UP Magazin

UPSonderheft der Würzburger Geschichtswerkstatt zum Jubiläum

125 Jahre Frankenwarte

Die Frankenwarte war lange Zeit ein beliebtes und gerne frequentiertes Ausflugsziel für Würzburger und Touristen. Hier eine Postkarte von 1937 mit Blick auf den rund 45 Meter hohen Aussichtsturm und die Gartenwirtschaft. Die Frankenwarte war lange Zeit ein beliebtes und gerne frequentiertes Ausflugsziel für Würzburger und Touristen. Hier eine Postkarte von 1937 mit Blick auf den rund 45 Meter hohen Aussichtsturm und die Gartenwirtschaft. Archiv Geschichtswerkstatt

Der Aussichtsturm Frankenwarte auf dem Nikolausberg war Ende des 19. Jahrhunderts die erste größere Baumaßnahme des damals noch jungen Würzburger Verschönerungsvereins. Damit hatte der Verein, der sich anfangs vor allem der Aufforstung und Begrünung widmete, weithin sichtbar ein Zeichen gesetzt. Heuer feiert die Frankenwarte ihren 125. Geburtstag.

Die Würzburger waren es leid. Blickte man auf die Hügel rund um die Stadt, sah man – wo nicht gerade Weinberge waren – auf kahle und öde Flächen. Die Bäume auf den Höhen waren nahezu sämtlich dem Heizen und Häuserbau zum Opfer gefallen. Und das, wo die Stadt Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend vom Fremdenverkehr profitierte. Nicht zuletzt zog es auch die Einheimischen an den Wochenenden, nach einer arbeitsreichen Woche, mehr und mehr hinaus ins Freie.

Engagierte Würzburger Bürger fanden sich zusammen und gründeten 1874 den Würzburger Verschönerungsverein. Verschönern bedeutete zur damaligen Zeit vor allem eines: Die Ödflächen wieder in Grünflächen und Parks für die Bevölkerung zu verwandeln. Manche Grundstücke wurden seinerzeit dem Verein von der Stadt überlassen, andere kaufte der Verein an.

Zum Beispiel auf dem Nikolausberg, der höchsten Erhebung im Stadtgebiet mit 359 Metern über dem Meer. Die Mitglieder des Vereins forsteten ein großes Areal auf dem Nikolausberg auf, das der Verein vom Buchhändler Veit Joseph Stahel gekauft hatte. Und 1893 begann man mit dem Bau eines großen Aussichtsturms, der als attraktives Ausflugsziel den Würzburgern und den Gästen der Stadt dienen sollte. Unter der Leitung des Architekten Franz Ostberg und des Baumeisters Jakob Eberlein und dank zahlreicher Spenden noch während der Bauzeit, ging der Bau schnell voran und am 30. Mai 1894 fand die feierliche Einweihung statt.

Der Speiseraum für Unteroffiziere der Frankenwarte im Jahr 1937. Foto: Archiv GeschichtswerkstattDer Speiseraum für Unteroffiziere der Frankenwarte im Jahr 1937. Foto: Archiv GeschichtswerkstattKlugerweise hatte man an den Turm, Frankenwarte genannt, noch einige Gebäude angebaut und eine Gastwirtschaft eingerichtet. Die Würzburger freuten sich über das neue Ausflugsziel und nahmen es dankend an. Alte Postkarten zeigen, wie gut besucht der Biergarten zur damaligen Zeit war. Und natürlich entwickelte sich der rund 45 Meter hohe Turm schnell zu einer Attraktion für Einheimische und Touristen.

Alte Postkarten belegen aber auch, wie kahl der Berg noch zu den Anfangszeiten der Frankenwarte war: Ein Weg führt durch Geröll und felsige Landschaft hoch auf den Berg. Heute ist der Nikolausberg längst bewaldet und bewachsen. Rund um die Frankenwarte spenden hohe Bäume im Sommer Schatten und eine Parkanlage lädt zum Spazierengehen ein.

Rund 45 Meter ist die Frankenwarte hoch, über 200 Stufen führen auf seine Aussichtsplattform. Der Turm und das Areal sind nach wie vor im Besitz des Verschönerungsvereins, die an den Turm angrenzenden Gebäude hat der Verein derzeit an die Gesellschaft für politische Bildung der Friedrich-Ebert-Stiftung vermietet. Während des Zweiten Weltkriegs war der Turm für militärische Zwecke genutzt worden, später von amerikanischen Truppen besetzt. Noch in den 50er Jahren unterhielt die Landpolizei in der Frankenwarte Funkbetrieb.

Leider gibt es schon lange keine Bewirtschaftung an der Frankenwarte mehr. Dies würde sich heutzutage nicht mehr rechnen, so Helmut Försch und Peter Hulansky von der Geschichtswerkstatt im Gespräch mit dem UP Magazin. Zu viel hat sich verändert, von baulichen Verordnungen bis EU-Vorschriften.

Das 125. Jubiläum der Frankenwarte nutzt die Geschichtswerkstatt im Verschönerungsverein Würzburg für eine Jubiläumsausgabe seiner Reihe „Bilder und Dokumente aus dem Archiv der Geschichtswerkstatt“. Darin geht es nicht nur um die Frankenwarte, sondern auch um weitere Liegenschaften des Verschönerungsvereins.

Vorgestellt wird beispielsweise auch das Waldhaus im Steinbachtal, das der Verschönerungsverein 1909 an Stelle eines ehemaligen Pulvermagazins gebaut hatte. Es diente als Abschluss der ebenfalls vom Verschönerungsverein gestalteten Parkanlagen im Steinbachtal. Bis 1941 war es ein gut besuchtes Ausflugslokal. Lange Zeit, von 1958 bis 2013, beherbergte das Waldhaus die Verwaltung der Kneipp-Werke, heute hat es der Verschönerungsverein an eine soziale Einrichtung vermietet. Derzeit laufen Untersuchungen am Gebäude für zukünftige Sanierungsmaßnahmen.

Die Jubiläumsausgabe über die Frankenwarte gibt es am 30. Mai bei der Jubiläumsfeier auf der Frankenwarte (Beginn 11 Uhr), danach im Lädele der Geschichtswerkstatt in der Pleicherkirchgasse 16, in Würzburger Buchläden oder per Mail:  info@verschoenerungsverein-wuerzburg.de.

 

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