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UPSonderausstellung bis Oktober

Besuch von der Fürstin

Spektakulär: die riesige Sandsteinstatue eines Keltenfürsten aus dem 5. Jahrhundert v. Chr.  auf dem hessischen Glauberg. Spektakulär: die riesige Sandsteinstatue eines Keltenfürsten aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. auf dem hessischen Glauberg. Uta Böttcher

Mit der Statue eines so genannten Keltenfürsten kam bei den Ausgrabungen am Glauberg ein spektakuläres Monument ans Tageslicht. Nun bekommt der imposante Keltenfürst aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. Besuch einer Gefährtin: Eine Sonderausstellung präsentiert originalgetreue Nachbildungen des Goldschmucks einer Keltenfürstin.

Sein Fund bedeutete für die archäologische Welt eine Sensation: Bei einem Erkundungsflug erkannten Heimatforscher am Südhang des hessischen Glaubergs die Spuren eines riesigen Grabhügels. Als das Landesamt für Denkmalpflege Hessen von 1994 bis 1997 Grabungen durchführte, entdeckte man neben außergewöhnlich reich ausgestatten Gräbern eine nahezu vollständig erhaltene, überlebensgroße Steinfigur, der man den Namen „Keltenfürst von Glauberg“ gab.

Die Skulptur ist imposante 1,86 Meter groß und 230 Kilogramm schwer und vermittelt das bisher detailreichste Bild eines keltischen Herrschers des 5. Jahrhunderts v. Chr. Er trägt eine Mistelkrone, einen Halsring, einen Schild und eine Art Körperpanzer. All diese Gegenstände – bis auf den Körperpanzer – wurden tatsächlich auch in einem naheliegenden Grab gefunden und können ebenfalls im Keltenmuseum am Glauberg bestaunt werden.

Besonders auffällig ist der Kopfschmuck des Herrschers, der zwei riesigen Ohren ähnelt. Ob es tatsächlich Ohren sein sollen, ob es eine Fischblase darstellt oder die Abbildung von Mistelblättern sein sollen, weiß man nicht, erläutert Lars Corsmeyer vom Archäologischen Landesmuseum Keltenwelt am Glauberg im Gespräch mit dem UP Magazin: „Neulich meinte ein Kind: Vielleicht musste der Herrscher besonders gut zuhören können. Das ist eine reizvolle Interpretation.“

Der goldene Halsreif des Keltenfürsten. | Foto: Uta BöttcherDer goldene Halsreif des Keltenfürsten. | Foto: Uta BöttcherFest steht: Die zwei Metallbügel, die man im Grab des Herrschers fand, und die das Gerüst dieser Blattkrone bildeten, sind die einzigen ihrer Art, die bisher entdeckt wurden. Schwert und Schild, die ebenfalls im Museum zu sehen sind, gelten als Kennzeichen eines kämpferischen, weltlichen Herrschers. Deswegen wurde der keltische Mann, dessen Grab und dessen Statue Archäologen entdeckten, auch als „Keltenfürst“ bezeichnet, obwohl sein gesellschaftlicher Status nicht bekannt ist.

„Hat man ein Rätsel gelöst, tauchen gleich fünf neue auf“, umschreibt Lars Corsmeyer die archäologische Arbeit am Glauberg. Um nicht willkürliche Spekulationen aufkommen zu lassen, beschränkt man sich im Museum auf die Fakten und das Sichtbare. So gibt es beispielsweise keine Nachbildung eines keltischen Hauses. Man hat zwar Pfahlfundamente eines Hauses gefunden, aber niemand weiß, wie es genau aussah: Hatte es ein Schilfdach, ein Grasdach oder war es mit Holzschindeln gedeckt?

Dafür gibt es einzigartige Funde zu sehen: Außer dem Drahtgerüst der Blattkrone zum Beispiel die Reste eines Schildes und eines Schwertes – und zwar genauso, wie sie auch die monumentale Sandsteinfigur trägt. Zu den Grabbeigaben zählen auch Kannen, die anscheinend für ausreichend Wegzehrung auf der Reise ins Jenseits sorgen sollten. In einer konnten Reste von Met nachgewiesen werden, in einer anderen war lediglich Honigwasser zum Gären angesetzt. Außerdem wurde reich verzierter Goldschmuck freigelegt. Waren die Muster der vorherigen Ära noch geometrisch, sind diese bereits mit wundersamen Fabeltieren bestückt. Den Bügel einer ursprünglich goldglänzende Fibel ziert gar ein geflügeltes Mischwesen mit aufgesetztem Menschenkopf.

In diesem Museumsjahr bekommt der Keltenfürst Besuch von einer Gefährtin: 2010 legten Archäologen bei der Heuneburg an der Donau die Grabkammer eine frühkeltischen Fürstin aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. frei. Zum Vorschein kamen auch hier wertvolle Grabbeigaben aus Bronze, Bernstein und Gold. Die originalgetreuen Nachbildungen dieser Fundstücke bereichern bis zum 13. Oktober die Keltenwelt am Glauberg.

Die Stücke sind so prächtig und aufwändig gearbeitet, dass sich Archäologen fragen, wie man sie vor über 2500 Jahren herstellen konnte. Die Nachbildung dieser exquisiten Schmuckstücke geriet zu einer echten Herausforderung für den Schweizer Experimentalarchäologen Markus Binggeli. Ihrem Schmuck zufolge zählte die im Alter zwischen 30 und 40 Jahren verstorbene Frau offenbar einst zur privilegierten Elite der keltischen Gesellschaft.

Das Museumsgebäude. | Foto: Uta BöttcherDas Museumsgebäude. | Foto: Uta BöttcherVieles über die Gesellschaft der Kelten liegt trotz der Ausgrabungen noch im Dunkeln. Es ist keine Schrift bekannt, und was über sie geschrieben wurde, stammt aus späteren geschichtlichen Quellen. So ist auch nicht gelöst, welchem genauen Zweck das Areal am Glauberg diente, in dem die Gräber und die Statue gefunden wurden. Zwei archäologisch untersuchte Grabhügel belegen seine Bedeutung als Bestattungsareal, doch welchem Zweck dienten 16 Holzpfosten und ein 350 Meter langer, schnurgerader Doppelgraben? Heute ist der Glauberg immer noch ein besonderer Ort, nicht nur für Archäologie-Fans. Er atmet das Mysterium eines keltischen Herrschersitzes und bewahrt 2400 Jahre alte Geheimnisse.

So spektakulär wie der Ort ist das moderne Museum, das frei schwebend in die Landschaft hinein ragt. Mit einer knapp einstündigen Autofahrt ist die Keltenwelt am Glauberg ein perfektes Ziel für einen ebenso informativen wie kurzweiligen Tagesausflug.

Keltenwelt am Glauberg, Am Glauberg 1, 63695 Glauburg,
Öffnungszeiten: Di–So 10–18 Uhr, Tel.: 0 60 41/82 33 00,
Internet: www.keltenwelt-glauberg.de

 

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