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UPLandesgartenschau ist auch eine Zeitreise

Blüten und Bagger

Blüten und Bagger Uta Böttcher

Noch beherrschen eher Bagger als Blüten das Bild, aber der Countdown für den Beginn der Landesgartenschau am 12. April 2018 läuft. Passenderweise nennt sich der Empfangsbereich „Check-in“, denn die Landesgartenschau hat ein bisschen mit Fliegerei zu tun, mit der Geschichte des Areals und mit jeder Menge Ideen. UP Magazin begab sich auf einen Rundgang.

von Rainer Adelmann

Die Landesgartenschau 2018 in Würzburg ist auch ein bisschen eine Zeitreise“, so Carmen van Musscher im Gespräch mit dem UP Magazin. Sie ist bei der Landesgartenschau GmbH verantwortlich für die Bereiche Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. Für unsere Leserinnen und Leser begaben wir uns auf einen Rundgang durch das 28 Hektar große Gelände und wollten wissen, was ist schon fertig und vor allem: Was erwartet die Besucher im nächsten Jahr?

Eine Zeitreise wird die Landesgartenschau deshalb, weil sie auf geschichtsträchtigem Gelände stattfindet. Der Name Galgenberg zeugt davon, dass es nicht immer harmlos auf dem Berg zuging, der der Festung gegenüber liegt. Später wurde es innovativ: Flugpioniere hoben von hier ab und Zeppeline landeten und wurden von den Würzburgern bestaunt. Die bekannte deutsche Fliegerin Elly Beinhorn, eine der ersten Pilotinnen überhaupt, machte ihren Kunstflugschein im Frühjahr 1929 in Würzburg.

Hier sieht das Gelände schon jetzt aus, wie man sich eine Landesgartenschau vorstellt: Der „Victory Park“ wurde von den Amerikanern angelegt und diente den Soldaten und Familien in den Leighton Barracks als grüne Oase. Als „Alter Park“ wird er Teil der Landesgartenschau 2018 und lädt mit seinen Schatten spendenden Bäumen zum Verweilen ein. | Foto: Uta BöttcherHier sieht das Gelände schon jetzt aus, wie man sich eine Landesgartenschau vorstellt: Der „Victory Park“ wurde von den Amerikanern angelegt und diente den Soldaten und Familien in den Leighton Barracks als grüne Oase. Als „Alter Park“ wird er Teil der Landesgartenschau 2018 und lädt mit seinen Schatten spendenden Bäumen zum Verweilen ein. | Foto: Uta BöttcherAus dem ehemaligen Fliegerhorst wurden nach dem zweiten Weltkrieg die Leighton Barracks der US-Army. Vielen Würzburgern sind noch die jährlichen Tage der offenen Tür in Erinnerung, mit dem Freundschafts-Volksfest und dem legendären Eis, das paketweise aus dem Kasernengelände mitgenommen wurde – sofern es nicht schon vorher weggeschleckt war.

Mit dem Abzug der US-Einheiten eröffneten sich neue Möglichkeiten: Wohnbebauung und universitäre Nutzung sind nur ein Teil davon. Ein komplett neuer Stadtteil wächst auf der Hochfläche heran und die Landesgartenschau wird – wie die von 1990 auch – bleibende Grünflächen hinterlassen und den grünen Kern des neuen Stadtteils bilden.

Drei Eingänge werden auf das Landesgartenschaugelände führen: Der kleinste liegt an der Rottendorfer Straße, das so genannte „Rottendorfer Tor“. Der „Eingang Wissensgärten“ wurde an der Magdalene-
Schoch-Straße angelegt und ist hauptsächlich für den Öffentlichen Nahverkehr gedacht. Der „Eingang Belvedere“ schließlich befindet sich im Osten des Geländes, mit Parkplätzen für die Besucher. Der Eingangsbereich „Check-in“ empfängt die Gäste und er trägt diesen Namen zu Recht. Denn hier begann die Landebahn des Flugplatzes und der erste Abschnitt des Rundgangs führt genau an dieser Landebahn entlang, den „Wiesenpark“ benannten Teil des Areals.

Der Haupteingangsbereich "Belvedere" mit Aussichtsplattform. | Foto: Uta BöttcherDer Haupteingangsbereich "Belvedere" mit Aussichtsplattform. | Foto: Uta BöttcherIm Eingangsbereich werden Sitzgelegenheiten inmitten von Pflanzen zum Relaxen einladen und so die Wartezeit verkürzen, wenn man sich mit Freunden für einen Besuch der Gartenschau verabredet hat. Hier befinden sich auch Gärtnermarkt und Rosenbouquets. Wie auf einem Catwalk kann man auf den ersten Metern zwischen den farblich gestalteten Blumenbeeten hindurchschreiten. Einige der Beete sind bereits fertig und geben schon jetzt einen Vorgeschmack auf die Blütenpracht im nächsten Jahr. Ein Markt, Boutique und Parfümerie gehören zum Check-In Bereich dazu – wie auf einem Flughafen eben.
Info-Stelen entlang des Rundwegs berichten von historischen Ereignissen und werfen zudem einen visionären Ausblick auf die künftigen Nutzungen des Geländes.

