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UPMit Hackl Schorsch beim Weltcup in Oberhof

Eine große Sportfamilie

Eine große Sportfamilie Uta Böttcher

Was ist das: Es macht „Zisch“ und ist vorbei? Die Antwort findet man an der Rennrodelbahn in Oberhof. Dort trifft sich jedes Jahr eine große sportliche Familie zum Weltcup. So nah wie hier, kommt man seinen Idolen selten.

von Rainer Adelmann

Ein Wochenende zuvor musste der Weltcup der Biathleten in Oberhof noch wegen Schneemangels abgesagt werden. Für den Weltcup der Rennrodler präsentierte sich Thüringens Sportstadt auf 815 Metern Höhe dagegen als reinstes Wintermärchen. Die Bäume hatten ein weißes Kleid angelegt, leise rieselte der Schnee und das Wichtigste: Die Rennrodelbahn war bestens präpariert, um den weltbesten Rennrodlern perfekte Bedingungen zu bieten.

Und die internationale Crème-de-la-Crème des Rennrodelsports nahm die Einladung dankend an. Mit Olympiasiegern, Weltmeistern und Gesamtweltcupsiegern wurde nicht gegeizt:  Die erfolgsverwöhnten deutschen Rennrodler Felix Loch, Andi Langenhan, Natalie Geisenberger, Tatjana Hüfner und die Doppelsitzer Tobias Wendl und Tobias Arlt waren ebenso am Start wie der starke Österreicher Wolfgang Kindl,  Semen Pavlichenko aus Russland oder Erin Hamlin und Tucker West aus USA. Und natürlich darf auch der Magier und die Legende des Rodelsports, der Hackl Schorsch nicht fehlen, der für die schnellen Kufen seiner deutschen Schützlinge sorgt.

Bitte recht freundlich: Rennrodel-Legende Georg Hackl, genannt Hackl Schorsch. Foto: BöttcherBitte recht freundlich: Rennrodel-Legende Georg Hackl, genannt Hackl Schorsch. Foto: BöttcherWährend bei den Biathlon-Veranstaltungen schon mal die Frage zu hören ist „Gehen wir an die Strecke oder gleich ins Zelt etwas trinken“ sind die Rennrodler eher eine große sportbegeisterte Familie. Wobei groß durchaus wörtlich zu verstehen ist: 9.000 Zuschauer genossen das Weltcup-Vergnügen. Das Publikum ist fachmännisch, die jungen Zuschauer sind rennrodelbegeistert und rodeln oft selbst im Verein.

Beim Rennrodeln kommt man seinen Idolen so nah wie selten in irgendeiner Sportart. Im Auslauf nach dem Ziel drängen sich die Nachwuchs-Athleten, um ihren Helden die „Faust“ zu geben. „Give me Five“, also das Abklatschen der Hände könnte schmerzhaft enden - sind die Handschuhe der Rennrodler an den Fingerkuppen gespickt mit kleinen Nägeln, um per Paddelschläge auf dem Eis in Fahrt zu kommen

Wer sich im Rodeln nicht auskennt, sollte sich im Auslauf der Bahn einfach unter die begeisterten jungen Zuschauer stellen. Dann erfährt man beispielsweise, warum so viele Athleten Risse in ihren engen Trikots haben: „Alles Stürze – das Eis reißt sofort Löcher in den Anzug“. Und man lernt, was die Lampen bedeuten, die aufleuchten, wenn ein Athlet aus dem Zielraum kommt. „Rot heißt, dass ein Athlet zum Wiegen und zur Dopingkontrolle muss. Das wird per Zufall ausgewählt“. Außerdem erfährt man, wer im Kostüm des Maskottchens steckt: „Das ist meine Schwester“ – Stolz nicht zu überhören. Und eines muss ich zugeben: Natürlich ist es cool, sich mit Felix Loch, Andi Langenhan oder den „Tobis“ abzuklatschen.


Während sich die Athleten – so sie in Führung sind – vor die Kameras in die Leadersbox begeben, bläst sich eine Kapelle auf der Tribüne die Seele aus dem Leib. Die Stehplätze sind fast voll belegt – kein Wunder: Die Sicht auf den Auslauf und die Interviewzone ist bestens. So langsam wie hier sind die Rodler sonst nicht unterwegs. Hier am Ende der Bahn kann man sie wenigstens einmal in Ruhe anschauen.

Rennrodeln ist auch etwas für „Wanderer“: Vom Start bis zum Ziel entlang der rund 1350 Meter langen Bahn bieten sich immer wieder spektakuläre Blicke in die Bahn. Gigantische Eiskurven, aus denen die Schlitten geschossen kommen und wo die Zeit kaum reicht, um überhaupt zu erkennen, wer im Schlitten sitzt. In Bruchteilen von Sekunden ist der Rodler vorbei und Hobbyfotografen brauchen eine gute Reaktionszeit, um den Schlitten im rechten Moment festhalten zu können.

Nach seinem Sieg im Sprint-Wettbewerb: Felix Loch holte sich in Oberhof die Spitzenposition im Gesamtweltcup der Männer zurück. Foto: BöttcherNach seinem Sieg im Sprint-Wettbewerb: Felix Loch holte sich in Oberhof die Spitzenposition im Gesamtweltcup der Männer zurück. Foto: BöttcherEinfacher ist es am Start: Dort hat man eine gute Sicht auf die kraftvollen Paddelbewegungen, mit denen die Rodler ihr Gefährt in Schwung bringen, um sich in den Eiskanal stürzen. Dank der großen Bildschirme entlang der Strecke hat man zu jeder Zeit den Überblick, wer im Moment am Start ist, oder wer gerade an einem vorbeigeflitzt ist. Rodeln ist eine blitzschnelle Sportart, aber gottseidank hat man in den Pausen zwischen den Läufen genug Zeit, um sich mit einer Thüringer Bratwurscht und einem Glühwein zu stärken.

Für die deutschen Athleten war Oberhof übrigens so erfolgreich wie es besser nicht geht: Drei Deutsche auf den ersten drei Plätzen bei den Herren (mit Felix Loch an der Spitze), drei Deutsche bei den Damen auf den ersten drei Plätzen (mit Tatjana Hüfner an der Spitze) und zwei deutsche Teams bei den Doppelsitzern vorne (mit Tobias Wendl/Tobias Arlt an der Spitze). Und im Sprintergebnis sah es nicht anders aus. Da kommen doch alle gerne zurück zum Oberhofer Eiskanal.

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