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UPBesuch in der Weihnachtshauptstadt Straßburg

Wo Weihnachten nicht aufhört

Wo Weihnachten nicht aufhört Rainer Adelmann

Fährt man um die Weihnachtszeit nach Straßburg, könnte man meinen, hier sei Weihnachten erfunden worden. Die Marktbuden sind zahlreicher, die Christbäume höher und überhaupt scheint hier Weihnachten sowieso nie aufzuhören.

von Rainer Adelmann

Während in Würzburg der Weihnachtsmarkt einen Tag vor Heiligabend schließt, laden die Buden auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt bis Silvester zu einem Bummel ein. Aber was heißt schon Weihnachtsmarkt? Straßburg hat derer fast ein Dutzend. Der größte, der „Christkindelsmärik“, liegt an der Place Broglie und auch um das weltbekannte Münster haben sich jede Menge Buden gruppiert. Der Markt der Weihnachtsgenüsse lockt mit weihnachtlichen Spezereien und auf dem „Marché des irréductibles petits producteurs d’Alsace“, dem „Markt der unbeugsamen Kleinhersteller aus dem Elsass“ kann man Produkte direkt von den Handwerkern und Kleinbetrieben aus der Region erwerben.

Ob der Markt am Carre d’or oder die Märkte an der Place du Corbeau oder der Place de la Gare: Mehr Weihnachten geht definitiv nicht und zu recht hat sich Straßburg den Beinamen „Capitale de Noël“, Weihnachtshauptstadt, erworben. An elf Standorten im Herzen der Stadt werden vom 27. November bis 31. Dezember 2015 Kitsch und Kunsthandwerk, elsässische Spezialitäten und jede Menge Weihnachtsdekorationen feilgeboten. Über 300 Buden sollen es auch dieses Jahr wieder insgesamt sein.

Wer sich nicht noch vor Weihnachten mit Geschenken eindecken will, für den ist eine Reise ins Elsass „zwischen den Jahren“ eine Möglichkeit, Weihnachten zu „verlängern“. Die Märkte sind dann nicht mehr so überlaufen, die Kinderaugen können länger strahlen und für die Erwachsenen gibt es jede Menge zu entdecken – und zu genießen.


Das Straßburger Münster, die „Cathédral Notre-Dame“, feierte vergangenes Jahr seinen 1000. Geburtstag. Doch keine Angst: Auch im 1001. Jahr ist das beeindruckende Wahrzeichen der Stadt kein bisschen weniger attraktiv.

Während der Weihnachtszeit wartet im nicht weniger  imposanten Inneren des Liebfrauenmünsters eine der Weihnachtshauptstadt selbstverständlich angemessene, etliche Meter lange Krippe mit Elefant und Kamel, mit den drei Weisen und dem Jesuskind, allesamt in orientalischer Umgebung. Berühmt ist auch die riesige astronomische Uhr, die Erdbahn, Mondbahn und die Bahnen der Planeten von Merkur bis Saturn anzeigt. Vor ihr bildet sich immer die größte Traube von staunenden Menschen und man kann sich kaum satt sehen an den Figürchen, Verzierungen und Bildern an der einzigen Uhr auf der ganzen Welt, bei der es tatsächlich 13 schlägt.

Und auch wenn es im Winter fröstelt: Der Aufstieg auf die Aussichtsplattform ist ein absolutes Muss und beim Erklimmen der 332 Stufen wird einem ohnehin wärmer als einem lieb ist. Dafür wird man auf rund 70 Metern Höhe mit einem wunderbaren Panoramaausblick auf das winterliche und weihnachtliche Straßburg belohnt. Wieder unten angekommen dürfte sich bei den meisten Besuchern mit Recht ein kleiner Appetit melden, den man kurzerhand an einer der Buden oder bei einem gemütlichen Aufenthalt in einer Winstub stillen kann.

Isst man keinen Flammkuchen gleich aus der Hand, geht es in der Elsässer Küche gerne deftig zu: Eine Portion Choucroute strasbourgeoise im „Le Gruber“ direkt am Münster beispielsweise ist nichts für Vegetarier und bringt kurzerhand Knackwurst, Schäufele, geräucherte Bratwurst , Speck und Schweinefleisch gleichzeitig auf den Teller – ach ja: Sauerkraut ist irgendwie auch noch dabei. Eine Warnung vorweg: In der Innenstadt  rund ums Münster geht es ordentlich touristisch zu. Das heißt: Ohne Reservierung ist am Abend schwerlich ein Platz zu bekommen, außer man nimmt Wartezeiten in Kauf.

Ein Blick auf die Fachwerkhäuser in der Petite France.Ein Blick auf die Fachwerkhäuser in der Petite France.Ein wenig geruhsamer wird es beim Spaziergang durch das pittoreske „Petite France“, wo sich der Besucherstrom meist etwas verläuft. Enge Gassen, Kopfsteinpflaster, Fachwerkhäuschen und vor allem seine Nähe zum Flüsschen Ill und dem Kanal machen dieses Viertel zum unangefochten malerischsten Stadtteil Straßburgs.

Weniger malerisch ist übrigens die Namensgebung: Im eigentlich Gerberviertel genannten Stadtteil lag im 16. Jahrhundert ein Militärkrankenhaus, in dem die damals lebensgefährliche Syphilis, die „Franzosenkrankheit“ behandelt wurde – daher der Name „Petite France“, Klein-Frankreich.

Da wir gerade bei der Geschichte sind: Selbstverständlich wurde der Christbaum im Elsass erfunden – sagen die Straßburger. Mehr dazu im nebenstehenden Kasten. Auf jeden Fall gehört der Straßburger Weihnachtsbaum stets den größten und schönsten in Europas Großstädten.

Straßburg ist nicht nur die Weihnachtshauptstadt, sondern zählt auch zu den kulturell aktivsten Metropolen Europas. Und so sollte man seinen weihnachtlichen Aufenthalt tunlichst mit einem Theater- oder Konzertbesuch verbinden. Besonders empfehlenswert: das Silvesterkonzert des Philharmonischen Orchesters von Straßburg, einem Klangkörper von Rang und mit einem hervorragenden Ruf in der Welt der Klassik.

Wer an Silvester lieber am Trubel in der Stadt  teilnimmt, kann dasselbe Konzert im Palais de la Musique et des Congrès (kurz PMC) ja am Neujahrstag nachholen. Aber auch hier heißt es: Vorbestellen, denn die Straßburger lassen sich die beiden Konzerte zum Jahresausklang nicht entgehen und die Karten sind schnell vergriffen (www.philharmonique-strasbourg.com). Eine Warnung noch zu Silvester: Die Straßburger sind nicht nur Weihnachtsweltmeister, sondern auch Weltmeister im Krachen und Böllern. Zarte Ohren sollten die Innenstadt zum Jahreswechsel meiden.

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