Unter „Zeitzeugen“ werden vorhandene historische Gebäude erklärt und mit in die Landesgartenschau einbezogen. Ein Zeitzeuge steht beispielsweise am Beginn des Rundgangs: Das Kartoffeldenkmal aus dem Jahr 1737, das zu Ehren von Professor Philipp Adam Ulrich errichtet worden war. Der Professor hatte sich seinerzeit um den Kartoffelanbau in Franken verdient gemacht und so viele Menschen vor dem Hungertod gerettet.

Am Ende des Empfangsbereiches, auf dem Quartiersplatz am Elferweg, parkt ein altes Flugzeug und dürfte bei den Kindern für große Augen sorgen. Das Flugzeug ist nur eine von vielen Spielmöglichkeiten, die dafür sorgen, dass der Rundgang für Eltern stressfrei bleibt und für alle Beteiligten zum reinen Vergnügen wird. „Während bei den anderen Gartenschauen die obligatorische Blumenschau meist in einem Zelt stattfindet, ist sie bei uns in einem Gebäude“, so Carmen van Musscher. Gemeint ist die ehemalige Sporthalle der US-Streitkräfte, die ausreichend Platz bietet, um bunte Blütenkreationen zu präsentieren.

Direkt daneben stellen sich im so genannten LAB 13 Fachhochschule und Uni mit aktuellen Projekten vor. Ebenfalls vertreten ist das Zentrum für Digitale Innovation (ZDI) das sich im ehemaligen Tower, dem Cube und dem Incubator in erster Linie dem Design Thinking verschrieben hat. Hinter dem Tower öffnen sich die Grünflächen der Terrassengärten mit den Spielwelten für die Kinder. Im American Diner kann man seine Energie aufladen und essen gehen. Derzeit ist der Tower teilweise abgerissen und die Arbeiten sind in vollem Gang. Später soll im Tower auch eine Dependance der Stadtbücherei ihre Heimat finden

Teil der Terrassengärten sind die „Zukunftsgärten“. „Sie sind die klassischen Mustergärten der Garten- und Landschaftsbauer. Bei uns sind sie zukunftsorientiert“, erläutert Magdalena Müller, die im Team der Würzburger Landesgartenschau für die gärtnerischen Ausstellungen zuständig ist. Hier gibt es unter anderem einen „Zeitgerechten Garten“, einen  „Entschleunigten Garten“ und einen „Zeitlosen Garten“ zu bewundern.

Das Kopfgebäuder der Mall der Leighton Barracks wird zur Landesgartenschau zum „Food Court“, in dem sich die Besucher stärken können. Im Inneren sind derzeit noch die alten Speisenausgaben mit ihren Tresen zu erkennen. | Foto: Rainer AdelmannDas Kopfgebäuder der Mall der Leighton Barracks wird zur Landesgartenschau zum „Food Court“, in dem sich die Besucher stärken können. Im Inneren sind derzeit noch die alten Speisenausgaben mit ihren Tresen zu erkennen. | Foto: Rainer AdelmannAußergewöhnlich ist die Tiny House Bewegung, die aus USA kommt. Dabei handelt es sich um kleine Häuser in Modulbauweise: Braucht man noch ein Zimmer mehr – womöglich steht Nachwuchs ins Haus – wird einfach ein Zimmer angehängt. Tiny Houses ähneln beispielsweise einer Zieharmonika, deren Segmente sich erweitern lassen.
Im „Zeitsparenden Garten“ verbindet sich Technik mit Grün: Wer keine Lust auf oder keinen Sinn für Gartenarbeit hat, lässt sich von Mähroboter und zeitgesteuerter Bewässerung unterstützen. „Vielleicht kriegen wir es sogar hin, dass ein Roboter am Eingang die Leute begrüßt“, hofft Magdalena Müller. Noch ist der elektronische Helfer aber nur ein Wunschtraum.
„Für sieben Gärten haben wir ein Thema“, so Magdalena Müller weiter, „und immer das passende Haus dazu. Teilweise sind regionale Firmen für die Gärten verantwortlich, manche kommen auch von etwas weiter weg und haben ihren Garten gestaltet. „Die Ideengärten sind ein Kernbereich der Landesgartenschau 2018.“ Ein Garten wird jeweils zwischen 160 und 375 Quadratmeter umfassen.

In diesem Teil des Geländes der Landesgartenschau sind auch die große Bühne und die Rasentribüne eingebunden, wo die meisten der zahlreichen Veranstaltungen stattfinden werden. Denn wie schon bei der ersten Würzburger Landesgartenschau im Jahr 1990 werden auch im nächsten Jahr jede Menge Veranstaltungen aufs Gelände locken.

