UP Magazin

UPBesuch beim Imker des Bad Windsheimer Freilandmuseums

Der Bienenkönig

Voll in seinem Metier: Imker Josef Kopelent erklärt im Freilandmuseum Bad Windsheim Jung und Alt auf amüsante Weise, was Bienen so treiben – und warum sie so wichtig für unsere Natur sind. Voll in seinem Metier: Imker Josef Kopelent erklärt im Freilandmuseum Bad Windsheim Jung und Alt auf amüsante Weise, was Bienen so treiben – und warum sie so wichtig für unsere Natur sind. Uta Böttcher

Man merkt ihm seine Begeisterung bei jedem seiner Vorträge an. Imker Josef Kopelent schart im Freilandmuseum Bad Windsheim stets ein große Gruppe von Zuhörern um sich, wenn er über sein Lieblingsthema erzählt: die Bienen. UP Magazin sprach mit dem „Bienenkönig“ des Museums.

Josef Kopelent ist über seinen Opa zum Imker geworden. „Das war in den 50er Jahren, und ich habe es gehasst.“ Auch wenn er als Kind nicht das Verständnis dafür hatte, sondern alles was er mit seinem Opa in der Imkerei tat eher als lästige Pflicht empfand, hat er doch viel gelernt: Wie man Schwärme einfängt, wie man Königinnen findet und wie man sie kennzeichnet, indem man ein Staniolplättchen stanzt und es per Schellack auf den Rücken der Königin aufklebt.

Mit den Bienen kam er dann erst sehr viel später wieder in Kontakt – als Erwachsener, nachdem er vor rund 20 Jahren von der Stadt aufs Land gezogen war. Dann war ihm klar: Es mussten wieder Bienen her. 30 Völker hat er mittlerweile an wechselnden Standorten, mit einem Ertrag von durchschnittlich 25 Kilogramm Honig pro Volk und Jahr.

Seit etwa zwölf Jahren bewirtschaft er als freier Imker das Freilandmuseum Bad Windsheim mit 15 Bienenvölkern. Fünf davon beherbergt das Bienenhaus vor dem Schulhaus, wo auch jeweils seine Vorträge im Freien stattfinden. Sowohl Schul- als auch Bienenhaus sind für Imker historische Orte: Im Schulhaus, das 2006 aufs Gelände zog, lebte und arbeitete Johann Witzgall, vor 100 Jahren ein namhafter fränkischer Imker.

Stets gut besucht: Wenn Imker Josef Kopelent im Freilandmuseum Bad Windsheim mit Begeisterung über seine Bienen erzählt, bildet sich schnell ein Schwarm – und zwar von Menschen. | Foto: Uta BöttcherStets gut besucht: Wenn Imker Josef Kopelent im Freilandmuseum Bad Windsheim mit Begeisterung über seine Bienen erzählt, bildet sich schnell ein Schwarm – und zwar von Menschen. | Foto: Uta BöttcherUnd das Bienenhaus stammt aus der Landesanstalt für Bienenkunde in Erlangen und gehörte einst Enoch Zander, der ein eigenes Kastenmaß ins Leben gerufen hat, das nach im benannt wurde. Das Freilandmuseum ist dank seiner Naturbelassenheit und der großen Vielfalt der Pflanzen ein Paradies für die Bienen. Für dieses Bienehaus wählt Imker Kopelent besonders sanftmütige Völker aus, denn: „Bienenvölker sind wie andere Lebewesen inklusive Menschen von unterschiedlichem Charakter.“ Dank der Sanftmut der ausgewählten Völker können die Zuhörer und Schulklassen die Bienen auch aus der Nähe betrachten.

Hintergrund seiner ebenso unterhaltsamen wie lehrreichen Vorträge ist auch, Menschen dazu anzuregen, selbst Imker zu werden. Der klassische Anfang wäre, einem Imkerverein beizutreten. Gerade junge Vereine sind sehr aufgeschlossen und es gibt sogar ein Bienen-Leasing.

Das heißt: Für einhundert Euro kann man eine Sasion lang ein Bienenvolk betreuen – meist am Lehrbienenstand des jeweiligen Vereins. „Am Wochenende ist da stets jemand da, der einem hilft.“ Die Honigernte darf man mitnehmen und sogar ein bis zwei Töchtervölker darf man entnehmen und so seine eigene Imkerei starten.

Einen regelrechten Boom, so Imker Kopelent, erfährt derzeit die Stadtimkerei, die sogar weniger Völkerverluste verzeichnet, als die Imkerei auf dem Land. Dank einer Riege gut ausgebildeter Gärtner in der Stadt, die Grün- und Parkanlagen sowie Friedhöfe pflegen, bieten Städte oft ein reichhaltiges Blütenspektrum von Frühjahr bis Herbst. Das mögen die Bienen. Die Deutsche Bahn ist inzwischen dazu übergegangen, ihre städtischen Brachflächen mit Blütenmischungen für die Imkerei zu öffnen.

Dass die Zunft der Imker unter Überalterung leidet, sieht Kopelent als einen der Gründe an, warum es Bienen heutzutage schwer haben. Weil die Bienen stets der Obhut eines Imkers bedürfen, bedeuten weniger Imker auch: weniger Bienen. Und: „Dass wir immer mehr Probleme mit der Bienenhaltung haben, ist ein komplexes System. Es gibt nicht die eine Ursache, wo man gezielt angreifen könnte“, weiß Imker Kopelent.

