UP Magazin

UPRückblick auf das 32. Festival der Würzburger Jazzinitiative

Stimmig und in sich geschlossen

Nicole Jo Nicole Jo Carola Thieme

Vier Tage, acht Bands, sehr große Abwechslung. Da stellt sich die Frage: Wieso wirkte das 32. Jazzfestival der Jazzinitiative Würzburg Ende Oktober trotzdem so stimmig und in sich geschlossen? Es soll uns hier einmal nicht ganz genügen zu schreiben: Alle Bands spielten auf einem sehr hohen Niveau, die Musik war einfach immer gut, das Individuelle ist das neue Allgemeine.

Dann schon eher: Die Künstler verband miteinander, dass sie alle keinen Jazz spielten. Der Satz ist zwar übertrieben, aber tatsächlich hörte man extrem wenige klassisch swingende Becken, und nur selten kam das Publikum dazu, einem Solo nach dem anderen zu applaudieren. Die Werke unterlagen anderen Kompositionsprinzipien als dem bis zum Überdruss bekannten schlichten Nacheinander von Leistungs-Schaustücken. Dabei sollte man das Stichwort „Kompositionsprinzip“ festhalten: Die meisten Werke waren stark durchstrukturiert, aber ausnahmslos jedes Ensemble spielte sie so locker, als flössen sie unmittelbar aus dem Augenblick.

Eine Selbstverständlichkeit bei der Jazzinitiative: Die engagierten Formationen stammten alle aus dem deutschsprachigen Raum, weil der Veranstalter sich als Förderer von Berufsmusikern versteht und es für die Ini wenig Sinn macht, die Jazzszene von Oslo oder Sorrentino zu fördern. Dabei nimmt man gern in Kauf, wenn eine einheimische Gruppe mit einem Stargast aus Amiland tourt und somit ein international bekannter Name das Plakat ziert.

Zur Einheit des Festivals trugen obendrein noch drei große Bögen bei: Die Hälfte der allerersten Band tauchte in einer der letzten wieder auf. Nur, während man beim Startkonzert von der Musik stark abgelenkt war, weil sie einen Stummfilm begleitete, bekamen die Hörer beim Wiedersehen den vollen Furor einer hochmodernen Künstlervereinigung zu lauschen.

Parallel zu dieser personellen Klammer spannte sich eine räumliche. Von den vier Abenden fanden die beiden mittleren im Felix-Fechenbach-Haus statt, das auswärtige Musiker übrigens ziemlich bewundern; die Würzburger haben sich an die umgenutzte Industriearchitektur offenbar schon zu sehr gewöhnt. An diesen zentralen Festivaltagen spielten je drei Ensembles. Davor und danach gab es je einen Abend mit lediglich einer Gruppe. Zuerst im Programmkino Central bei der letzten Vorstellung an der alten Adresse im Mozartgymnasium. Der letzte Festivaltag spielte im Kulturspeicher.
 
Oben wurden drei Bögen des Zusammenhalts versprochen. Der dritte fiel freilich nur Zahlenmystikern auf: Die Band, die zur Hälfte zweimal auftrat, tat dies an den Abenden eins und drei. An den Abenden zwei und vier hingegen gab es Klaviertrios zu hören. Doch diese Verschränkung sollte uns nicht allzu lange grübeln lassen. Sonst steht der 28. Oktober 2017 auf dem Kalender und das 33. Jazzfestival beginnt.
Joachim Fildhaut

 

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