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UPKarriere als Autor begann mit einem Anruf

Zum Schreiben ins Kloster

Das neueste Fachbuch von Bernd Schmitt befasst sich auf über 600 Seiten mit WooCommerce, dem Shop Plugin von WordPress. Das neueste Fachbuch von Bernd Schmitt befasst sich auf über 600 Seiten mit WooCommerce, dem Shop Plugin von WordPress. Uta Böttcher

Wie wird man zum Fachbuchautor? Ganz einfach: Durch einen einzigen Telefonanruf. Der Würzburger Bernd Schmitt hat bereits sein siebtes Buch über Computersoftware geschrieben. Und obwohl er so erfolgreich ist, bedauert er, dass er kein Romancier ist – denn die gelten als sexy.

Viele angehenden Autoren wissen nicht, wie sie zu einem Verlag kommen sollen. Dabei ist es manchmal so einfach wie ein Telefonanruf. UP Magazin sprach mit dem Würzburg Fachbuchautor Bernd Schmitt, der bereits sein siebtes Buch zum Thema Internet und Software veröffentlicht hat.

„Zuerst dachte ich, es sei so eine Art Nepp-Geschichte. Da ruft mich jemand an und will mir etwas Unfreundliches“, erzählt Bernd Schmitt über seinen Start als Fachbuchautor. Er hatte 2015 einen Anruf bekommen, in dem sich jemand für seine damalige Website interessierte, auf der er unter anderem Ratschläge zum Webdesign und zu WordPress gab – einer Software, mit der sich Blogs und Websites erstellen lassen. Und weil er die Dinge gut für Laien erklären konnte, bekam er am Telefon das Angebot, ein Fachbuch zu schreiben.

„Gottseidank hatte ich bei diesem Anruf nicht gleich abgesagt, sondern mir eine Bedenkfrist erbeten. Ich war völlig überfordert, weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass man so ein Vorgespräch per Telefon macht.“ Als er den Franzis-Verlag gegoogelt und festgestellt hatte, dass es eine seriöse Sache ist, hat Bernd Schmitt drei Tage später zugesagt.

So begann die Karriere als Fachbuchautor mit einem Ratgeber, dem „Schnelleinstieg WordPress“. Als der Vertrag mit Abgabetermin, Umfang und Honorar unterschrieben war, erstellte Bernd Schmitt ein Exposé mit ausführlicher Inhaltsangabe – und dann blieb nicht lange Zeit: Innerhalb von sechs Monaten war das erste Buch geschrieben.

Die gesammelten Werke von Fachbuchautor Bernd Schmitt, vorwiegend zum Thema WordPress. Und ja: Die Katze ist echt und war neugierig auf die Bücher. | Foto: Uta BöttcherDie gesammelten Werke von Fachbuchautor Bernd Schmitt, vorwiegend zum Thema WordPress. Und ja: Die Katze ist echt und war neugierig auf die Bücher. | Foto: Uta Böttcher„Das war ein Riesenerlebnis, als ich mein Buch im Buchladen um die Ecke entdeckt habe.“ Doch es blieb nicht lange Zeit, um auf sein Erstlingswerk stolz zu sein: „Das Buch verkaufte sich gut und schon nach wenigen Wochen kam die Anfrage vom Verlag, ob ich ein zweites Buch schreiben will.“ Diesmal sollte es um den Schnelleinstieg zum Thema E-Book gehen – und Buch Nummer zwei wurde in noch kürzerer Zeit geschrieben als das Erstlingswerk.
Ob ein Buch gut läuft, erkennt man nicht nur am Ranking im Online-Handel, sondern vor allem auch daran, ob es in den Regalen der Händler steht, weiß Bernd Schmitt. Und auch Buch Nummer zwei lief gut und fand sich in den Regalen der Buchläden wieder. Und so wurde das dritte Buch eine Nummer größer: Diesmal ging es um ein Praxishandbuch zu WordPress mit 640 Seiten, und das alles bei neunmonatiger Arbeit.