Ein Problem ist die Varoa-Milbe. Diese Milbe schwächt die Völker zwar, aber tötet sie nicht. Durch das Anbeißen der Bienenaußenhülle entsteht ein Loch im Chitinpanzer der Biene, das sich nicht wieder schließt, weil Chitin sich im Gegensatz zur menschlichen Haut nicht regenerieren kann. Dieses Beißloch der Milbe ist die Eintrittspforte für Sekundärerkrankungen, die für sich genommen relativ harmlos wären, wie zum Beispiel Durchfallerkrankungen.

Weitere Faktoren sind, dass sich das Spektrum an pflanzlichen Pollen, der als Nahrung für die Brut dient, in den vergangenen Jahren verringert hat, sowie die Spritzmitteleinsätze der Landwirtschaft – wobei Kopelent durchaus Verständnis für die Landwirte zeigt. Kommen all diese Faktoren zusammen erklären sich die Ausfallraten von 20 bis 30 Prozent an Bienenvölkern, die einen Winter nicht überleben. „Wir sind allerdings im Freilandmuseum nicht dazu da, auf diesen Jammerzug aufzuspringen, sondern unser Ansatz ist der, die Faszination der Bienen und deren ökologische Wichtigkeit zu zeigen“, so Kopelent.

Mia heißt dieses Prachtstück von Königin, gekennzeichnet mit einem kleinen gelben Punkt mit der Nummer 83. | Foto: Uta BöttcherMia heißt dieses Prachtstück von Königin, gekennzeichnet mit einem kleinen gelben Punkt mit der Nummer 83. | Foto: Uta BöttcherDie Biene als Nutztier im ländlichen Raum hat eine lange Tradition. Trug man zuerst hohle Baumstämme mit einem Bienenvolk zum heimischen Hof, hielt man in der Folge die Bienenvölker erst in einem Korb, später in dem jetzt noch üblichen Holzkasten. Da es in der freien Natur so gut wie keine hohlen Bäume mehr gibt, brauchen die Bienen heutzutage in jedem Fall die Obhut eines Imkers.

„Wir müssen einen Weg finden, um mit der Milbe zurechtzukommen.“ Eine Möglichkeit wird bereits genutzt: Nämlich verdampfende Säuren einzusetzen. Ameisen-, Milch oder Oxalsäure wird auf einen Schwamm gegeben und verdunstet. „Die Säure ist den Bienen zwar lästig, aber sie schädigt sie nicht.“ Anders als bei der Milbe, deren Population durch die Säure reduziert wird. Die Säure wird im Herbst eingesetzt, weil sich zum Winter der Generationenwechsel der Biene verlangsamt. Bienen leben im Sommer sechs Wochen, im Winter sechs Monate.

Ist der Einsatz der Säure eher ein Notprogramm, ist die Zucht von resistenten Stämmen der Königsweg der Zukunft. Wie es geht, zeigt die asiatische Honigbiene, die in China und in der Mongolei zuhause ist. Sie kommt mit der Milbe gut zurecht – die Milbe freilich stammt genau aus diesem Raum. „Wie man mit der Milbe fertig wird, müssen unsere hiesigen Bienen noch lernen.“

Wegen der Milbe kann es sein, dass ein Volk von 10.000 Bienen im Laufe des Winters auf 3.000 reduziert wird. Das ist fatal, denn Bienen halten keinen Winterschlaf und die wenigen Bienen sind nicht mehr in der Lage, die nötige Temperatur im Stock aufrechtzuerhalten. Weil die Bienen keinen Winterschlaf halten, benötigen sie Energie – und zwar in Form von 15 bis 20 Kilo Honig im Winter. Ist nicht genug da, muss der Imker vor dem Winter Zuckerwasser zugeben.
Imker Kopelent ist jedoch dazu übergegangen, auf Zuckerwasser zu verzichten und den Bienen ihren Honig nicht vorzuenthalten. Das heißt: Er gibt statt Zuckerwasser Honig in den Kasten. Und zwar nicht weil es unbedingt besser für die Bienen wäre. „Ich konnte bei der Zugabe von Honig statt Zuckerwasser keine Veränderung bei den Bienen entdecken. Im Grunde ist es so, dass ich mich dabei besser fühle.“

Würde man den Bienen übrigens den Honig nicht immer wegnehmen, würde sich ein Schwarm teilen. „Eine Biene lebt im Sommer sechs Wochen und hat drei Wochen Innen- und drei Wochen Außendienst“, erklärt Imker Kopelent. „Im Außendienst sammeln die Bienen unentwegt und hören auch nicht auf, wenn es im Kasten Probleme mit dem Stapeln gibt. Wenn die Jungbienen sagen ‚Hört auf, wir wissen nicht mehr wohin damit‘ – dann kommt es zum Schwärmen.“

Auf diese Weise kann der Imker das Schwärmen beeinflussen. Kommt es dazu, kann er den neuen Schwarm einfangen – und so auch eventuelle Verluste aus der Winterzeit ausgleichen. Geschieht das Schwärmen rechtzeitig, kann der alte Restschwarm mit einer neuen Königin bis zum Winter wieder aufgefüllt werden.

Schwache Völker können im Herbst mit einem starken Schwarm vereinigt werden, indem man die Kästen beider Völker durchlässig aufeinanderlegt. Die Bienen verständigen sich dann darauf, welche Königin sie behalten wollen. „Die Völker haben einen untrüglichen Instinkt für die bessere Königin – und das ist die, die mehr Eier legt.“ 1500 sind dies pro Tag im Sommer und immerhin noch 500 täglich im Herbst.

„Das Volk registriert jeden Fehler, zum Beispiel wenn die Königin zwei Eier in eine Zelle legt. Dann kriegt sie einen Eintrag in die Personalakte“, scherzt Kopelent. Der ist allerdings fatal, denn die unfähige Königin wird nicht mehr weitergefüttert und stirbt.

 

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