UP Magazin

UPDas Portrait

Seelsorger und spiritueller Lehrer

Willigis Jäger  bei der Meditation. Willigis Jäger bei der Meditation. Daniel Peter

Der Benediktiner und Zen-Meister Willigis Jäger begeht im Benediktushof seinen 90. Geburtstag.

Der Benediktiner und Zen-Meister Willigis Jäger, geboren am 7. März 1925 in Hösbach als Wunibald Jäger,  ist einer der einflussreichsten Mystiker der Gegenwart. Als Seelsorger und als spiritueller Lehrer begleitet er seit über einem halben Jahrhundert Tausende von Menschen. Dutzende von Veröffentlichungen gehen auf ihn zurück, Hunderte von Kursen wurden von ihm gehalten.

Aufgewachsen in einer katholischen Familie mit sechs Geschwistern erfährt er im Krieg wie viele seiner Kameraden sterben, er selbst wird verwundet. Der Tod rückt in seine Nähe, und das prägt ihn. Die Frage: „Wozu bin ich hier auf der Erde?“ verlangt nach einer Antwort.

1946 tritt Jäger ins Benediktinerkloster Münsterschwarzach ein; die Profess erfolgt vier Jahre später. Hier beginnt seine Erkundung der christlichen Mystiker und das bedeutet bei „Willigis“, wie er nun heißt, nicht nur theoretisches Studium, sondern praktische Übung. Er übt Kontemplation, übt Meditation. Aber das Dilemma ist: Im christlichen Umfeld gibt es praktisch keinen spirituellen Lehrer, der ihm weiterhelfen könnte.
Dann lernt Jäger den fernöstlichen Zen-Weg kennen und den Lehrer, den er gesucht hat: den japanischen Zen-Meister Yamada Ko-un Roshi, dessen Schüler er wird, der ihn 1980 zum Zen-Lehrer ernennt und dessen Nachfolger Kubota Roshi ihn schließlich 1996 als Zen-Meister bestätigt. Er trägt jetzt neben seinem Ordensnamen den Zen-Namen „Kyo-un Roshi“.

Jäger wird zum west-östlichen Grenzgänger, für den Religions- oder Konfessionsschranken keine Rolle mehr spielen. Er leitet von 1983 bis 2001 das Meditationszentrum „Haus St. Benedikt“ in Würzburg, hält Kurse sowohl in christlicher Kontemplation als auch in Zen. Doch Jägers unkonventioneller Zugang zum Religiösen bringt ihn in Konflikt mit der offiziellen Kirche: Es erfolgt 2002 ein Rede- und Auftrittsverbot sowie die Exklaustrierung aus dem Kloster Münsterschwarzach.

2003 gibt ihm Gertraud Gruber, Unternehmerin und Investorin, die Möglichkeit, seine Kurs- und Lehrtätigkeit am Benediktushof in Holzkirchen fortzuführen und ein neues Zentrum für spirituelle Wege des Westens und Ostens zu gründen. Eine fast schicksalhafte Fügung, denn der Benediktushof entsteht am Ort eines uralten, vor Zeiten jedoch säkularisierten und nun leerstehenden Benediktinerklosters.

Willigis Jäger hat sich seit 2007 aus dem Leitungsamt zurückgezogen, lebt aber weiterhin dort, tritt kürzer, begleitet noch einige Kurse, schreibt – und lebt im Bewusstsein, dass mit dem Tod nur die jetzige Form vergeht, das wahre Wesen aber unsterblich ist.    ra

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