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UPErfolgreicher Rennfahrer mit eigenem Rennstall

Benzin im Blut

Andreas Pfister 2016 auf dem Rundkurs von Imola. Am Ende belegte er dort Platz drei. Andreas Pfister 2016 auf dem Rundkurs von Imola. Am Ende belegte er dort Platz drei. Foto: Petr Fryba

Schon mit neun Jahren fuhr Andreas Pfister seine ersten Autorennen: Mit einem geliehen Kart zog er seine Kurven zwischen Pylonen. Heute ist der gebürtige Obersfelder mehrfacher Vize-Meister im ETC Cup und Chef eines eigenen Rennstalls. UP Magazin sprach mit ihm über seine Rennfahrerkarriere.

von Rainer Adelmann

Bereits mit neun Jahren hat der heute 29-jährige Andreas Pfister seine Liebe zum Autorennen entdeckt. „Beim AMSC Hammelburg gab es die Möglichkeit, Schnupperrunden zu drehen. Und weil es mir so Spaß gemacht hat, bin ich dabei hängengeblieben“, erinnert sich Pfister.

Das hieß für seine Familie aber auch: Sie musste hinter ihrem Sprössling stehen. Denn selbst wenn die kleinen Steppkes mit ihren Karts nur im Slalom zwischen den Pylonen kurven – die jungen Rennfahrer müssen während der Saison jedes zweite Wochenende zu den Rennen gefahren werden, plus Trainingsfahrten unter der Woche.

Und so ging es unterfrankenweit jeden zweiten Sonntag auf die Piste. Die Karts wurden vom Club gegen ein geringes Entgelt geliehen, der finanzielle Aufwand hielt sich also in Grenzen. Und weil der junge Mann so erfolgreich war, folgte 2003 der Wechsel vom Slalom in den Rundstrecken-Kartsport. Mit 13 fuhr Andreas Pfister hier seine ersten Rennen, zum Beispiel im Steigerwald-Motodrom in Gerolzhofen. Mit der neuen Klasse stiegen freilich die Anforderungen: Das Kart musste nun selbst gekauft werden, und auch der Service musste entweder durch ein Team erfolgen oder in eigener Arbeit.

„Wir haben immer alles selbst gemacht“, so Andreas Pfister. Das hieß für den späteren gelernten Kaufmann schon früh zum Schraubenschlüssel zu greifen und die handwerklichen Fähigkeiten von der Pike auf zu lernen. Ein kleiner Bus wurde angeschafft, der genügend Platz für das Kart hatte. Die Karts hatten rund 40 PS und schafften rund 10.000 Umdrehungen: „Da muss man körperlich fit sein, damit man es auf der Strecke hält und am Ende gut dabei ist.“

Erfolgreicher Rennfahrer mit eigenem Rennstall: Andreas Pfister (28) aus Obersfeld. | Foto: Rainer AdelmannErfolgreicher Rennfahrer mit eigenem Rennstall: Andreas Pfister (28) aus Obersfeld. | Foto: Rainer AdelmannNach einem 2. Platz im Süddeutschen Kart-Cup und Platz drei im deutschen Kart-Cup ging es für den jungen Andreas Pfister weiter nach oben: 2005 stieg er in den Tourenwagenbereich ein, wo man mit 16 Jahren bereits Rennen fahren kann. Der junge Mann nahm an Sichtungslehrgängen teil und wurde für gut befunden. Und so fuhr Andreas Pfister noch bevor er der Führerschein hatte die ersten Rennen mit einem kleinen Tourenwagen. Wobei sich klein lediglich auf die äußeren Maße bezieht: Im Volkswagen Polo Cup fuhr er einen Polo GTI mit 150 PS – ein echtes Rennauto also.

Diese Rennserie wird von VW organisiert und die Wagen werden vom Konzern gestellt. Damit jeder die gleichen Chancen hat, werden die Autos im Rotationssystem an die Fahrer verteilt. Nur die Farbe bleibt die gesamte Saison gleich: Pfisters Autofarbe zu dieser Zeit war silbern.

Die Polos waren mit anderen Rennen wie Porsche Cup oder Formel 3 an den Wochenenden der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft dabei. Das heißt: sieben bis acht Veranstaltungen auf den großen Strecken – von Hockenheim- bis Nürburgring, von Zandvort bis Barcelona. „Das ist kostentechnisch eine andere Hausnummer, pro Saison braucht man rund 25.000 Euro.“

Um den Kapitalbedarf zu decken, ging Pfister schon früh auf Akquise bei Sponsoren. „In der Region habe ich fast jede Firma abgeklappert“, so Pfister. Viele waren dabei, oft in kleinerem Rahmen von 200 bis 500 Euro, aber es waren auch zwei bis drei Sponsoren mit größeren Beträgen darunter. „Step-by-Step“, so Pfister, konnte er den Eigenanteil reduzieren und die Finanzierung sichern. Inzwischen war der finanzielle Aufwand gewachsen: Reisekosten kamen hinzu, die Fahrerausrüstung ebenfalls. Und: Die Kosten bei einem Unfall muss immer der Fahrer selbst, beziehungsweise der eigene Rennstall tragen. „Wenn dir jemand in die Kiste fährt, musst du immer das zahlen, was an deinem Auto kaputt ist, selbst bei Totalschaden.“ So sind die Regeln im Motorsport. Strafen wie im normalen Straßenverkehr gibt es zwar keine, aber natürlich können Sportstrafen verhängt werden,  wie Zeitstrafen beispielsweise.

