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UPBei Simon Schempp und Co.

Partylaune beim Biathlon

Die Oberhofer Ski-Arena am Grenzadler ist jedes Jahr das Ziel tausender Biathlon Fans. Die Oberhofer Ski-Arena am Grenzadler ist jedes Jahr das Ziel tausender Biathlon Fans. Uta Böttcher

Jedes Jahr strömen tausende von Fans zum Biathlon-Weltcup nach Oberhof. Das Publikum ist fachkundig – und jederzeit zum Feiern bereit.

von Rainer Adelmann

Gehen wir auf die Strecke oder gehen wir gleich ins Zelt was trinken?“ Diese Frage eines schwäbischen Biathlon-Fans im Shuttle-Bus zwischen Oberhof und der Ski-Arena am Grenzadler ist natürlich nur rhetorisch gemeint. Denn natürlich geht es erst mal auf die Strecke, Plätze sichern. Eines aber ist klar: Der Biathlon-Fan an sich feiert gerne – und die Biathlon Fangemeinde ist eine ganz besondere.Alles richtig gemacht: Lustige Mützen sind ein Muss beim Biathlon-Weltcup in Oberhof. Diese sind sogar selbstgestrickt. | Foto: Uta BöttcherAlles richtig gemacht: Lustige Mützen sind ein Muss beim Biathlon-Weltcup in Oberhof. Diese sind sogar selbstgestrickt. | Foto: Uta Böttcher
Aus aller Herren Länder strömen die Fans jedes Jahr im Winter zum Weltcup nach Oberhof in Thüringen. An diesem Mittwoch im Januar sind es über 8.000 – an Wochenenden aber gerne auch 18.000 bis 22.000 Fans, angereist aus Russland, Norwegen, Weißrussland, Polen oder Tschechien. Die meisten kommen natürlich aus Deutschland, die einzelnen Bundesländer werden von den Moderatoren von Weltcup TV Oberhof begrüßt. Adi Rückewold und René Pfeuffer wärmen das Publikum vor den Wettbewerben auf, mischen sich unter die Zuschauer und sind immer für lockere Sprüche zu haben.

Aufwärmen ist auf jeden Fall eine gute Sache, denn mehrere Stunden bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt lassen schon mal die Zehen kalt werden. Unser Tipp: sich einfach von der guten Laune anstecken lassen, bei der Stimmungsmusik mithüpfen und sich die Thermosflasche an einem der zahlreichen Verpflegungsstände mit Glühwein aufffüllen (und dabei den Magen gleich mit einer Thüringer Rostbratwurst wärmen). Echte Profis haben übrigens kleine, aber dicke Styroporplatten dabei, auf die sie sich stellen. Das isoliert. Wen es zu sehr fröstelt: Das nächste beheizte Bewirtungszelt ist nicht weit.

Die eingefleischten Biathlon-Fans freilich machen trotz der Kälte ihr Picknick am „Birx“. Der Birxsteig ist bei den Fans besonders beliebt, weil man hier seine Idole aus nächster Nähe beobachten kann. Am langen und steilen Anstieg des „Birx“ kämpfen Darya Domracheva gegen Kaisa Mäkäräinen, Martin Fourcade gegen Simon Schempp. Russische Fahnen wehen neben norwegischen, weißrussische neben deutschen und französischen. Das Publikum ist fachkundig und alles sieht nach einer großen Party aus.

Ebenso ausgelassen, aber ein wenig geordneter geht es auf den Tribünen im Stadion zu, wo sich vor dem Wettbewerb – an diesem Wettkampftag steht die Staffel der Damen an – die Athletinnen am Schießstand einschießen. Das Wetter ist in Oberhof immer ein Thema. Der Nebel, der noch vor einer halben Stunde die Sicht auf den Schießstand verdeckte, hat sich rechtzeitig verzogen. Die Kampfrichter nehmen ihre Plätze ein, die Zuschauer zählen von zehn auf null, das Fernsehen ist zugeschaltet – es kann losgehen.

Hektik am Start. | Foto: Uta BöttcherHektik am Start. | Foto: Uta BöttcherDie Startläuferinnen aus 21 Ländern stürzen sich unter nahezu ohrenbetäubendem Lärm auf die Strecke und gleich zum ersten Anstieg auf den „Birx“. Vanessa Hinz, die erst 22-Jährige, die an zweiter Position für Deutschland startet, wird später sagen: „Die Leute am Birxsteig schreien so laut. Man hört seinen eigenen Atem gar nicht. Das ist etwas ganz Neues“. Jetzt ist aber erst mal Luise Kummer dran. Sie ist vom SV Eintracht Frankenhain, gleich um die Ecke von Oberhof. Und sie muss zum Entsetzen der Zuschauer schon beim ersten liegend Schießen in die Strafrunde. Das Publikum liebt trotzdem „seine“ Luise.

Damit ist das Rennen für die deutsche Damen-Staffel freilich schon am Anfang so gut wie gelaufen – doch der Stimmung tut dies keinen Abbruch. Wer zum Biathlon geht, erkennt auch die Leistungen anderer an. An diesem Tag sind es die jungen Damen der tschechischen Staffel, die sich Platz 1 sichern und am Ende lautstark gefeiert werden, zusammen mit den deutschen Damen, die zehnte wurden.

Übrigens: Mit dem Auto ist es nur eine Stunde bis Oberhof, und die Bahn fährt per Regionalexpress alle zwei Stunden. Und der nächste Weltcup in Oberhof kommt so sicher wie der nächste Winter. Im Internet: www.weltcup-oberhof.de

 

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