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UPLondons imposanteste Parkanlage: Kew Gardens

Prinzessin Augustas Idee

Prinzessin Augustas Idee RGB Kew

Einen botanischen Garten statt der üblichen Lustgärten wünschte sich Prinzessin Augusta von Sachsen-Gotha-Altenburg. Heute zählen die Royal Botanic Gardens in Kew zu den schönsten Parkanlagen der Welt.

von Rainer Adelmann

Ausgerechnet in Zeiten, in denen man kurz mal nach London zum Shoppen jettet und bestenfalls einen flüchtigen Blick auf die Tower Bridge wirft, scheint es fast schon verwegen, über eine Sehenswürdigkeit zu berichten, für die man unbedingt Zeit mitbringen muss. Wir wagen es trotzdem und wir sind sicher: Auch Sie werden die Royal Botanic Gardens im Londoner Stadtteil Kew lieben.

Foto: RBG KewFoto: RBG KewUnser Vorschlag: Planen Sie bei Ihrem nächsten London-Aufenthalt einen Extra-Tag ein, nehmen Sie frühmorgens die District Line Richtung Richmond, steigen in Kew Gardens aus, stärken sich erst mal mit einem Full English Breakfast im Kew Greenhouse Café (weil es auf dem Weg liegt und so wunderschön british ist) und verbringen dann einen ganzen Tag in Londons größtem UNESCO Weltkulturerbe.

Schlendern Sie über den englischen Rasen, bestaunen Sie die zahllosen Pflanzen, erfreuen Sie sich an der Blütenpracht und genießen Sie einfach mit allen Sinnen. Dies tun übrigens selbst in unserer schnelllebigen Zeit (oder gerade deswegen) immer mehr Menschen: Um 29 Prozent ist die Zahl der Besucher in Kew Gardens alleine im vergangenen Jahr gestiegen.

Was sie geboten bekommen? Zuallererst Natur pur – und das so, wie es typisch für England ist: irgendwo zwischen wild wuchernd, gezähmt und parkähnlich. Berühmt ist Kew Gardens vor allem für seine Gärten und thematischen Pflanzungen.

Im Bambusgarten zwischen dem See und der Themse beispielsweise fühlen sich über 1200 verschiedene Sorten aus China, Japan, dem Himalaya und Amerika wohl. Tipp: Zwischen den hohen Bambuspflanzen in der Nähe des japanischen Minka Hauses lässt sich wunderbar entspannen. Wer Qui Gong, Tai Chi oder Yoga beherrscht: Hier ist der perfekte Platz, um während eines stressigen London-Aufenthalts seine Batterien aufzuladen. Auch die Rhododendron-Senke („Rhododendron Dell“) strahlt tiefe Ruhe und Beschaulichkeit aus – ihre Blütenpracht erreicht im April/Mai ihren Höhepunkt.

Foto: Uta BöttcherFoto: Uta BöttcherDass Gras nicht gleich Gras ist, lässt sich unschwer im Gras Garden erkennen. Die Sammlung beherbergt inzwischen rund 9000 Gräser aus der ganzen Welt. Viele Sammlungen wurden schon im letzten Jahrhundert angelegt, wie der Steingarten und der Azaleen-Garten, der allerdings in jüngster Zeit komplett neugestaltet wurde.

Die Zahl der Themengärten in Kew Gardens ist groß. Wer Grün und Blüten gerne architektonisch angelegt mag: Queen’s Garden im Anschluss an den Kew Palace (Dutch House) bewahrt den königlichen Stil des 17. Jahrhunderts.

Die eigentlichen Herrscher über Kew Gardens aber sind die vielen majestätisch hohen Bäume, die im Laufe der Jahrhunderte aus allen Kontinenten ihren Weg nach England fanden. Man kann ehrfürchtig an ihnen emporblicken – man kann sich aber auch auf „Augenhöhe“ mit ihnen begeben. Der Treetop Walkway, dessen metallene Stelzen 2008 aufgerichtet wurden, führt auf rund 18 Metern Höhe mitten durch die Wipfel und erlaubt – quasi nebenbei – einen atemberaubenden Blick Richtung Londoner City.

