UP Magazin

UPEndspurt vor der Landesgartenschau

Aufgeräumt und modern

Endspurt in der Kaiserstraße: Ende März soll die Sanierung der Kaiserstraße beendet sein. Noch fehlt die Möblierung: drei Stadtsofas, zwei Litfasssäulen und Mülltonnen mit dem Kaiserstraßenlogo. Endspurt in der Kaiserstraße: Ende März soll die Sanierung der Kaiserstraße beendet sein. Noch fehlt die Möblierung: drei Stadtsofas, zwei Litfasssäulen und Mülltonnen mit dem Kaiserstraßenlogo. Rainer Adelmann

Die Kaiserstraße war einst die Prachtstraße Würzburgs, war aber in den vergangenen Jahrzehnten arg in die Jahre gekommen. Jetzt hat sie ein neues Gesicht: weiträumig und modern, klar und aufgeräumt.

von Rainer Adelmann

Schon in wenigen Tagen – nur drei Monate nach der Eichhornstraße – wird auch die Kaiserstraße in neuem Glanz erstrahlen. Noch Ende März, so Uwe Kömpel vom Fachbereich Stadtplanung im Gespräch mit dem UP Magazin, sollen die Arbeiten beendet sein. Nur falls das Wetter nicht ganz mitspielt, könnte es ein bis zwei Wochen länger dauern.

Damit ist man auf jeden Fall noch rechtzeitig vor Beginn der Landesgartenschau fertig und im Zeitplan. Derzeit laufen noch die letzten Pflasterarbeiten an der Ecke Marcusstraße und an der Ecke zum Röntgenring. Wie die Eichhornstraße war auch die neue Kaiserstraße ein städtebauliches Mammutprojekt, das sich über mehrere Jahre Bauzeit erstreckte.

Schon 2007 lief der städtebauliche Wettbewerb, der 2008 in einen Stadtratsbeschluss mündete. Erstes Ergebnis war übrigens nicht der Beginn der Arbeiten, sondern eine Werbeanlagensatzung, die zwar mit Blick auf die Kaiserstraße erstellt wurde, aber in der ganzen Innenstadt gilt. Der Blick in die Kaiserstraße hatte nämlich ergeben, dass zu viele Vorbauten und überdimensionale Werbeanlagen das Gesamtbild unruhig erscheinen ließen. Wo renoviert wurde, kamen also die Vordächer weg – zum Beispiel vor dem ehemaligen Corso-Kino.

In die Planung ging es schließlich 2012 und drei Jahre später rückten Bagger und anderes schweres Gerät an. Die Vorhut bildeten die Entwässerungsbetriebe. Die Firma Adam Bau musste teilweise Baugruben bis zu sechs Metern Tiefe anlegen. Von da aus wurde Richtung Hauptsiel gebohrt, um die Hausanschlüsse an den Kanal anzuschließen. Das Hauptsiel der Straße, das alle Abwässer aufnimmt und weiterleitet, liegt in der Kaiserstraße besonders tief, denn direkt darüber fährt die Straßenbahn auf einer dicken Betondecke. Gab es zuvor viele Regenrohre und Abwasseranschlüsse – wobei einiges auch noch undicht war – wurde nach Jahrzehnten des Wildwuchses sozusagen aufgeräumt.

Die Kaiserstraße auf einer alten Postkarte aus dem Jahr 1900 (Archiv Willi Dürrnagel)Die Kaiserstraße auf einer alten Postkarte aus dem Jahr 1900 (Archiv Willi Dürrnagel)Diese ersten Tiefbauarbeiten liefen von April bis Oktober 2015. Im September übernahmen die Mainfranken Netze GmbH (MFN), um die Gas- und Wasseranschlüsse auf Vordermann zu bringen.

