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UPStefan Popp blickt auf turbulente Wochen zurück

Als Helden gefeiert

Im E-Center Popp nie knapp: Desinfektionsmittel. Inhaber Stefan Popp berichtet im Gespräch mit dem UP Magazin über turbulente Wochen. Im E-Center Popp nie knapp: Desinfektionsmittel. Inhaber Stefan Popp berichtet im Gespräch mit dem UP Magazin über turbulente Wochen. Uta Böttcher

Im März und April – in der Hoch-Zeit der Corona-Pandemie – wurden die Mitarbeiter der Lebensmittelläden unversehens als Helden gefeiert, die dafür sorgen, dass die Menschen trotz Lockdown mit Nahrungsmitteln und den notwendigen Dingen des Alltags versorgt wurden. Wir sprachen mit Stefan Popp, Inhaber des E-Center Popp in der Nürnberger Straße, über die vergangenen turbulenten Wochen.

Stefan Popp, Inhaber des E-Center Popp in der Nürnberger Straße, blickt auf turbulente Wochen zurück. Wie alle Lebensmittelläden zählte auch sein E-Center zu den systemrelevanten Geschäften, die sogar während des Corona-Lockdowns geöffnet hatten. Seine Mitarbeiter und er wurden mit einer Situation konfrontiert, die bisher einmalig war in der Geschichte Deutschlands. Wir sprachen mit Stefan Popp über die vergangenen Wochen und eine außergewöhnliche Zeit, die sich hoffentlich nicht wiederholen wird.

Das Gute vorneweg: Bei den rund 100 Mitarbeitern im E-Center gab es in all den Wochen weder einen Krankheitsfall noch einen positiven Test. Stefan Popp erinnert sich noch an den 20. März, als der bayerische Ministerpräsident Markus Söder um die Mittagszeit verkündete, dass es ab darauffolgenden Montag eine Ausgangsbeschränkung geben werde.

„Am Nachmittag schon war bei uns die Hölle los“, beschreibt Stefan Popp die Situation in seinem Markt. „Die Leute kauften und kauften und kauften. Es gab noch keine Einlassbeschränkungen und viele dachten offenbar, dass ab Montag alles zu ist.“

„Das waren drei Tage, die stärker waren als Ostern und Weihnachten zusammen“, fasst der Marktinhaber zusammen. „Das war ein Ausnahmezustand. Wirtschaftlich gesehen war der Andrang natürlich gut für uns. Aber wir waren nicht darauf vorbereitet und auf einen ganz normalen März eingestellt. An Weihnachten und Ostern wissen wir, wie viel etwa los sein wird. Wir wissen, alle Kassen müssen besetzt sein und wir müssen mehr Ware bestellen. Darauf aber waren wir nicht gefasst.“ Und auch die Woche darauf ging es nicht weniger heftig weiter. Und das erste große Thema hieß auch im E-Center: Toilettenpapier. Warum das so war, kann sich auch Stefan Popp nicht wirklich erklären: „Es hieß, man muss nicht hamstern. Als die Kunden aber in den Markt kamen, sahen sie, dass teilweise die Regale leer waren. Also haben sie gehamstert. Ein Teufelskreis.“

Abstand halten: Holzkisten sorgen dafür, dass niemand der Fleischtheke zu nahe kommt. | Foto: Uta BöttcherAbstand halten: Holzkisten sorgen dafür, dass niemand der Fleischtheke zu nahe kommt. | Foto: Uta BöttcherDabei hatte der E-Center Popp immer Toilettenpapier im Regal – wenn auch nicht jede Sorte und jede Marke, so wie sonst. „Wir hatten Glück. Wir hatten einen Großhändler, der Hotels beliefert. Der wiederum hatte einen Lkw voll Toilettenpapier geordert, den er aber nicht mehr an die Hotels ausliefern konnte - denn die waren ja geschlossen. Und so haben wir die komplette Ladung aufgekauft.“

Gehamstert wurden außerdem Seife und Desinfektionsmittel. „Da hat Edeka einen guten Job gemacht“, lobt Stefan Popp. Wir konnten zwar kein Desinfektionsmittel bestellen. Aber wir bekamen ein Kontingent zugeteilt – und das war mehr als ausreichend.“ Knapp wurde es aber bei Hefe, sowohl Trockenhefe als auch frische Hefe. „Schließlich waren wir soweit, dass wir beim Bäcker kiloweise Hefe gekauft haben, die wir dann in der Metzgerei in kleine Teile schnitten.“ Gefragt waren zudem Mehl, Nudeln und Konserven. Für ältere Menschen richteten E-Center Popp, der ADAC Ortsclub und ein Würzburger Autohaus gemeinsam einen telefonischen Service ein, der – ohne Liefergebühr – das Bestellte nach Hause brachte.

