UP Magazin

UPGedächtnis der Nation

Im Gespräch: Prof. Guido Knopp

Er hatte die Idee zu dem Projekt  „Gedächtnis der Nation“: Prof. Guido Knopp. Er hatte die Idee zu dem Projekt „Gedächtnis der Nation“: Prof. Guido Knopp. Gedächtnis der Nation

Prof. Guido Knopp war von 1984 bis zu seiner Pensionierung im Januar 2013 Leiter des Programmbereichs Zeitgeschichte im ZDF. Insbesondere seine Fernsehreihen zur NS-Geschichte wie „Hitler – eine Bilanz“ oder „Hitlers Helfer“ prägten einen neuen Stil der historischen Dokumentation. Unter anderem moderierte er das von ihm geleitete historische Magazin „ZDF-History“. Im Rahmen unserer Berichterstattung zum „Gedächtnis der Nation“ beantwortete er uns Fragen zu seinem Projekt.

von Rainer Adelmann

UP Magazin: Das „Gedächtnis der Nation“ ist ein ebenso faszinierendes wie ambitioniertes Projekt. Wie kam es zu diesem Konzept?
Prof. Guido Knopp: Für unsere erfolgreichen ZDF-Dokumentationen haben wir Hunderte von Zeitzeugeninterviews geführt, von denen wir nur Bruchteile senden konnten. Der überwiegende Teil „verschwand“ im Archiv. Wir aber wollten diesen wertvollen Fundus an Erinnerungen jedermann zu jeder Zeit zugänglich machen. So entstand die Idee, ein modernes Internetportal aufzubauen und ein mobiles Aufnahmestudio auf die Reise zu schicken, um neue Zeitzeugenstimmen einzufangen. Gemeinsam mit Hans-Ulrich Jörges habe ich deshalb den gemeinnützigen Verein „Unsere Geschichte. Das Gedächtnis der Nation“ ins Leben gerufen. Seit Oktober 2011 ist das Projekt online und der Jahrhundertbus auf Deutschland-Tour. Hunderte neuer Interviews sind entstanden und über 5000 Interviewausschnitte auf www.gedaechtnis-der-nation.de zu entdecken.

UP Magazin: Wie sehen Sie die Rolle des Projekts „Gedächtnis der Nation“ im Kontext der Geschichtsbetrachtung und Geschichtswissenschaften?
Prof. Guido Knopp: Mit unseren Zeitzeugeninterviews ergänzen wir die traditionelle Geschichtsschreibung um neue Perspektiven, im besten Fall um neue Erkenntnisse. Die lebendige Erinnerung weckt beim Publikum unmittelbares Interesse an historischen Themen und Ereignissen. Und zwar aus der Sicht derjenigen Menschen, die Geschichte, erlebt, erlitten und gestaltet haben. Natürlich müssen diese individuellen Erinnerungen immer wieder im größeren historischen Kontext gelesen und gesehen werden.

UP Magazin: Wie lange könnte nach Ihrer Erfahrung als Geschichtswissenschaftler dieses Projekt – und die aufgezeichneten Daten – Bestand haben, bzw. was kann man tun, damit es die Zeiten überdauert?
Prof. Guido Knopp: Unser Projekt ist auf Dauer angelegt, da es immer Zeitzeugen geben wird, deren Erinnerungen wert sind, festgehalten und veröffentlicht zu werden. Das „Gedächtnis der Nation“ hat mittlerweile Hunderte Stunden Zeitzeugeninterviews gedreht, die wir dank der großzügigen Unterstützung durch FujiFilm auf den jeweils modernsten digitalen Speichermedien dauerhaft und sicher archivieren können. Überdies sind die Interviews dank Google und YouTube auch online immer abrufbar. Sie sehen also: Wir gehen mit der Zeit und an Stoff fehlt es gewiss nicht.

 

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