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Nowitzki gratulierte zuerst

Nowitzki gratulierte zuerst Frank Scheuring

Die Würzburger Kickers haben ein Fußball-Märchen geschrieben und wahr werden lassen: Binnen zwei Jahren ist der Klub vom Dallenberg von der Regionalliga in die Zweite Liga durchmarschiert. Ein Rückblick – und Ausblick.

von Matthis Frankenstein

Nun also doch. Schneller als geplant. Schneller als selbst von den kühnsten Optimisten geahnt. Viel schneller. Der FC Würzburger Kickers hat sich binnen zweier Jahre in die Zweite Bundesliga katapultiert. Das Fußball-Märchen ist wahr geworden. Eigentlich, und das ist umso erstaunlicher, hatten sich die Mainfranken seit der Geburt der Vision vom Profifußball in Würzburg drei Jahre Zeit gegeben, den Sprung von der viertklassigen Regionalliga Bayern in die 3. Liga zu packen. Alleine das war schon ambitioniert. Doch in Würzburg hat sich die Fußball-Welt schneller gedreht. Rasend schnell. Schier unglaublich schnell. In nur zwei Jahren sind die Rothosen nach 38 Jahren wieder ins deutsche Fußball-Unterhaus gelangt. „Das Wunder von Würzburg“, titelte eine Boulevard-Zeitung und lag damit wohl nicht ganz falsch.

Es gibt Erklärungen für diese wundersame Entwicklung. Visionen hatten schon viele Klubs hierzulande, aber diese Vision stringent mit Leben und harter Arbeit zu erfüllen, das sind die Erfolgsfaktoren eines Weges, der in der Historie wohl einzigartig sein dürfte. Mit im Vergleich zur Konkurrenz eher bescheidenen Mitteln und trotz erheblicher infrastruktureller Nachteile hat das Team von Cheftrainer Bernd Hollerbach allen Unkenrufen zum Trotz gezeigt, dass der Würzburger Weg ein ehrlicher und am Ende ein sensationell erfolgreicher ist.

Die Euphorie kennt keine Grenzen, eine ganze Region ist stolz auf Fußball, ist begeistert von den Kickers, infiziert vom märchenhaften Aufstiegs eines Klubs, der vor wenigen Jahren noch in der siebten Liga kickte. Kneifen erlaubt! „Es ist das Ergebnis harter Arbeit“, sagt Hollerbach: „Darauf darf der ganze Verein und alle Helferinnen und Helfer ganz stolz sein. Nur mit diesen Menschen und einer sich nach Profifußball sehnenden Region war das alles möglich.“

Der Zusammenhalt auf dem Platz war für alle sichtbar. „Entscheidende Bedeutung hatte die mannschaftliche Geschlossenheit. Wenn jemandem ein Fehler unterlief, waren andere sofort da und haben versucht, ihn auszubügeln. Man merkt in jeder Situation, dass es innerhalb der Mannschaft absolut stimmt. Außerdem haben wir immer an uns geglaubt“, sagt Innenverteidiger Clemens Schoppenhauer. Der gebürtige Bremerhavener wusste in der Relegation beim MSV Duisburg nur zu gut, was dies bedeutet, welch unschätzbarer Wert dieser bedingungslose Rückhalt bedeutet. Ihm war der Ball über den Scheitel gerutscht und von dort ins eigene Tor geflattert.

Der Klub aus dem Pott führte im Rückspiel nach einer guten halben Stunde mit 1:0, fast 30.000 MSV-Fans schrien und peitschten ihr Team nach vorne, wollten ihrem Verein im nackten Zweitliga-Überlebenskampf gegen den Underdog aus Mainfranken Schützenhilfe leisten. Doch nach dem 2:0-Hinspiel-Erfolg der Rothosen in der FLYERALARM Arena war nach 36 Minuten in Duisburg Schicht im Schacht. Elia Soriano glich eiskalt und ansatzlos zum 1:1 aus – fortan dominierten die rund 2.500 mitgereisten FWK-Fans auf den Rängen. Rico Benatelli schickte die Anhänger mit seinem 2:1-Siegtreffer an der Wedau in der Nachspielzeit auf direktem Wege in den siebten Himmel.

