UP Magazin

UPGesprächbedarf mit der Stadt Würzburg

Blick auf die Weinberge

Autofrei und durchlässig: Das geplante Bismarckquartier eröffnet bisher unbekannte Blickachsen zu den Weinbergen. Autofrei und durchlässig: Das geplante Bismarckquartier eröffnet bisher unbekannte Blickachsen zu den Weinbergen. bismarckquartier GmbH

Auch wenn man noch nichts wahrnimmt: Die Vorbereitungen für das neue Quartier westlich vom Bahnhof, genannt Bismarckquartier, gehen voran. Neben diesen vorbereitenden Arbeiten besteht aber offenbar noch Gesprächsbedarf mit der Stadt Würzburg.

Entschieden wurde, dass für das neue Bismarckquartier der Vorschlag der Architektengemeinschaft baumschlager eberle umgesetzt wird, so Niko Rotschedl, einer der beiden Geschäftsführer der Würzburger Beethovengruppe, deren Projektentwicklungsgesellschaft bismarckquartier GmbH Eigentümer des Geländes ist, im Gespräch mit dem UP Magazin. Nach wie vor geht er davon aus, dass im nächsten Jahr mit dem Abriss begonnen werden kann und die Arbeiten bis etwa 2026 beendet sein werden. Das Gelände umfasst im Wesentlichen das Areal der alten Posthalle.

Weil das Grundstück aber der Bahn gewidmet, also eisenbahnbetriebsnotwendiges Gelände war, muss zunächst eine Freistellung erfolgen. Hierzu läuft, so Niko Rotschedl, ein zweistufiges Freistellungsverfahren. Der größere sichtbare Teil inklusive der Posthalle wird aktuell freigestellt. Es existiert aber auch noch ein Grundstücksteil an der Bahnseite, wo Hochspannungsmasten stehen. Hier läuft derzeit die Planung, wo die Masten künftig sitzen sollen.

Parallel laufen die Sondierungsmaßnahmen, die sich im Rahmen einer sechsstelligen Eurosumme bewegen. Damit will die bismarckquartier GmbH Aufschlüsse darüber erhalten, wie der Untergrund beschaffen ist und welche geologischen Besonderheiten zu erwarten sind. Dies ist zum Einen deswegen wichtig, weil im Osten das Wasserschutzgebiet der Bahnhofsquellen liegt. Zum Anderen kann man dadurch feststellen, wie nahe man die Tiefgarage an das bestehende Hochhaus heran bauen kann. Mit den Ergebnissen der Sondierungsmaßnahmen rechnet Rotschedl noch im März dieses Jahres.

Ein weiteres Thema, das im Moment ansteht, ist ein Beschluss der Stadt Würzburg, den die Stadträte noch vor der Sommerpause vergangenen Jahres gefasst hatten. Darin heißt es, dass beim Aufstellen eines neuen Bebauungsplans 30 Prozent geförderter Wohnungsbau beeinhaltet sein muss. „Damit tun wir uns schwer, weil wir bereits im laufenden Verfahren sind und das Projekt dies wirtschaftlich nicht hergibt“, so Niko Rotschedl.

Auf der einen Seite stünden die Erwartungen für das neue Bismarckquartier, nämlich eine hochwertige Architektur. Auf der anderen Seite bringe das Posthallen-Areal einige Besonderheiten mit sich, wie hohe Abbruchkosten, aufwändige Altlastenentsorgung oder die neue Verbauung zum Bahngelände. „Das Grundstück ist bereits mit so vielen Kosten belastet, eine weitere Belastung führt zu einem unrentablen Projekt und damit möglicherweise zu einem Ende einer vielversprechende Entwicklung“, so das Fazit Niko Rotschedls. Zudem sei mit weiter steigenden Baukosten zu rechnen, bis das Projekt Mitte der zwanziger Jahre fertiggestellt sein wird.

„Fakt ist: Alle wirtschaftlichen Parameter waren bei der Auslobung abgestimmt“, so Rotschedl weiter. „Nun wird signifikant daran eingegriffen.“ Fest steht freilich auch: Es gibt noch keinen Aufstellungsbeschluss. „Da muss eine Lösung her, und wir arbeiten daran.“ Üblich sei in anderen Städten beispielsweise, dass man Übergangslösungen schafft, wenn sich ein Projekt schon in einem laufenden Verfahren befindet oder wenn es bereits mit übermäßigen Kosten belastet ist. Im Würzburger Beschluss ist dies bisher nicht vorgesehen.

„Sinnvoll wäre es gewesen, die laufenden Projekte aus dem Beschluss auszuklammern“, so der Vorschlag Rotschedls. Bei künftigen Projekten ließen sich die Vorgaben schon mit einpreisen, wenn man ein Grundstück kauft oder in die Planung geht. „Rückwirkend ist dies nicht möglich.“

Was die Posthalle als Veranstaltungsort angeht, habe man anfangs überlegt, ob man diese Nutzung integrieren könne. Dies sei aber unter anderem aus emissionstechnischen Gesichtspunkten nicht möglich. Man erachte zwar diese Form der Ergänzung des konventionellen Kulturbetriebs für wichtig, doch die Posthallen seien von Beginn an als Interimslösung vorgesehen gewesen. „Es war von Anfang an klar, dass dies ein endliches Thema ist – auch deswegen, weil es an dieser Stelle städtebaulich nicht sinnvoll ist.“

Die Verträge mit den Mietern auf dem Posthallengelände sind jedenfalls klar: Sobald mit dem Bau begonnen werden kann, darf die bismarckquartier GmbH allen Mietern mit sechsmonatiger Kündigungsfrist kündigen. Und: Im Jahr 2023 enden die Mietverhältnisse ohnehin. „Dies wird von unserer Seite auch nicht verlängert werden, da es wirtschaftlich nicht möglich ist“, so Niko Rotschedl. Einen Ausgleich der kulturellen Veranstaltungen könnte er sich über die neue Multifunktionshalle oder der s.Oliver-Arena vorstellen. Vielleicht finde sich ein neuer Standort mit vergleichbarer Anbindung und sogar besseren baulichen Voraussetzungen.

Nach wie vor ist vorgesehen, im nächsten Jahr mit den Abbrucharbeiten zu beginnen, die etwa ein Jahr in Anspruch nehmen werden. Das Posthochhaus ist der einzige Teil auf dem alten Posthallen-Areal, der bestehen bleibt – freilich mit einer grundlegenden Sanierung verbunden. Geplant sind auch zwei Hotels und ein Lebensmittelmarkt für die Nahversorgung, der derzeit noch in der äußeren Pleich fehlt. Dazu kommen natürlich zahlreiche Wohnungen und eine Tiefgarage mit voraussichtlich 1500 Stellplätzen.

Der große Vorteil: Das gesamte Gelände wird autofrei und auf Straßenniveau gebracht. Der erste Teil des Harfentunnels, ohnehin ein Angstraum, fällt weg und breite Lücken in der Bebauung machen das Areal durchlässig und erlauben einen bisher nicht möglichen Blick auf die Weinberge.

 

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