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UPDem Märchen der Brüder Grimm auf der Spur

Schneewittchen, eine Lohrerin

Nein, das sind natürlich nicht die echten sieben Zwerge und womöglich auch nicht das echte Schneewittchen. Die Lohrer sind sich aber sicher: Schneewittchen war eine von ihnen — und dafür haben sie gute Gründe.Nein, das sind natürlich nicht die echten sieben Zwerge und womöglich auch nicht das echte Schneewittchen. Die Lohrer sind sich aber sicher: Schneewittchen war eine von ihnen — und dafür haben sie gute Gründe. Nein, das sind natürlich nicht die echten sieben Zwerge und womöglich auch nicht das echte Schneewittchen. Die Lohrer sind sich aber sicher: Schneewittchen war eine von ihnen — und dafür haben sie gute Gründe.Nein, das sind natürlich nicht die echten sieben Zwerge und womöglich auch nicht das echte Schneewittchen. Die Lohrer sind sich aber sicher: Schneewittchen war eine von ihnen — und dafür haben sie gute Gründe. Reinhold Scherg

Schneewittchen war eine Lohrerin. Sagen die Lohrer. Und sie haben gute Gründe dafür gesammelt. Sie haben ein Freifräulein, das wirklich gelebt hat, sie haben ein wunderschönes Schloss, einen prunkvollen Spiegel und die Zwerge können durchaus kleinwüchsige Bergleute im Spessart gewesen sein. Wer will, kann gerne über die sieben Berge nach Lohr am Main fahren, um sich dort überzeugen zu lassen.

Mit Märchen ist das so eine Sache. Es gibt edle Prinzen, böse Drachen, noch bösere Stiefmütter und holde Maiden. Oft spielen sie vor langer Zeit in einem fernen Land. Aber: In vielen Märchen steckt, so sagt man, ein wahrer Kern. Und sicher steckt dieser wahre Kern auch in dem Märchen von Schneewittchen, das die Brüder Grimm — wie so viele Märchen — gesammelt und ausgeschmückt in ihren „Kinder- und Hausmärchen“ 1812 zur Erbauung von Jung und Alt herausgegeben haben.

Es steht in der Sammlung an Stelle 53 und erzählt von einer wunderschönen Prinzessin und ihrer neidischen Stiefmutter. Auf ihrer Flucht vor der bösen Frau erfährt Schneewittchen Hilfe von den sieben Zwergen, doch dank ihres Zauberspiegels findet die Stiefmutter Schneewittchen und tötet es per vergiftetem Apfelschnitz. Aber gottseidank gab es damals noch Prinzen — auch wenn der nicht wirklich etwas dafür konnte, dass das vergiftete Apfelstück beim Transport des gläsernen Sarges aus dem Mund fiel und Schneewittchen so ins Leben zurückfand.

Ein von der Flucht vollkommen zerzaustes Schneewittchen schuf der Karlstadter Künstler Peter Wittstadt und gewann damit den ersten Lohrer Kunstpreis von 2014. Zu bestaunen auf dem Vorplatz der Lohrer Stadthalle. | Foto: Barbara HerrmannEin von der Flucht vollkommen zerzaustes Schneewittchen schuf der Karlstadter Künstler Peter Wittstadt und gewann damit den ersten Lohrer Kunstpreis von 2014. Zu bestaunen auf dem Vorplatz der Lohrer Stadthalle. | Foto: Barbara HerrmannDie Lohrer sind sich sicher, dass Schneewittchen am 19. Juni 1725 im Lohrer Schloss das Licht der Welt erblickte — und zwar als Maria Sophia Margaretha Catharina Freifräulein von Erthal, Tochter des Freiherrn Philipp Christoph von Erthal. Heute ist im Schloss übrigens das Spessartmuseum beheimatet und Schneewittchen ist ein eigener Rundgang gewidmet. Sogar der „sprechende Spiegel“ ist zu bestaunen, mit seinen zwei kunstvollen Medaillons als Verzierung.

Dieser Spiegel war wohl ein Geschenk des Freiherrn an seine Frau Claudia Elisabeth, die er 1743 als seine zweite Frau heiratete. Wer nicht so hochwohlgeboren war, musste hart arbeiten, zum Beispiel in einer der Minen bei Bieber. Bergbau wurde seinerzeit von kleinwüchsigen Menschen betrieben, gegen den Steinschlag trugen sie oft Überwürfe, was ihnen ein zwergenhaftes Aussehen verlieh. Die Brüder Grimm, in Hanau geboren, verbrachten ihre Jugend im Spessart; der „wilde Wald“, von dem sie schreiben, passt also ebenfalls.

Doch warum flüchtete Freifräulein von Erthal, besser bekannt als Schneewittchen, nach Bieber? Weil es für die Lohrer bereits Ausland war, denn es gehörte zur Grafschaft Hanau. Und wer immer noch nicht überzeugt ist, hier sind die sieben Berge: Hammersbuch (511 m), Steckenlaubshöhe (542 m), Pfirsichhöhe (502 m), Gaulskopf (519 m), Eichenberg (544 m), Erkelshöhe (517 m) und Hirschberg (535 m).

Auf dem Schneewittchen-Wanderweg kann man auf 35 Kilometern Länge die Flucht Schneewittchens nachvollziehen. Heutzutage freilich nimmt sich das wieder auferstandene Schneewittchen sogar höchstselbst Zeit für die Gäste in Lohr: von gemeinsamen Märchenstunden im Schloss bis zu Stadtführungen. Das hätten sich die Brüder Grimm nicht träumen lassen.

 

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