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UPSieboldsche Sammlung zu Besuch im Knauf-Museum Iphofen

Winzige Kostbarkeiten

„Die zwölf Tieres des Zodiakus“ – auf rund 2,5 Zentimetern Kantenlänge. „Die zwölf Tieres des Zodiakus“ – auf rund 2,5 Zentimetern Kantenlänge. Uta Böttcher

Miniatur-Schnitzereien und Farbholzschnitte aus Japan präsentiert das Knauf-Museum Iphofen in einer Sonderausstellung.

von Rainer Adelmann

Alles begann mit einem Besuch von Markus Mergenthaler, Museumsleiter am Knauf-Museum Iphofen, bei seinem Kollegen Dr. Bruno Richtsfeld, seines Zeichens Leiter der Ostasien-Abteilung im Museum Fünf Kontinente in München. Der beherbergt in seinem Magazin einen kleinen Schatz: Über 50 so genannte Netsukes aus der Sammlung des Würzburger Arztes und Forschers Phillipp Franz von Siebold. „Immer wenn ich dort war“, so Markus Mergenthaler, „habe ich die kleinen Schubladen aufgemacht und hatte viel Spaß dabei, mir die Figuren herauszunehmen und sie anzuschauen.“ Die Idee für die Sonderausstellung „Siebold Netsuke treffen japanische Schönheiten“ – zu sehen vom 3. Juli bis 6. November im Knauf-Museum Iphofen – war geboren.

Foto: Uta BöttcherFoto: Uta BöttcherNETSUKE BenkeineuNETSUKE BenkeineuNetsukes (sprich Nets’kes) sind wunderbare, fein ziselierte Miniatur-Schnitzereien aus Japan und waren ursprünglich Gegenstände des täglichen Gebrauchs. Weil ein Männer-Kimono keine Taschen hat, erläuterte Markus Mergenthaler bei einer Einführung in die Ausstellung, mussten Dinge wie Geldbörsen, Rauchutensilien oder auch Medizindöschen am Gürtel befestigt werden. Dies geschah mit Hilfe einer Schnur, an dessen Ende – als Gegengewicht – eine Netsuke-Figur diente.

Viele der winzigen Schnitzereien stellen mythologische Figuren dar, insbesondere Glücksgötter. Es gibt aber auch Tiere, Früchte, sowie Gegenstände und Szenen aus dem Alltag. Anfänglich waren Netsuke aus Wurzelholz geschnitzt, später aber auch aus den verschiedensten Materialen wie Elfenbein, Hirschhorn und sogar aus Keramik geformt. In Gebrauch waren Netsuke bis etwa in die 60er Jahre des 19. Jahrhunderts. Aber schon bald wurden sie zu begehrten Sammlerobjekten – nicht zuletzt weil sie sich als Handschmeichler so herrlich anfühlen. Da auf diese Weise ein Sammlermarkt entstand, gab es schon bald viele Nachahmer und auch Fälschungen. Weil aber die Sammlung Phillipp Franz von Siebolds schon sehr früh ins Museum gelangte, kann man sicher sein, dass es sich hier um Originale handelt, so Markus Mergenthaler.

Phillipp Franz von Siebold hatte die über 50 Netsuke bei seiner zweiten Japan-Reise (1859 bis 1862) gesammelt und zunächst der holländischen Regierung angeboten, an die er bereits vorher Objekte verkauft hatte. Nachdem die abgelehnt hatte, war die Sammlung kurze Zeit in Würzburg in der alten Max-Schule in der Hofstraße ausgestellt und später an Bayern verkauft worden. 1866 war sie zum ersten Mal in München zu sehen, zwei Jahre später kam sie in das Königliche Ethnographische Museum – das heutige Museum Fünf Kontinente.

Fast die komplette Sammlung dieser wunderbaren Miniatur-Kunstwerke ist im Knauf Museum zu bewundern, lediglich vier Exemplare fehlen, weil sie anderweitig ausgestellt sind. Besonders beeindruckend ist die Netsuke „Die zwölf Tiere des Zodiakus“, signiert mit Chikuyosai (1805 bis 1880), ein Kleinod, das wohl Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden ist. Hund, Pferd, Katze, Schwein und Drache tummeln sich auf einer Kantenlänge von nur rund 2,5 Zentimetern.

Foto: Uta BöttcherFoto: Uta BöttcherErstaunlich ist die Verliebtheit in Details, wie bei einem kleinen Hund aus Elfenbein, der mit einer Muschel spielt oder einem sitzenden Tanuki, der sich gerade ein Lotosblatt über den Rücken zieht. Eine andere Netsuke bildet ein Knäuel von Ratten ab, komplett ineinander verwoben. Ergänzt wird die Sammlung durch Gebrauchsgegenstände Phillipp Franz von Siebolds, die vom Museum Burg Brandenstein bei Schlüchtern zur Verfügung gestellt wurden.

Die japanischen Schönheiten, die gemeinsam mit den Netsukes zu bewundern sind, sind ausgewählte Farbholzschnitte des 19. Jahrhunderts aus Japan. Ukiyo-e bezeichnet man diese Art von Druckgrafik, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden ist. Bis zu 42 verschiedene Druckplatten waren nötig, um einem Bild sein endgültiges Aussehen zu verleihen.

Mit der Entwicklung des Vielfarbendrucks um 1760 in Edo, dem heutigen Tokio, war eine komplette Industrie in Japan entstanden. Mehrere hundert Verleger, Künstler, tausende Holzschnitzer und Drucker fertigten bis zum Ende der Edo-Zeit im Jahr 1868 Millionen von Drucken.
Die Ausstellung legt den Schwerpunkt auf Schönheit, wobei das Schönheitsideal damals etwas anders war als heute: Als schön galt beispielsweise, sich die Zähne mit Tintenfischtinte schwarz zu färben. Eine rasierte Nackenlinie betonte den erotischen Charakter der Frau. Die Farbholzschnitte sind Teil der Sammlung Franz Winzinger aus den Museen der Stadt Regensburg.

Die beiden Sammlungen ergänzen sich perfekt und werden im Knauf-Museum in Iphofen besonders liebevoll präsentiert. Hunderte von gefalteten Origami-Kranichen schweben an der Decke und ergeben eine Welle, die sich bedächtig in der Luft bewegt. Gefaltet wurden sie übrigens in etlichen Stunden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Museums. Wer herausbekommt, wie viele es genau sind, kann sich an einem Gewinnspiel beteiligen – dessen Hauptgewinn noch geheim ist.

Sonderausstellung „Siebold Netsuke treffen japanische Schönheiten“ vom 3. Juli bis 6. November im Knauf-Museum Iphofen. Mehr im Internet unter: www.knauf-museum.de

 

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