UP Magazin

UPWürzburgs Polizeiinspektion erneuert und erweitert

50er Jahre trifft Moderne

Spektakulär: der moderne Durchstich mit großer Glasfassade. Eine Überraschung für die Planer des Staatlichen Bauamts war, dass schon in den ursprünglichen Bauplänen aus dem Jahr 1956 an gleicher Stelle ein Erweiterungsbau vorgesehen war, der aber nicht verwirklicht wurde. Spektakulär: der moderne Durchstich mit großer Glasfassade. Eine Überraschung für die Planer des Staatlichen Bauamts war, dass schon in den ursprünglichen Bauplänen aus dem Jahr 1956 an gleicher Stelle ein Erweiterungsbau vorgesehen war, der aber nicht verwirklicht wurde. Staatliches Bauamt/Güra

Die neue Polizeiinspektion vereint nicht nur Denkmalschutz mit moderner Architektur, sondern schafft auch attraktiven öffentlichen Raum: Wo früher die Autos vor dem Haupteingang dicht an dicht parkten, entsteht ein offener Platz – begrünt und durchlässig gestaltet. UP Magazin sah sich das Gebäude, das in Kürze bezogen wird, näher an.

von Rainer Adelmann

Beim Gespräch vor Ort mit dem Leiter des Staatlichen Bauamts, Joachim Fuchs, und der Abteilungsleiterin für städtische Liegenschaften, Bettina Schmincke, herrscht noch rege Betriebsamkeit in der renovierten und ausgebauten Polizeiinspektion in der Augustinerstraße. Letzte Arbeiten sind im Gang, in den Räumen warten bereits die – noch verpackten – Möbel.

Rund 110 Büros werden in Kürze den rund 300 Mitarbeitern der neuen Polizeiinspektion Würzburg-Stadt zur Verfügung stehen. Die Gesamtkosten betragen rund 21 Millionen Euro – wobei die Kosten für die Interimsunterkünfte eingeschlossen sind. Am 22. Mai ist der offizielle Einzugstermin: „Schon ab der Mittagszeit sollen Wache und Eingangspforte für Publikumsverkehr wieder geöffnet sein“, so Schmincke.

Im Mittelalter stand auf dem Gelände der heutigen Polizeiinspektion das Augustinerkloster samt Kirche und Klostergarten. | Archiv Willi DürrnagelIm Mittelalter stand auf dem Gelände der heutigen Polizeiinspektion das Augustinerkloster samt Kirche und Klostergarten. | Archiv Willi DürrnagelDamit neigt sich eine fast fünfjährige Bauzeit dem Ende entgegen. Weiter gearbeitet wird danach noch am Pavillon, der als gesondertes Bauprojekt später eine Ausstellung zur wechselvollen Geschichte des Areals beherbergen wird. Die Bauarbeiten begannen Ende 2012 mit dem Schadstoffabbau innerhalb des Gebäudes. Zu diesem Zeitpunkt war die Polizei freilich bereits ausgelagert. Während der kompletten Bauzeit mussten die Mitarbeiter auf Ersatzgebäude im Bereich der Firma Glas-Keil und nach Biebelried ausweichen.

Einen großen Raum nahmen zu Beginn die archäologische Untersuchen ein, denn das Gebäude steht auf geschichtsträchtigem Untergrund: Im Mittelalter befand sich auf diesem Areal das Augustinerkloster, samt Kirche und Klostergarten. Über die archäologischen Ausgrabungen berichteten wir bereits in einer früheren Ausgabe des UP Nachrichtenmagazins, als unter dem Parkplatz mehrere Skelette aus dem Mittelalter gefunden und geborgen wurden. Vor dem Zweiten Weltkrieg stand an gleicher Stelle das so genannte Alte Gymnasium, das am 16. März 1945 Opfer der verheerenden Bombennacht wurde.

Das Leben nach dem Krieg ging weiter: 1958 wurde die Polizeiinspektion nach Plänen vom städtischen Oberbaurat Rudolf Schlick errichtet, der auch für das Mozart-Gymnasium verantwortlich zeichnet. Die Polizeiinspektion in der Augustinerstraße steht unter Denkmalschutz, wobei drei Merkmale ausschlaggebend waren: das Dachtragwerk, das Haupttreppenhaus und die signifikante Tragstruktur.