Bis 2007 fuhr Andreas Pfister im ADAC Volkswagen Polo Cup. 2007 brachte er es zum Vizemeister: auf seiner „Heimstrecke“, dem Norisring in Nürnberg. Dank seiner Erfolge hatte er sich bereits eine Fangemeinde aufgebaut. „Die Fans kamen sogar mit einem Bus und hatten Transparente dabei. Das war schon cool für einen 17-Jährigen.“

Der nächste Schritt folgte mit dem Wechsel zum Seat Leon Cup im Jahr 2008: nun mit 300 PS, anderen Bremsen, anderem Getriebe. Ab jetzt blieb nur noch: entweder ein eigenes Auto oder bei einem Rennteam einmieten. „Für uns war klar, dass wir ein eigenes Team brauchten“, so Pfister. „Ich hätte zwar auch 50.000 Euro nehmen können, um mich bei einem Team einzumieten. Da kommst du dann einfach mit deinem Helm an und hast Auto und Mechaniker. Aber nächstes Jahr wäre dann wieder das Gleiche fällig.“

„Wir haben die ersten beiden Jahre,  2008 und 2009, enorm Lehrgeld bezahlt“, so Pfister. „Man hat zwar ein eigenes Auto, eigene Mechaniker – aber noch nicht das Wissen. Um ehrlich zu sein: Ich hatte es mir damals einfacher vorgestellt.“ 2009 wurde ein Lkw angeschafft, in dem genug Platz für das Rennauto war und alles andere, was man so braucht: Werkzeug, Teile und ein Zelt für die Arbeit an der Rennstrecke. „Man braucht viel, um ein Auto am Laufen zu halten – von außen sieht man das meist gar nicht.“

Am Anfang war es „nur der Rennfahrer Pfister, der im Kreis gefahren ist.“ Dies sollte sich 2010 schließlich ändern:  „Wir haben das Auto, wir haben das Know-How, wir haben die technischen Möglichkeiten – und wir wollten anderen Fahrern ermöglichen, in unserem Team mitzufahren.“ Das Pfister Racing Team wurde gegründet, das anderen Fahrern den kompletten Service zur Verfügung stellte.

2010 war es erst ein weitere Fahrer, der außer Pfister selbst im Team an den Start ging. Inzwischen besitzt das Pfister Racing Team zwölf Tourenwagen, die in vier Rennserien auf die Piste gehen. Teilweise ist auch der Langstreckenbereich dabei, das heißt, es fahren mehrere Fahrer auf einem Auto. Die Zahl der aktiven Fahrer beträgt derzeit 15. Ab 2010 war man nicht nur im Seat Cup unterwegs, sondern auch im Chevrolet-Cup oder dem ADAC Logan Cup.

Pfister selbst wechselte 2012 in die Tourenwagen-Europameisterschaft – darüber steht nur noch die Tourenwagen-Weltmeisterschaft, die höchste Rennsportklasse für Tourenwagen. Die Teilnahme an der Weltmeisterschaft ist zwar das Ziel, doch „das ist eine ganz andere Hausnummer. Das geht nicht von heute auf morgen.“ Vor allem der Zeitaufwand ist enorm. Die Rennen sind unter anderem in USA und China. „Unabhängig vom finanziellen Aufwand ist das derzeit zeitlich für mich nicht möglich. Ich könnte mich nicht mehr um meine Firma kümmern.“

Doch auch in der Tourenwagen-Europameisterschaft ist der Aufwand enorm: Sechs Rennwochenenden in ganz Europa, wobei die weiteste Station Portugal ist. Seit seinem Auftreten in der Tourenwagen-EM war Andreas Pfister bereits zweimal Vize-Europameister und jedes mal unter den besten fünf. Nach wie vor ist er das Aushängeschild des Pfister Racing Teams, aber auch die anderen Fahrer im Chevrolet Cup, im Seat und im Dacia Logan sind in ihren Klassen stets vorne mit dabei.

Inzwischen schon traditionell kümmert sich das Pfister Racing Team besonders um den Nachwuchsbereich. „Es gibt viele Rennserien, die kostengünstig sind, da kann man für 800 Euro ein ganzes Rennen fahren.“ Das heißt, man kann – wie Pfister selbst – langsam in den Sport „hineinwachsen“. Sichtungen hat Pfister 2014 zusammen mit dem ADAC auf der Trainingsstrecke in Schlüsselfeld ins Leben gerufen. Fahrer können sich anmelden, erhalten einen ganzen Tag Theorie und Praxis und können mit Andreas Pfister als Instruktor auf der Rennstrecke fahren.

Die Sichtung ist einmal im Jahr – vergangenen Oktober hatten sich 22 Fahrer angemeldet, nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Österreich und der Schweiz. Bevor es überhaupt losgehen kann, braucht man natürlich eine Lizenz, die der Deutsche Motorsportbund vergibt und die jährlich erneuert werden muss. Die nationale Rennfahrerlizenz kann man beim Pfister Racing Team „erfahren“. In einem Lehrgang auf der Rennstrecke in Schlüsselfeld ist der Erwerb für Motorsportbegeisterte möglich. Bisweilen muss Pfister die Erwartungen auch bremsen: „Manche denken, sie fahren schnell zwei Rennen und erwarten dann einen Anruf vom DTM-Teamchef, der sie fragt, ob sie nicht 500.000 Euro im Jahr verdienen wollen.“

Mehr im Internet unter www.pfister-racing.eu

 

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