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UPAlteingesessenes Würzburger Geschäft muss schließen

Ein Kreis schließt sich

Inhaber Joachim Drescher beim Räumungsverkauf vor dem Geschäft in der Eichhornstraße. Inhaber Joachim Drescher beim Räumungsverkauf vor dem Geschäft in der Eichhornstraße. Rainer Adelmann

Mit der Schließung des Modehauses Drescher in der Eichhornstraße verliert Würzburg ein alt eingesessenes, inhabergeführtes Geschäft. Dabei kann Inhaber Joachim Drescher auf eine familiäre Geschäftstradition zurückblicken, die zurück ins 17. Jahrhundert reicht.

Wohl kaum ein Einzelhandelsgeschäft in der Region kann auf eine so lange Geschichte verweisen, wie das Modehaus Drescher. Im Gespräch mit dem UP Magazin blickt Inhaber Joachim Drescher zurück — aber auch in die Zukunft.

Begonnen hat alles mit dem „Vorfahren Null“, wie Joachim Drescher ihn nennt. Der hatte nach dem 30-jährigen Krieg vor den Toren Schweinfurts als Gerber gearbeitet und sich 1654 als Meister in der Stadt sesshaft gemacht. Und weil dieser Ahne — wie er selbst — auch Joachim heißt, schließt sich für den Würzburger Geschäftsmann mit der Aufgabe des Hauses ein Kreis.

Auch wenn die Familienchronik eigentlich bis in die 1380er Jahre reicht, gilt das Datum 1654 als der Beginn der Geschäftstradition des Hauses Drescher. Denn ab diesem Datum ist die jeweilige Nachfolge lückenlos belegt. Jeder seiner Vorfahren, der das Geschäft geführt hat, war zunächst entweder Säcklermeister, Riemenschneider oder Weißgerber, bis sich das Kürschnerhandwerk etabliert hatte. Ab da folgten Kürschnermeister bis zum heutigen Tage. Auch Joachim Drescher ist neben seiner Ausbildung als Einzelhandelskaufmann und dem BWL-Studium Kürschnermeister — genauso wie sein Bruder Jens.

Dort, wo sich 1654 der „Vorfahre Null“ in Schweinfurt niedergelassen hatte, ist heute noch das Elternhaus und dort wurde lückenlos die Firmengeschichte geschrieben. 1982 expandierte die Firma nach Würzburg und „Pelze Drescher“ zog zunächst in die Schustergasse ein. „Mein Vater war in der Zeit des Wirtschaftswachstums sehr tüchtig“, lobt Joachim Drescher. Und so konnte man 1989 in ein größeres Haus umziehen: Zwei Jahre vorher hatte Vater Hansgeorg das Gebäude in der Eichhornstraße erworben.

Aber: Pelze fielen in Misskredit, eines der Standbeine begann zu schwächeln. Mit der Öffnung der Grenzen nach Osten in den 90ern gab es zwar nochmals einen Aufschwung, aber: „Am Ende hat sich das Pelzgeschäft auf einem kleinen, feinen Niveau eingependelt, von dem man bei einer Firma unserer Größenordnung freilich nicht leben konnte.“ Ausgeglichen wurde das ohnehin saisonale Pelzgeschäft durch Trachtenmode wie Dirndl und Lederhosen sowie Lederbekleidung.

Es kam das schwierige Jahr 2018: Das Geschäft in Schweinfurt, das der Bruder führte, musste schließen, der Vater starb. Und in Würzburg sorgte die Großbaustelle Eichhornstraße für schwindende Umsätze. „Das hat uns viel gekostet“, so Joachim Drescher. Im Schnitt waren um 30 Prozent Umsatzeinbußen zu verzeichnen.

Konnte man früher noch die Umsatzschwankungen der Schweinfurter Filiale ausgleichen, war das nun nicht mehr möglich. Aber es kam noch schlimmer. „Unsere Zahlen hatten sich gerade so langsam wieder an die Zeit vor den Bauarbeiten angenähert, als Corona kam und damit der erste Lockdown im März vergangenen Jahres.“

„Das war für uns der freie Fall, danach ging fast nichts mehr“, so Joachim Drescher. „Wenn man an einem Punkt ist, an dem einen das Geschäft nicht mehr anhaltend ernährt, geht es einfach nicht mehr.“ Ein Jahr ging ins Land, in dem man Privateinlagen ins Geschäft steckte, doch im Oktober vergangenen Jahres entschlossen sich die beiden Brüder, die Reissleine zu ziehen. „Der Reifeprozess im Oktober war für mich ein Horrortrip. Es ging um die ultimative Entscheidung gegen die Familientradition und die bisherige Existenz. Aber den folgenden harten Winter-Lockdown hätten wir ohne vorausschauenden Ausverkauf nicht überstanden.“

Eben diese Corona-Maßnahmen, die sich bereits zu diesem Zeitpunkt für Joachim Drescher abzeichneten, waren letztlich der hauptsächliche Faktor für die Entscheidung. Aber auch andere Facetten spielten eine Rolle, wie beispielsweise die als schlecht empfundene Parkplatzsituation. „Kunden beklagten sich. Auswärtige sagten mir, sie würden nicht mehr kommen.“ Hinzu gesellte sich, dass sich das Kaufverhalten änderte und die Konkurrenz im Internet stetig wuchs. „Das Internet war für uns nie wirklich eine Option. Unsere Artikel muss man fühlen und erleben, das geht nicht am Bildschirm.“

All diese Faktoren bestärkten Joachim Drescher darin, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Für ihn beginnt nun ein zweites Berufsleben: „Im Rahmen eines zweiten Standbeins“, verrät Joachim Drescher, „arbeiten wir an einem völlig neuen Konzept. Ich bin nicht nur Kürschnermeister, sondern auch Diplomkaufmann. Das kann ich nun gut gebrauchen — so schließt sich für mich ein weiterer Kreis.“

 

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