Als die Plexiglaswände aufkamen, um Mitarbeiter und Kunden zu schützen, ließ Stefan Popp von einem Schreiner entsprechende Wände einbauen. „Kurz nachdem wir fertig waren, wurde sogar das Plexiglas knapp.“ Es folgten Einlassbeschränkungen und Maskenpflicht. Auch hierauf mussten sich Markteigentümer und Mitarbeiter einstellen. Bei maximal fünf Personen pro 100 Quadratmeter Verkaufsfläche ergaben sich 175 Kunden, die gleichzeitig den Markt besuchen durften. „Wir hatten zwei Security-Kräfte eingestellt.“ Einer überwachte mit digitalem Kundenzähler die Zahl der Kunden im Markt, der andere sorgte dafür, dass im Markt der Abstand eingehalten wurde.

Stefan Popp wollte nicht wie andere Märkte per Einkaufswagen zählen. „Ich habe das als störend empfunden, dass dann beispielsweise Kunden, die zu zweit kommen, sogar zwei Einkaufswägen brauchen.“ Zudem stellte man schnell fest, dass sogar zu Stoßzeiten niemals 175 Kunden gleichzeitig im Markt waren. „Hier kommt uns unsere Größe zugute. Bei einer Verkaufsfläche von 3.500 Quadratmetern bekommt man einfach mehr Leute in den Markt als in einen kleineren Lebensmittelladen.“ Inzwischen hat sich die erlaubte Zahl sogar verdoppelt, so dass diese Beschränkung hier endgültig keine Rolle mehr spielt.

Holzbügel für Einkaufswägen erweitern seit Neuestem das Sortiment im E-Center Popp in der Nürnberger Straße. | Foto: Uta BöttcherHolzbügel für Einkaufswägen erweitern seit Neuestem das Sortiment im E-Center Popp in der Nürnberger Straße. | Foto: Uta BöttcherAls die Maskenpflicht kam, hat der Marktinhaber extra Masken für seine Mitarbeiter gestellt. „Wir haben sie bei einer Firma aus der Region bestellt, die normalerweise Trikots fertigt, und unser Edeka-Emblem aufdrucken lassen.“ Mancher Mitarbeiter hat indes seine eigene Maske mitgebracht.

„Im März war es schwierig, die Mitarbeiter bei Laune zu halten“, erinnert sich Stefan Popp. Er hatte ihnen freigestellt, ob sie zur Arbeit erscheinen wollen oder man eine andere Lösung findet, wie Urlaub oder Freistellung. Bis auf drei Mitarbeiter kamen alle, doch selbst diese drei gingen nach einer Woche wieder zur Arbeit. Jeder bekam eine Bestätigung ausgestellt, dass er im E-Center Popp arbeitet, also in einem systemrelevanten Betrieb – falls er während der Ausgangsbeschränkung kontrolliert wurde. „Einige waren aber sogar froh, dass sie zur Arbeit kommen durften und nicht die ganze Zeit zuhause bleiben mussten.“

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter galten zu Corona-Beginn gar als „Helden“: „Unsere Kassenkräfte haben Pralinen von Kunden bekommen. Und es gingen jede Menge Mails und Briefe von Kunden ein, die sich bei uns bedankten.“ Diese Euphorie ist inzwischen freilich abgeebbt und Stefan Popp und einige seiner Kollegen bemerken bei den Menschen momentan eher einen gewissen Unmut – offenbar über die derzeitige Gesamtsituation.

Geändert hat sich das Einkaufsverhalten: Zwar hat sich die Zahl der Kunden wieder normalisiert. Wer kommt, kauft aber mehr als früher. Das heißt, der Umsatz ist nach wie vor größer, aber auch hier erwartet Stefan Popp in nächster Zeit, dass sich alles wieder auf das Maß vor Corona einpendelt.

Im Moment gibt es erstmal noch zusätzlich Arbeit im Markt. Durch die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung müssen nicht nur die Kassensysteme umgestellt werden, sondern auch jede Menge Etiketten neu gedruckt und platziert werden – nämlich rund 50.000 Stück.

 

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