„Die 50er-Jahre-Fassaden leben von der Vielschichtigkeit“, erläutert Amtsleiter Joachim Fuchs. „Man sieht das Trag-skelett und die Füllelemente.“ Sichtbar ist dies von außen an den vielen Teilfeldern der Fassade. Sie lassen erahnen, wie kleinteilig und trotzdem luftig die Tragstruktur des Gebäudes ist. 1978 verkaufte die Stadt das Gebäude an den Freistaat Bayern – weswegen die Renovierung und der Ausbau der Polizeiinspektion in den Aufgabenbereich des Staatlichen Bauamts fallen.

Erhaltenswert und unter Denkmalschutz steht allein das von der Augustinerstraße sichtbare große Hauptgebäude. Ein Anbau dahinter wurde 2014 abgerissen und somit Platz für eine Erweiterung geschaffen. Der Rohbau begann im September 2014, seit November 2016 lief bereits die Überprüfung der technischen Anlagen.

 Das Alte Gymnasium auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1914. | Archiv Willi Dürrnagel Das Alte Gymnasium auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1914. | Archiv Willi DürrnagelBauamtsleiter Joachim Fuchs stellt die Besonderheit der Aufgabenstellung heraus: Zum ersten Mal musste man sich in Würzburg bei der Renovierung und Erweiterung mit einem Gebäude auseinandersetzen, das schon nach dem Zweiten Weltkrieg zum Denkmal erklärt wurde. Der Bau war inzwischen in schlechtem Zustand und auch die Infrastruktur längst überholt.

Außerdem wollte die Polizei in ihrer Verwaltungsreform die beiden Polizeiinspektionen West und Ost zu einer großen Polizeiinspektion Würzburg-Stadt zusammenfassen – wozu die Räumlichkeiten in der Augustinerstraße definitiv zu klein waren. Ende 2009 erhielt das staatliche Bauamt den Planungsauftrag für die Renovierung und Erweiterung. 2756 Quadratmeter Netto-Grundfläche hält der Hauptbau aus den 50er Jahren bereit, 1580 Quadratmeter kommen durch die Erweiterung hinzu, zuzüglich Tiefgarage.

Ein Blick in die Baueingabe von 1956 überraschte die Planer des Staatlichen Bauamts: Denn schon damals war ein Erweiterungsbau vorgesehen. Wer sich an das Gebäude der Polizeiinspektion vor der Renovierung erinnert, hat vielleicht im Gedächtnis, dass im linken unteren Bereich der Fassade eine große Fläche fensterlos war. An dieser Stelle war schon im Genehmigungsplan aus den 50er Jahren ein Anbau vorgesehen – der offensichtlich nicht umgesetzt worden war.

Dies wurde jetzt nachgeholt. Hier befindet sich jetzt der auffälligste Part der modernen Erweiterung: ein riesiges Glasfenster, hinter dem sich ein großer Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter und Gäste der Polizeiinspektion befindet. Die Zielsetzung der Planung war aber nicht nur, zu modernisieren und mehr Raum zu schaffen. Die Planer des Staatlichen Bauamts wollten zusätzlich mehr Aufenthaltsqualität und Sichtbezüge schaffen – mit einem offenen Wegesystem für Fußgänger zwischen Mainkai und Augustinerstraße. Dies kommt nicht zuletzt einer wachsenden Zahl von Touristen zugute, die von den Kreuzfahrtschiffen in die Innenstadt gehen.

Bauamtsleiter Fuchs freut sich, dass man gleich „mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen konnte“: Zum einen ist der stets vollgeparkte Vorplatz mit dem Flair eines Gebrauchtwagenmarkts verschwunden. Stattdessen entstand ein öffentlicher Raum, der nun der Begegnung und dem Aufenthalt dient. Zum anderen muss die Polizei diesen Platz nicht mehr als Polizeihof nutzen. Denn der ist nun abgeschlossen und vor neugierigen Blicken geschützt unter der Erde: nämlich in der neuen Tiefgarage bei den Einsatzfahrzeugen. Parkplätze für die Mitarbeiter stehen oberirdisch auf der rückwärtsgewandten Seite des Hauptbaus zur Verfügung. Die Tiefgarage ist für 40 Fahrzeuge ausgelegt, oberirdisch kommen nochmals 45 Stellplätze dazu.

