UP Magazin

UPJochen Bähr unterstützt das Management der Rimparer Wölfe

Im Gespräch: Jochen Bähr

Jochen Bähr Jochen Bähr Fabian Frühwirth

Jochen Bähr ist Geschäftsführer und Gesellschafter der büroforum planen und einrichten GmBH mit 50 Mitarbeitern an drei Standorten. Er war Gründer und von 2007 bis 2013 Gesellschafter der s. Oliver Baskets, die in vier Jahren von der Regionalliga in die 1. Bundesliga durchstarteten. Von 2014 bis 2015 war er Gesellschafter/Manager des FC Baunach (2. Basketball Bundesliga), seit 2015 ist er Aufsichtsratsmiglied bei Medi Bayreuth, Beko BBL. Im März 2016 übernahm er eine Managerposition bei den Rimparer Wölfen in der 2.Handball-Bundesliga.

 

UP Magazin: Herr Bähr, Sie haben seinerzeit die Würzburger Baskets als Geschäftsführer von der Regionalliga in die 1. Bundesliga geführt. Wie kommen Sie nun vom Basketball zum Handball?
Jochen Bähr: Daniel Sauer, der ja bei den Rimparer Wölfen bisher die Geschäfte führte, wechselte bekanntlich als Vorstandsvorsitzender zu den Würzburger Kickers. Als er seine Entscheidung getroffen hatte, rief er mich an, ob ich nicht seinen Vater, Roland Sauer, bei den Rimparer Wölfen unterstützen könnte. Und so haben wir uns gleich am Silvesternachmittag zusammengesetzt und uns drei Stunden über Sport ausgetauscht. Danach haben wir uns noch zweimal getroffen – und ich habe den Wölfen zugesagt, ein bisschen mitzuhelfen. Und wie das so ist mit „ein bisschen“ wurde daraus ein „ziemlich viel“. Mein Anspruch ist jedenfalls, dass ich es nach bestem Wissen und Gewissen mache, das galt schon für die Baskets und gilt für meine Firma natürlich auch. Dabei ist man schnell mittendrin – und kommt auch schnell in die Details.

UP Magazin: Was genau sind Ihre neuen Aufgaben bei den Wölfen?
Jochen Bähr: Im Grunde alles, was sich um das Spiel, oder besser das Event dreht. Dazu gehört das Sponsoring, aber auch die Professionalisierung, zum Beispiel im Bereich der VIPs. Wir haben mit einer Agentur eine neue CI, also eine neue Corporate Identity, erarbeitet. So wurde das Logo moderat angepasst, es gibt neues Briefpapier und Visitenkarten und wir haben einen neuen 16-seitigen Flyer für unsere Sponsoren erstellt. Der VIP-Raum in der s.Oliver Arena muss etwas „aufgehübscht“ werden, das ist doch noch sehr kantinenmäßig. Die Menschen, die uns als Sponsor Geld gegeben haben, möchten sich auch in einem adäquaten Rahmen bewegen.

Außerdem müssen wir das Branding anpassen. Wir sind ja inzwischen für die Spiele komplett von Rimpar nach Würzburg umgezogen und die kleinen Banner verlieren sich in der viel größeren Halle. Wir wollen einen Businessclub einrichten und die Vermarktung umstrukturieren, um das Sponsoring auch für mittlere und größere Firmen interessant zu machen – ohne dabei die bisherigen aus den Augen zu verlieren. Auch wenn die Landschaft in Sachen Sponsoren durch Baskets und Kickers natürlich ziemlich abgegrast ist: Vielleicht finden wir ja unsere Nische – das muss man jetzt einfach ausprobieren. Das was man bei den Wölfen im Ehrenamt geschaffen hat, versuchen wir jedenfalls weiterzuentwickeln – und dabei auch die Helfer im Ehrenamt mitzunehmen.