NBA-Basketball-Star Dirk Nowitzki war der erste Gratulant. „Nie mehr 3. Liga“ twitterte der Würzburger, und IOC-Präsident Thomas Bach nannte es „Franken-Power pur!“ Perfekt war der Aufstieg in Liga zwei. Die Kickers haben Geschichte geschrieben und als zweites Team nach dem finanzstarken RB Leipzig den Durchmarsch von der vierten in die Zweite Liga geschafft. „Etwas Wahnsinniges“, findet Hollerbach: „Ich bin sehr glücklich, dass ich meinem Verein, der es mir damals ermöglich hat, den Sprung in den Profifußball zu packen, etwas zurückgeben kann.“ Und er konnte sich verlassen auf den Motor des Profifußball-Projekts: Thorsten Fischer. Der Aufsichtsratsvorsitzende hatte die Vision und ihm ist es gelungen, eine ganze Region mit auf diesen außergewöhnlichen Weg zunehmen. „Dieses Vertrauensverhältnis ist enorm. Er geht die Sache mit unternehmerischen Geist an“, sagt Hollerbach: „Und nur wer sich Ziele setzt, wird sie erreichen können, wird sich jeden Tag verbessern und seinem Vorhaben näher kommen.“

Würzburg im Ausnahmezustand: Weit über 35.000 Tickets hätten die Kickers alleine für das Hinspiel gegen den MSV Duisburg absetzen können, mehr als 2.500 haben die Rothosen in den Pott begleitet, über 3.000 Menschen bereiteten dem Team in der Würzburger Innenstadt einen herzlichen Empfang. Alleine die beiden Relegationspartien sahen weit mehr als sieben Millionen Zuschauer im Fernsehen, TV-Sender übertrugen die Aufstiegsfeier aus der Eichhornstraße. Würzburg ist wieder da! Schneller als geplant, schneller als geahnt.

„Die nächste Saison“, sagt Bernd Hollerbach, „ist eine sehr gute, wenn wir die Klasse halten.“ Hannover 96, der VfB Stuttgart, Fortuna Düsseldorf, der FC St. Pauli, der 1. FC Kaiserslautern, der Club aus Nürnberg, Union Berlin oder die SpVgg Greuther Fürth heißen die Gegner fortan. Wer hätte das vor ein paar Monaten ahnen können? „Damit beschäftigen wir uns, wenn es soweit ist“, sagt Torjäger Elia Soriano: „Jetzt werden wir erst einmal richtig feiern.“ Fast vier Tage lang dauerten die Feierlichkeiten, die schließlich mit einem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Würzburg bei Oberbürgermeister Christian Schuchardt endeten. „Was die Kickers geleistet haben, verdient den Respekt aller“, sagte das Stadtoberhaupt und signalisierte Unterstützung.

„Ich will jedes Spiel gewinnen“, sagt Bernd Hollerbach gerne – und seine Jungs setzten einer außergewöhnlichen Saison noch die Krone auf. Durch einen 6:2-Erfolg im bayerischen Toto-Pokalfinale bei der SpVgg Unterhaching holten sich die Rothosen zum zweiten Mal in der Vereinshistorie den Cup. Dabei erzielte Amir Shapourzadeh nach seiner Einwechslung vier Treffer binnen sieben Minuten – vergessen war der 0:1-Rückstand, geweckt ist die ungemeine Vorfreude aller auf Zweitliga-Fußball am Dallenberg.

Doch davor heißt es mal wieder: Alle anpacken. Die Lizenz haben die Kickers von der Deutschen Fußball Liga erhalten, jetzt geht es an die Umsetzung aller Auflagen in der Flyeralarm Arena. „Einen Kraftakt“ nennt es Vorstandsvorsitzender Daniel Sauer – aber da gibt es ja dieses Motto, das die Kickers spätestens seit dem Zweitliga-Aufstieg salonfähig gemacht haben. Zwei Worte, die den Wahnsinn der vergangenen Wochen irgendwie perfekt beschreiben: einfach machen!

 

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