Ein Blick in die Wirsbergstraße 1945. Das Gebäude des Alten Gymnasiums auf der rechten Straßenseite ist nahezu komplett zerstört. | Archiv Willi DürrnagelEin Blick in die Wirsbergstraße 1945. Das Gebäude des Alten Gymnasiums auf der rechten Straßenseite ist nahezu komplett zerstört. | Archiv Willi DürrnagelKeine Probleme gab es während der Planungen mit der Denkmalpflege: „Wenn die Entwurfslösung gut ist, dann geht auch die Denkmalpflege den Weg mit“, so Bauamtsleiter Fuchs. „Denkmalpflege ist für mich keine Verhinderungspflege.“

Wer genau hinsieht, wird bemerken, dass auch im Erweiterungsbau gestalterische Elemente aus dem geschützten Hauptbau aufgenommen wurden. Unter den Fenstern in den kleinteiligen Kassetten, wurde in den 50er Jahren die so genannte Sgraffito-Technik angewandt, bei der mehrere Putzschichten übereinandergelagert sind. Die oberste Schicht besitzt einen Terrakotta-Ton, darunter liegt ein Schilfton, der durch Kratzen freigelegt wurde und so eine zweifarbige Struktur erzeugt. Dies ist nur auf kleinen Flächen möglich, da der Putz während der Arbeit nicht austrocknen darf.

„Diese Struktur fanden wir signifikant für den Bau als Gestaltungselement“, so Schmincke. Und deswegen nahmen die Planer sie für den Erweiterungsbau in großem Maßstab auf: Weil die Aluminiumverbundelemente ohnehin aus herstellungstechnischen Gründen eine Maximalgröße besitzen, wurden die Ränder mit schrägen Kanten verarbeitet. Auf diese Weise werden die konstruktiven Fugen zum gestalterischen Muster und formen im Großen jene Struktur nach, die in den Sgraffito-Feldern sichtbar ist. So sind nicht nur die Baukörper verzahnt, indem der Neubau den Altbau durchsticht, sondern es wurde eine zusätzliche Verbindung durch die Motive geschaffen.

Als gestalterisches Element wurden im Sockel des Neubaus Faserzementtafeln in anthrazit verarbeitet. Die großen Glasfassaden im Innenhof der rückwärtigen Gebäudefront sind mit Metallnetzen überzogen. Dahinter verbergen sich Lüftungsklappen, die für ein angenehmes Raumklima sorgen. „In unserer gesamten Planung war uns immer wichtig, dass der denkmalgeschützte Hauptkörper im Vordergrund steht“, betont Bettina Schmincke. Der Neubau orientiert sich daher auch an den Traufhöhen der Nachbargebäude und nimmt zudem die Leichtigkeit der denkmalgeschützten Fassade auf.

Der imposante moderne Quader mit seiner riesigen Glasfläche ist von außen ein Hingucker und schafft von innen einen prächtigen Ausblick - nicht nur für den Leiter des Staatlichen Bauamts, Joachim Fuchs (rechts im Bild). | Foto: Uta BöttcherDer imposante moderne Quader mit seiner riesigen Glasfläche ist von außen ein Hingucker und schafft von innen einen prächtigen Ausblick - nicht nur für den Leiter des Staatlichen Bauamts, Joachim Fuchs (rechts im Bild). | Foto: Uta BöttcherIm Inneren behielten die Planer die kontrastreiche Gestaltung und die Klarheit der Linien bei, die sie vorgefunden hatten. Der Boden im Erdgeschoss besteht aus schwarzem Mayener Basalt. Im Kontrast dazu stehen das Geländer mit den goldfarbenen Messingbeschlägen und Handlauf. „Die Beschläge waren komplett schwarz angelaufen“, weiß Bauleiter Werner Bausenwein. Letztlich half nur ein Abschleifen, um alles zum alten Messingglanz zurückzubringen.

In den Fluren der Obergeschosse kommt dunkles Linoleum zum Einsatz, in den Zimmern liegt Nadelfilz aus Anthrazit aus. Die Türfassungen und Einbaumöbel liefern mit ihrer hellen Ahornoptik den perfekten Kontrast. Dank einer Innendämmung aus acht Zentimeter dicken Kalziumsilikatplatten entspricht der Atbau der Energiesparverordnung zum Zeitpunkt der Auftragsvergabe im Jahr 2009. Neben Büros beherbergt die neue Polizeiinspektion Wache/Netdispatcherbereich, Besprechungsräume, Räume für Dienstsport, EDV und weitere Sonderbereiche.

 

UP - Der Überblick

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