Im Juli 2016 wurde die Stadt aktiv: Sie hatte die Oberflächengestaltung an eine Arbeitsgemeinschaft aus der Würzburger Pflasterbau (WPB) und der Müller Bau GmbH vergeben. Auch hier ging es zunächst um Tiefbauarbeiten – weswegen manche Anlieger den sicherlich nicht falschen Eindruck hatten, dass mehrmals an der selben Stelle aufgerissen werden musste. Bisweilen war es notwendig, Baustellen vorübergehend wieder zu verschließen, um den Fußgänger- und Lieferverkehr in der belebten Kaiserstraße aufrecht zu erhalten.

Nun ging es an die Vorbereitung der Oberfläche, wobei bei diesen Arbeiten gleichzeitig Strom- und Telefonkabel und auch die Kanäle für das Oberflächenwasser verlegt wurden. Damit für die Fußgänger stets ein sicherer Weg erhalten bleibt, wurde die Kaiserstraße in Baufelder unterteilt, die versetzt von der WPB und Müller Bau bearbeitet wurden.

Die Kaiserstraße war für die ausführenden Firmen keine einfache Baustelle: Während des laufenden Betriebs musste nicht nur Rücksicht auf Fußgänger, Straßenbahn und Lieferfahrzeuge genommen werden. Die Arbeiten mussten zudem mit den Geschäftsleuten abgestimmt und immer wieder neue provisorische Fußwege eingerichtet werden. Die Logistik war schwierig und die Arbeiten konnten oft nur mit kleinen und mittleren Gerätschaften ausgeführt werden.

Im Sommer 2017 wurde es spektakulär: Schweres Gerät fuhr auf und an zwei Wochenenden in den Schulferien ging es in der Nacht den alten Schienensträngen an den Kragen. Das alte Pflaster wurde aufgebrochen und die Schienen wurden herausgerissen und abtransportiert. Am Barbarossaplatz sah es es aus wie bei einer Beachvolleyball-Meisterschaft: Eine große Sandfläche sollte das darunter liegende Pflaster schützen und den Lärm minimieren.

Die alten Schienenstränge wurden auf den Sand gezogen, dort mit einer riesigen Metallschere zerteilt und in kleineren Portionen per Lkw abtransportiert. Zügig und präzise gingen die Arbeiten voran, denn die Straßenbahn musste jeweils nach dem Wochenende am frühen Montagmorgen wieder ihren Betrieb aufnehmen.

Im Gegensatz zur Eichhornstraße gab es in der Kaiserstraße für die Archäologen wenig zu tun: Es ging in der Regel nicht so tief hinab und es gab so gut wie keine archäologischen Funde. Eine Schrecksekunde entpuppte sich schnell als harmlos: An der Einmündung zur Marcusstraße tauchten große Knochenfragmente im Erdreich auf. Die Archäologen fanden daneben Scherben mit Mustern aus den 60er Jahren. Womöglich ein Verbrechen? Die Polizei rückte an und brachte die Knochen in die Pathologie – wo sie als Rinderknochen identifiziert wurden.

Die Möblierung der neuen Kaiserstraße besteht aus drei großen Stadtsofas aus Metall mit Holzauflage, zwei Litfasssäulen und Mülltonnen mit dem Kaiserstraßenlogo (Quelle: Fachbereich Stadtplanung, Stadt Würzburg).Die Möblierung der neuen Kaiserstraße besteht aus drei großen Stadtsofas aus Metall mit Holzauflage, zwei Litfasssäulen und Mülltonnen mit dem Kaiserstraßenlogo (Quelle: Fachbereich Stadtplanung, Stadt Würzburg).Wenn die Kaiserstraße endgültig fertig ist, wird sie per Hochdruckflächenreiniger einmal komplett durchgeputzt. Danach kann die Lichtleiste in Betrieb gehen, die ähnlich der Eichhornstraße in den Boden eingelassen ist. Das Lichtband ist unterbrochen und erzeugt so folgenden Morsecode:
„Würzburg - Welterbe - Weingenuss - Wohlgefühl“.

