, musiziert mit ihren Vorgängern, dem Geiger Renaud Capuçon und dem Pianisten Kit Armstrong beim „Gipfeltreffen“ (28. Juni) im Kaisersaal.

Alle drei gehören einer neuen Musikergeneration an: Perfekt ausgebildet und mit herausragendem Können begabt, verströmen sie auf der Bühne erfrischend natürliche Musikalität. „Man braucht die Seele eines reifen Menschen, gleichzeitig etwas Kindliches und sehr viel Können, um Mozart zu spielen“, sagt Renaud Capuçon und spricht damit wohl seinen Kammermusikpartnern aus dem Herzen.

Weitere Informationen unter www.mozartfest.de

 

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