UP Magazin: Haben Sie bereits Ideen im Kopf, wie die Wölfe mehr Sponsoren erreichen können?
Jochen Bähr: Langfristig geht es nur über das Netzwerk.  Ich habe mein Netzwerk über die Baskets und meine Firma erarbeitet und muss es aktivieren. Es sind schließlich nicht die ganz großen Beträge, die wir brauchen. Unser Etat entspricht nicht dem der Baskets oder der Kickers. Deswegen bin ich auch guten Mutes, dass wir das hinbekommen und über die nächsten drei bis vier Jahre den Etat steigern können. Das müssen wir allerdings auch, denn unsere „Goldene Generation“ wird nicht ewig spielen. Wir haben zwar einen hervorragenden Nachwuchs. Bis der soweit ist, klafft indes eine kleine Lücke. Das heißt, dass wir mit Spielern auffüllen müssen. Und das kostet Geld.

UP Magazin: Was sind ihre Ziele? Der Erhalt der Klasse – oder schielt man doch auch mal nach oben?
Jochen Bähr: Es geht darum, die Klasse zu erhalten. Wir haben eine „Vision 2020“ und wollen uns bis dahin unter den besten 25 Handballmannschaften Deutschlands etablieren, was dem vorderen Feld der 2. Liga entspricht. Die 1. Liga ist ein ganz anderes Kaliber, für das man mehr Geld bräuchte, also kein realistisches Ziel für die nächsten Jahre wäre.

UP Magazin: Die Wölfe kooperieren bekanntlich mit den Würzburger Kickers, und wir hatten kürzlich Daniel Sauer im Interview, der sich im UP Magazin dazu geäußert hat. Wie sieht diese Kooperation denn aus Sicht der Wölfe aus, und ist man nicht auch Konkurrent, was die Sponsoren angeht?
Jochen Bähr: Wir müssen das Ganze natürlich noch mit Leben erfüllen. Im Sommer wollen wir uns zusammensetzen und Näheres besprechen. Die Zusammenarbeit kann beispielsweise über gemeinsames Ticketing laufen, über überregionale Sponsoren oder auch über gemeinsames Vermarkten. Noch ist allerdings nichts konkret.

Natürlich fischen wir im gleichen Sponsorenpool. Allerdings reden wir von anderen Beträgen als im Fußball, daher können wir sogar die gleichen Sponsoren ansprechen. Manche Sponsoren sind deckungsgleich, arbeiten aber bei uns mit geringeren Beträgen. Im Unterschied zu den Baskets oder den Kickers werden wir von vielen kleineren Sponsoren getragen – das hat seine Vor- und Nachteile. Bei den Baskets ist der Druck viel größer, weil es einen großen Hauptsponsor gibt, der natürlich Erfolge sehen will. Das Konzept der Wölfe ist anders und wird durch den Verein und das Ehrenamt getragen. Wir müssen uns aber Stück für Stück öffnen, denn in Würzburg hat man mehr Zuschauer, der Aufwand für Aufbau und für die Halle wird größer und so weiter. Hier stößt das Ehrenamt dann doch an seine Grenzen.

UP Magazin: Sie managen eine gut gehende Firma und viele Menschen fragen sich: Warum engagiert sich Herr Bähr zusätzlich so für den Sport?
Jochen Bähr: Ich interessiere mich schon seit Jugendzeiten für Sportmanagement. In den 80er Jahren habe ich bereits interessiert beobachtet, wie Uli Hoeneß aus Bayern München eine Marke formte. Und als nach dem Niedergang der X-Rays viele gesagt haben, es müsse doch irgendwie mit dem Basketball in Würzburg weitergehen, saßen irgendwann 20 Leute zusammen und haben überlegt, wie das funktionieren soll. Von den 20 sind dann Klaus Heuberger und ich übrig geblieben und haben die Baskets aus der Taufe gehoben. Mir macht das einfach Spaß. Es ist ein Hobby – und damit ist auch kein Geld verdient. Aber das ist auch nicht das Ziel. Man muss in der Tat schon etwas bekloppt sein, um so etwas zu machen. Denn schon jetzt kostet mich die Arbeit für die Wölfe wieder rund drei Stunden am Tag. Man muss Sponsoren anrufen, dann fährt man zu ihnen und muss verhandeln. Das alles kann man nur machen, wenn man selbständig ist und sich die Zeit einteilen kann.