Die meisten Elektroarbeiten sind freilich nicht sichtbar. Die Firma Elektro von Pokrowsky legte nicht nur die neuen Kabel unter der Erde, bei der Sanierung wurden über 20 Elektroanschlüsse in kleinen Metallsäulen (Stromstelen) am Straßenrand eingerichtet, die nun für die Weihnachtsbeleuchtung und Events genutzt werden können.

Die Möblierung der neuen Kaiserstraße besteht aus drei großen Stadtsofas und zwei Litfasssäulen. Die Litfasssäulen – bestückt mit Kulturprogramm – lassen sich drehen und sind so auch ein bisschen Ersatz dafür, dass für Spielgeräte in der Kaiserstraße kein Platz ist. Vor dem Kaisergärtchen wird eine Stele an jüdische Mitbürger und ihre Geschäfte in der Kaiserstraße erinnern. Die Gesamtkosten der Baumaßnahme für die Stadt betragen rund 5,4 Millionen Euro, so Uwe Kömpel. Damit liegt man nur wenig über den ursprünglich geschätzten fünf Millionen Euro.

Dass die Mieten nach der Renovierung der Kaiserstraße steigen werden, davon geht Wolfgang Weier aus. Schließlich laste ein großer Teil der Kosten auf den Anliegern. Wolfgang Weier ist Geschäftsführer von „Würzburg macht Spaß e.V.“, der das Quartiersmanagement für die Kaiserstraße betreibt. Der Quartiersmanager ist davon überzeugt, dass sich die Kaiserstraße positiv weiter entwickelt.

Frequenzzählungen großer Immobilienmakler haben ergeben, dass die Kaiserstraße selbst während der Umbauphase noch von mehreren tausend Menschen pro Stunde besucht wurde und nicht allzu weit weg von den Spitzenreitern Domstraße und Dominikanerplatz lag. In der Statistik eines großen Immobilenmaklers landete die Kaiserstraße in Sachen Besucherfrequenz im Jahr 2017 auf Platz 70 der deutschen Geschäftsstraßen.
Der Umsatzrückgang während der Bauarbeiten in der Kaiserstraße habe sich vergleichsweise in Grenzen gehalten, so Weier im Gespräch mit dem UP Magazin. Dabei geht er von den Zahlen des Handelsverbandes aus, die besagen, dass bei Baumaßnahmen im Schnitt mit Umsatzeinbußen zwischen 50 und 70 Prozent zu rechnen ist. Kommt ein Quartiersmanagement ins Spiel, reduzieren sich diese durchschnittlichen Werte auf 30 bis 50 Prozent.

Eine Befragung in der Kaiserstraße hat ergeben, dass 24 Prozent der Händler und 62 Prozent der Dienstleister gar keine Umsatzrückgänge während der Bauzeit erlitten haben. Einen Umsatzrückgang von mehr als 30 Prozent verzeichneten  lediglich 26 Prozent der Händler und zehn Prozent der Dienstleister.

Weier sieht die vergleichsweise guten Zahlen als Resultat des Quartiersmanagements, das als Bindeglied zwischen den Anliegern und der Stadt Würzburg sowie den beteiligten Baufirmen fungierte. „Ich wusste immer genau, wen ich bei Problemen anrufen muss“, so Wolfgang Weier. „Wir sind stolz darauf, dass wir im Zeitplan geblieben sind, dieser Verdienst gehört weitgehend den Baufirmen.“ Das Quartiersmanagement habe besonderen Wert darauf gelegt, dass zu wichtigen Terminen wie Weihnachten das Geschäft für die Händler in der Kaiserstraße möglichst ungestört von den Bauarbeiten erfolgen kann.

Nach dem Rückgang der Attraktivität der Kaiserstraße in den vergangenen Jahren ist Weier überzeugt, dass sich die Kaiserstraße nun erholen wird. „Es wird nicht mehr die absolute Prachtstraße, die sie einmal war – aber eine sehr gute Konsumstraße.“

 

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