Bernd Schmitt ist in der WordPress Community zuhause. Dort trifft man sich in Meetups im kleineren Kreis von 15 bis 20 Leuten – einer Art Stammtisch – einmal pro Monat. Es gibt aber auch WordCamps mit rund 100 Besuchern, auf denen sich die Mitglieder der Community austauschen.

Das letzte WordCamp in Würzburg 2018 hat Bernd Schmitt mit organisiert. „Es gibt Speaker, die Vorträge halten, aber es gibt immer auch einen gemütlichen Teil im Anschluss – eine WordPress Party.“ Verpönt ist, bei den Treffen Werbung in eigener Sache zu machen. WordPress hat eine Hausordnung, genannt code of conduct, die besagt, dass die Treffen keine Werbeveranstaltungen sein sollen. „Ich war schon öfter Speaker bei WordCamps, aber ich halte nie eines meiner Bücher in die Kamera“.

Doch zurück zu den Büchern: „Freunde, Fans und Follower“ nennt sich das vierte Buch – ebenfalls ein dickes Handbuch, diesmal zum Thema Facebook, Twitter und Co. „Darin geht es darum, wie sich ein Unternehmen am besten auf diesen Plattformen darstellt. Also: Wie komme ich zu Followern und wie baue ich meine Reichweite aus.“

Bernd Schmitt empfiehlt übrigens, nicht zu viele Netzwerke anzugehen. „ Man sollte sich auf die Netzwerke konzentrieren, zu denen man einen Bezug hat und auf denen auch die Kundschaft unterwegs ist. Im Trend ist derzeit Instagram.“ Und welche Netzwerke nutzt der Autor selbst? „Ich bin vor allem auf Twitter unterwegs – für Instagram sehe ich leider nicht gut genug aus.“
Buch fünf richtet sich erstmals an einen anderen Anwenderkreis, denn Bernd Schmitt hat es für die Berufsschulen geschrieben, explizit für die Ausbildung Kaufmann und Kauffrau im E-Commerce. Das heißt, er musste sich an den Lehrplan halten. Und Buch Nummer sechs schließlich war im Grunde eine zweite Auflage des Einstiegs in WordPress, denn inzwischen war man bereits bei Version 5 der Software angekommen.

Das neueste Werk „WooCommerce“, das sich wieder mit dem Shop-Plugin von WordPress beschäftigt, hat einen harten Einband, und ist ganz in Farbe gehalten – und bei 650 Seiten das umfangreichste Buch. Und es ist sein erstes Buch im Bildner Verlag.

Um genug Ruhe und Muße zu haben, zieht sich Bernd Schmitt für das Schreiben gerne in ein Kloster im Allgäu zurück. „Meine Klosterzelle ist 20 Quadratmeter groß und hat eine karge Arbeitsumgebung, wo mich nichts ablenkt und wo ich bis in die Nacht hinein schreibe. Hier entsteht im Grunde immer der Kern jedes Buchs.“

Wichtig ist für Bernd Schmitt sein Stammlektor, der auch als Agent für ihn fungiert. „Man muss ein gutes Verhältnis zu seinem Lektor haben, schließlich gibt man sein Werk an jemanden weiter, der es korrigiert und auch mal Dinge raus streicht. Wir duzen uns und trinken auch mal ein Bierchen miteinander.“

Weil sein Lektor für mehrere Verlage tätig ist, schreibt Bernd Schmitt auch für mehrere Verlage. Noch ist zum Beispiel nicht heraus, wo das nächste Buch erscheint. Er steht in Verhandlungen, darf das Thema aber noch nicht nennen. Demnächst ist Bernd Schmitt auch auf bildner.tv im Internet zu sehen: Dort werden kleine Tutorials gezeigt und er freut sich schon darauf vor der Kamera zu stehen.

Mit einem ist er allerdings bei seinem Lektor unzufrieden: „Sämtliche Versuche meinerseits einen erotischen Unterton in meine Bücher zu bringen, wurden gnadenlos von meinem Lektor herausgestrichen. Während Romanciers immer sexy sind, bleibe ich so immer nur ein langweiliger Fachbuchautor.“

 

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