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UPSo wird die Fassade des Neubaus am Paradeplatz gestaltet

Auf die Details kommt es an

Traditionelle Messingtischleuchten standen Pate für die Markisen über den Schaufenstern des neuen Hotels am Paradeplatz. Und wie diese Leuchten sorgen auch die Markisen für indirekte Beleuchtung. Bild unten: Das Relief „Phönix“ des Bildhauers Julius Bausenwein wurde von der alten Paradepost übernommen und wird die 60 Meter lange Front zieren. Traditionelle Messingtischleuchten standen Pate für die Markisen über den Schaufenstern des neuen Hotels am Paradeplatz. Und wie diese Leuchten sorgen auch die Markisen für indirekte Beleuchtung. Bild unten: Das Relief „Phönix“ des Bildhauers Julius Bausenwein wurde von der alten Paradepost übernommen und wird die 60 Meter lange Front zieren. Geisel Architekten

Das Würzburger Büro Geisel Architekten hat den Fassadenwettbewerb für das neue Hotel gewonnen, das anstelle der alten Paradepost errichtet wird. Zwischen der Auslobung und der festgelegten Gebäudeform ist der Spielraum eher auf markante Details begrenzt. UP Magazin sprach mit Architekt Norbert Geisel über seine Arbeit.

Vier Büros hatten sich am Wettbewerb für die Fassade des neuen Hotels beteiligt, das anstelle des alten Postgebäudes am Paradeplatz entstehen wird (siehe vorhergehenden Beitrag). Gewonnen hat das Büro Geisel Architekten aus Würzburg.

UP Magazin sprach mit dem Architekten Norbert Geisel über seine Arbeit zwischen den Vorgaben, was die Nähe zum Dom betrifft, und den Festlegungen durch die Gebäudeform. Um dennoch eine markante und ansprechende Fassade zu gestalten, musste man bei der Planung in die Details gehen.

Die Planung für das Gebäude selbst hatte ein Frankfurter Architekturbüro übernommen. „Wir hatten also bereits durch die vielen Fenster ein Raster, eine Art Lochfassade“, so Norbert Geisel. „Dazu kam, dass wir zwar eine Fassade gestalten wollten, die Eindruck macht — aber sich bei der sensiblen Nähe zum Dom nicht aufdrängt. Es war eine schöne und interessante Aufgabe.“

Dazu gehörte für Geisel auch ein Blick in die Historie: Wie sah zum Beispiel das Vorgängergebäude aus, das bis zu dessen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg an der Stelle der späteren „Paradepost“ stand. Damals handelte es sich nach alten Fotos zufolge um einen Bau in Kiosk-Form, der gut zum Paradeplatz passte, denn der glich zu dieser Zeit eher einem Park.

Elegant und durch die Markisen indirekt beleuchtet: Die Fassade des neuen Hotels am Paradeplatz in einer Visualisierung (Bild oben). Bild links unten: Messingfarbene Paneele an den Fenstern spiegeln die Umgebung und sorgen so für immer wieder wechselnde Eindrücke an der Häuserfront. | Visualisierung: Geisel ArchitektenElegant und durch die Markisen indirekt beleuchtet: Die Fassade des neuen Hotels am Paradeplatz in einer Visualisierung (Bild oben). Bild links unten: Messingfarbene Paneele an den Fenstern spiegeln die Umgebung und sorgen so für immer wieder wechselnde Eindrücke an der Häuserfront. | Visualisierung: Geisel Architekten„Bei unseren Überlegungen waren wir uns schnell klar, dass es nur Punkte sein können, an denen wir die Fassade aufwerten — also das Material, die Farben oder Details wie letztlich die Markisen oder Paneele.“

Man wollte, dass die Fassade zu jeder Tageszeit, aber auch zu jeder Jahreszeit etwas anders aussieht. Und so wird jedes Fenster von einer messingfarbenen Paneele begleitet, in der sich der Dom und vielleicht sogar die Festung spiegelt. Im Winter zeigt sich dort ein anderes Bild als im Sommer.

Messingfarben sind auch die Markisen über den Schaufenstern. Hier wollen die Architekten an die traditionellen Tischleuchten erinnern, mit ihren messingfarbenen Lampenschirmen.

„Was die großen Bodenfenster angeht, war unser Gedanke, sie optisch bis an den Boden zu führen“, so Norbert Geisel weiter. „Wir wollen das Innere, die Hotellobby, und das Äußere auf diese Weise miteinander verbinden.“ Die Fenster stoßen eigentlich an die Grundmauern des Kellergeschosses, die als einziges stehengeblieben sind. Da diese Mauern unter den Schaufenstern mit einem schwarzen Glasmosaik belegt sind, werden sie so quasi bis zum Boden verlängert.

Mit schwarzem Schiefer verkleidet wird das Dachgeschoss, in dem die Gauben quasi verschwinden statt sie besonders zu betonen. Gegliedert wird die 60 Meter lange Häuserfront durch drei etwa fünf Zentimeter hohe Absätze, die mit ihrem Schattenwurf wie drei Längslinien wirken.

Ebenfalls Teil der neuen Fassade ist übrigens ein alter Bekannter, der bereits über dem Eingang der Paradepost prangte: Das Relief „Phönix“ des 1962 gestorbenen Rimparer Bildhauers Julius Bausenwein. Der Phönix fliegt an der gleichen Stelle wie früher und blickt auf die Rückseite des Domes.

 

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