Es ist tatsächlich das Sportmanagement, was mich interessiert. Ich komme nicht aus dem Sport, habe nie hochklassig gespielt, sondern höchstens ein bisschen Fußball gekickt. Ich komme aus dem Management, aus dem Vertrieb, aus dem Marketing. Wenn man Ideen hat, kann man die Menschen begeistern. Und das ersetzt dann alles, was man an Aufwand und Zeit eingesetzt – aber auch an Enttäuschungen erlebt hat.

UP Magazin: Dabei ist sicherlich auch die Freude am Erfolg für Sie von Bedeutung?
Jochen Bähr: Na, klar. Absolut. Denn dann kann man zum Beispiel auch in der Halle etwas verändern – wie das Licht beim Einlauf der Teams. Die kleinen Dinge machen das Event oft erst zum Erlebnis. Der Erfolg hat uns ja auch bei den Baskets Recht gegeben, als wir von der Regionalliga in die 1. Liga durchgestartet sind. Inzwischen haben wir 1. Liga Basketball, 2. Liga Handball und 3. Liga Fußball in Würzburg. Wir sind eine Sportstadt geworden.

Und natürlich waren wir mit den Baskets in einer Art Vorreiter-Rolle. Andere haben gesehen: Wenn man etwas mit Herz und Einsatz macht, funktioniert es. Allerdings waren es auch sehr harte Zeiten. Ich hatte die Arbeit in meiner Firma und noch die bei den Baskets. Als die Baskets in der Pro A spielten, dem Jahr vor dem Ausftieg, ging es mir schlecht, weil ich den Druck des Aufsteigen-Müssens verspürt habe. Alles hat seinen Preis und deswegen habe ich mir gut überlegt, ob ich bei den Wölfen einsteigen soll. Aber der Spaß überwiegt und hier ist niemand der sagt, dass wir in die 1. Liga aufsteigen müssen. Ich denke, dass – wenn wir uns in der 2. Liga etablieren – dies bereits ein großer Erfolg für die Wölfe wäre.

            Das Gespräch führte Rainer Adelmann

 

UP - Der Überblick

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4

90 Prozent reichen nicht

90 Prozent reichen nicht

Es ist wieder soweit: Die Pilze sprießen und ein schöner herbstlicher Spaziergang lässt sich mit einem leckeren Pilzmahl vebinden. Damit beim Pilze sammeln nichts schief läuft, lohnt ein Besuch bei Renate Schoor. Sie berät von August bis Ende Oktober über Steinpilz und Co. Denn beim Pilzesammeln...

Mehr >

Hell und offen für Workshops

Hell und offen für Workshops

Es tut sich was: Erst im vergangenen Jahr kam das „go“ für das ZDI. Im Frühjahr nächsten Jahres kann man schon in den Tower am Hubland einziehen und der helle, offene „Cube“ des Gründerlabors ist bis dahin ebenfalls bezugsfertig.

Mehr >

Rollrasen und mobile Bäume

Rollrasen und mobile Bäume

Nach gewonnenem Bürgerentscheid: Kardinal-Faulhaber-Platz für Landesgartenschau provisorisch begrünt.

Mehr >

Schweres Gerät und Nachtarbeit

Schweres Gerät und Nachtarbeit

In den Sommerferien wurde in der Kaiserstraße schweres Gefährt aufgefahren. Mitten in der Nacht ging es den alten Schienensträngen an den Kragen.

Mehr >
Website Realisation: CATLINE print & web | © UP Magazin 2016