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UPEin Museum als Gesamtkunstwerk

Zuhause bei Rodin

Zuhause bei Rodin agence photographique du musée Rodin – Alexis Berg

Mit seinem liebevoll gestalteten Park, den prachtvollen Räumen und den genialen Kunstwerken Auguste Rodins gleicht das Musée Rodin in Paris einem Gesamtkunstwerk.

von Rainer Adelmann

Es gibt Museen, die üben einen ganz besonderen Reiz aus – eine Strahlkraft, die sie von anderen unterscheidet. Sie stellen nicht nur Kunstwerke aus, sondern selbst ein Gesamtkunstwerk dar. Zu diesen gehört das Musée Rodin in Paris, das fast ausschließlich einem Künstler und dessen Werk gewidmet ist: dem französischen Bildhauer und Zeichner Auguste Rodin.

„Jeune femme aux fleurs dans les cheveux“ (1865-1870) | Foto: Rainer Adelmann„Jeune femme aux fleurs dans les cheveux“ (1865-1870) | Foto: Rainer AdelmannWas es so besonders macht, sind nicht nur die genialen Skulpturen, Zeichnungen und Gemälde. Es sind auch die kunstvoll verzierten Räume, der ebenso prachtvolle wie liebevoll gestaltete Garten und vor allem die Atmosphäre, die nicht nur die Zeit Rodins, sondern den Künstler selbst zum Leben erweckt.

Rodin hat das Stadtpalais im 7. Arrondissement mehrere Jahre selbst genutzt: als Atelier, aber mehr noch als „Showroom“, um seine Werke auszustellen und zu präsentieren. Er empfing hier Journalisten, Kunsthändler, Sammler und viele Bewunderer seiner Kunst. Es war sein damaliger Sekretär, der Dichter Rainer Maria Rilke, der ihn im August 1908 auf das wunderschöne, wenn auch zu dieser Zeit etwas abgewohnte Stadthaus aus dem 18. Jahrhundert mit seinem verwilderten Garten aufmerksam gemacht hatte. Im Garten, schwärmte Rilke in einem Brief an Rodin, sehe man „von Zeit zu Zeit einfältige Hasen über die Spaliere hüpfen“.

Erbaut von 1727 bis 1732 als Hôtel particulier – als Stadtpalais für einen reichen Finanzmann – kaufte es im Jahr 1753 Louis-Antoine de Gontaut, Duc de Biron, weswegen es im Volksmund Hôtel Biron genannt wurde. Nach einer wechselhaften Geschichte wurde es im 19. Jahrhundert Teil eines Klosters und schließlich 1904 vom französischen Staat konfisziert. Um das Gebäude vor dem Verfall zu retten, nutzten junge Künstler wie Henri Matisse, die Tänzerin Isadora Duncan und der Dichter Jean Cocteau das Stadtpalais gegen ein geringes Entgelt. Von 1908 bis zu seinem Tod 1917 mietete Rodin zunächst eines, dann mehrere Zimmer im Hôtel Biron.

„La cathédrale“ (1908) | Foto: Rainer Adelmann„La cathédrale“ (1908) | Foto: Rainer AdelmannRodin war ein tatkräftiger Mann: Alte Fotos zeigen ihn inmitten seiner Werke und seiner Arbeit – zwischen Marmorblöcken und weißem Staub, vor Holzgerüsten und Bildhauerwerkzeugen. Ein Mann mit einem festen Blick, rauschendem Bart und den Kneifer in die Knopfleiste seiner Weste gesteckt.

Und Rodin kämpfte um das Hôtel Biron: Seine Ausstellung im Pavillon d’Alma zur Weltausstellung im Jahr 1900 hatte ihn endgültig zu einem berühmten und sehr gefragten Künstler gemacht. Schon immer hatte er davon geträumt, ein eigenes Museum für seine Werke zu besitzen. Dank seiner internationalen Reputation schien er mit dem Hôtel Biron seine Träume jetzt verwirklichen zu können.

Er führte Verhandlungen mit dem französischen Staat – lang und zäh. Eine Petition seiner Bewunderer machte im Ministerium die Runde. Und Rodin beschloss schließlich, im Gegenzug seine komplette Sammlung dem französischen Staat zu überlassen.

Am 24. Dezember 1916, mitten im 1. Weltkrieg, nahm der französische Staat die Schenkung an und die Nationalversammlung beschloss, das Musée Rodin im Hôtel Biron einzurichten. Durch kriegsbedingte Verzögerungen konnte das Museum aber letztlich erst am 4. August 1919 öffnen – zwei Jahre nach Rodins Tod. Der Meister der Skulpturen hatte die Eröffnung seines Museum nicht mehr miterlebt.

Auguste Rodin hat dem Museum unter anderem 6.745 Skulpturen und 9.300 Zeichnungen und Drucke hinterlassen. Etwa 600 Werke sind im Musée Rodin ausgestellt. Nach einer umfassenden Sanierung von 2012 bis 2015 strahlt das Museum heute in neuem Glanz. Auguste Rodin hätte seine wahre Freude an „seinem“ Museum.

„Les causeuses“ (1897, Detail) von Camille Claudel | Foto: Rainer Adelmann„Les causeuses“ (1897, Detail) von Camille Claudel | Foto: Rainer AdelmannNoch bis 22. Januar läuft die Sonderausstellung „L‘enfer selon Rodin“ (Die Hölle gemäß Rodin) mit 170 Werken – darunter 60 selten veröffentlichten Zeichnungen – zu Auguste Rodins Meisterwerk „Das Höllentor“. Mehr im Internet unter: www.musee-rodin.fr.

Wir danken dem Musée Rodin und Sarah Grisot von Agence Observatoire für die Unterstützung.

 

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