Foto: Uta BöttcherFoto: Uta BöttcherAuch für den eher unwahrscheinlichen Fall, dass es einmal regnen sollte, hält Kew Gardens spektakuläre Orte bereit. Nein, im Ernst: Wir sind in England, und jedes Kind weiß, dass es im Laufe des Tages auch nass werden kann, obwohl am Morgen kein Wölkchen am Himmel war. Es gibt freilich nichts Schöneres, als sich bei einem kurzen Regenguss Marke „soaked in ten seconds“ (durchweicht binnen zehn Sekunden) in das Palmenhaus aus dem Jahr 1848 zu retten.

Das imposante Gewächshaus gilt als das bedeutendste Gebäude aus Glas und Eisen, das aus Viktorianischer Zeit erhalten geblieben ist. Im Innern finden Palmen aus Asien, Afrika und Amerika Raum, die größten davon unter dem enormen Glasdom des Mittelgebäudes. Und das prächtige Monster aus Glas und Eisenstreben hält auch eine Überraschung bereit: Unter ihm schwimmen Fische – nämlich in den zahlreichen Aquarien, die Unterwasserpflanzen beherbergen.

Gewächshäuser gibt es reichlich in Kew Gardens: Ähnlich beeindruckend wie das Palm House ist das Temperate House, das leider derzeit wegen Renovierung noch bis 2018 geschlossen ist. Einen Besuch wert sind vor allem das Davies Alpine House mit alpinem Pflanzenreichtum und das Waterlily House mit einem herrlichen Bestand an Seerosen.

Übrigens: Die kleinste Seerose der Welt, von der nur noch eine Handvoll Exemplare weltweit existieren, wurde erst kürzlich aus Kew Gardens gestohlen. Wert: unbezahlbar.
Nicht nur die Gewächshäuser verleihen der ausgedehnten Parkanlage architektonische Akzente. Besonders auffällig: Die Pagode aus dem Jahr 1762 ragt auf ihrer rot angemalten achteckigen Holzstruktur rund 50 Meter in den Himmel.

„Chokushi-Mon“ entführt kurzerhand nach Japan und ist eine Nachbildung eines berühmten Tempels in Kyoto. Tempel europäischer Bauart verkörpern der King William’s Temple, der Tempel des Äolus, der Temple of Bellona und der Temple of Arethusa.

Foto: RBG Kew, David Austen RosesFoto: RBG Kew, David Austen RosesOft – und auch das ist typisch für Kew Gardens – stehen diese dekorativen Elemente in Fluchten und „Straßen“ zwischen den Bepflanzungen. Die Pagoda Vista beispielsweise ist ein ausladender grüner Grasweg zwischen der Pagode und dem Palm House – annähernd 850 Meter lang und bereits im Jahr 1845 angelegt.

Ein Tag im Grünen macht hungrig und natürlich hält Kew Gardens reichlich Speis und Trank bereit, um inmitten der ganzen Pflanzenpracht den kleinen Hunger zu stillen. Den großen Appetit aber sollten Sie sich aufsparen und am Abend mit auf die andere Seite der Themse nehmen. Denn dort liegt direkt am Ufer ein Pub namens „The City Barge“.

Foto: Uta BöttcherFoto: Uta BöttcherVom Ausgang der Kew Gardens sind es nur wenige Stationen mit dem Bus über die Kew Road auf die nördliche Seite der Themse mit anschließendem kurzweiligen Fußmarsch am Ufer entlang auf dem „Strand-On-The-Green“ bis zu den gemütlichen Holzbänken von „The City Barge“.

Und kann denn ein Day Out, ein Ferientag, besser ausklingen als direkt an der Themse bei Sonnenuntergang, bei einem Pint und einer deftigen Portion Fish & Chips?

Wir danken Youki Crump, Press Assistant der Royal Botanic Gardens in Kew, für Ihre Hilfsbereitschaft und ihre stets freundliche Unterstützung.Foto: RBG KewFoto: RBG Kew

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