Ein Park, der schon länger existiert, wird ebenfalls mit eingebunden: Was auf der Landesgartenschau unter dem Titel „Generationenpark“ firmiert, wurde bereits von der US-Army angelegt und diente den Soldaten und deren Familien als Park. Im ehemaligen „Victory Park“ spenden große Bäume Schatten. Ein gepflegter Rasen und Blumenbeete formen eine elegante Parklandschaft, die für die Landesgartenschau mit Spielplatzgeräten für gesundheitsbewusste Senioren ergänzt werden. „Der alte Park hat ganz viel Charme“, schwärmt Magdalena Müller. „Er ist einer der schönsten Aufenthaltsräume.“

Wenige Schritte weiter lockt der „Flying Circus“: mit einem Zirkuszelt, einem großen Spielplatz mit zahlreichen Spielstationen und einem Spielturm. Hier ist ein Dorado für Kinder mit Spiel, Sport und Spaß, wo sich die Kinder mit ihren Eltern so richtig austoben können.

Vom Alten Park und dem „Flying Circus“ ist es nur ein Katzensprung bis zum „Eingang Wissensgärten“, der für jene Gäste gedacht ist, die den öffentlichen Nahverkehr nutzen. An der Magdalene-Schoch-Straße halten die Busse, die aus der Innenstadt kommen. Und in diesem Eingangsbereich wird es kreativ: Auf dem Marktplatz präsentieren Handwerker ihre Künste und natürlich können die Erzeugnisse des Handwerkermarkts auch gekauft werden. Während am „Eingang Belvedere“ Pflanzen und Kleingartengeräte erworben werden können, steht hier das Kunsthandwerk im Vordergrund.

Dieser Bereich wird nicht ohne Grund  „Wissensgärten“ genannt, denn hier gibt es in den Themenbereichen Biodiversität, Ernährung, Gesundheit und mehr allerlei Wissenswertes über unsere Umwelt zu erfahren.

Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten informiert über den fränkischen Weinbau unter anderem in einem „Vinomax“, in das man schneckenförmig ins Innere gehen kann.

Sportlich wird es auf dem Aktivband Eschenallee nächstes Jahr zugehen: mit Volleyball, Basketball und Streetballfeldern. Auf dem Areal des Wiesenparks,  rechts im Bild, sind noch die Baufahrzeuge unterwegs. | Foto: Rainer AdelmannSportlich wird es auf dem Aktivband Eschenallee nächstes Jahr zugehen: mit Volleyball, Basketball und Streetballfeldern. Auf dem Areal des Wiesenparks, rechts im Bild, sind noch die Baufahrzeuge unterwegs. | Foto: Rainer AdelmannIn den „Wissensgärten“ betreiben Stadt und Landkreis einen gemeinsamen Beitrag. Ein weiterer Beitrag in den „Wissensgärten“ sind die „Gemeinschaftsgärten“ vom Ökoreferat der Uni Würzburg, der VHS und den Stadtgärtnern. Es geht um Urban Gardening, also das Gärtnern in der Stadt, um ökologisches Gärtnern und das Begrünen einer Fertiggarage. Sogar ein Haus wird während der Landesgartenschau im Do-it-yourself-Verfahren gebaut. „Jung, lebendig und interkulturell“ urteilt Magadalena Müller über diesen Bereich der Landesgartenschau.

Hier befindet sich auch das Food Court, das Kopfgeäude der ehemaligen Mall der Leighton-Barracks. Das interessante helle Gebäude, das noch die Tresen beherbergt, an denen Frühstück, Hamburger und Co. verkauft wurden, wird nach der Gartenschau leider abgerissen. Hier gibt es während der Landesgartenschau Take Away-Kost, ähnlich wie früher, als es noch die Amerikaner besuchten.

Frisch gestärkt können die Besucher den letzten Teil des Rundgangs angehen: Entlang des ehemaligen Flugfeldes geht es zurück in Richtung Belvedere. Und hier wird es sportlich: Basketball-, Streetball- und Beach-Volleyballfelder säumen auf dem Aktivband Eschenallee den Weg – und wer will, kann hier die Kalorien aus dem Food Court gleich wieder bei sportlicher Betätigung loswerden.

Zurück am Belvedere Eingang endet der Rundgang durch die Landesgartenschau. Aber natürlich sollte man sie nicht verlassen, ohne das Prunkstück besucht zu haben: den Aussichtspunkt Belvedere. Er eröffnet eine großartige Aussicht nicht nur über das gesamte Gartenschaugelände, sondern auch auf die gegenüberliegende Festung Marienberg. Der Aussichtspunkt mit seiner langen Rampe ist schon weitgehend fertiggestellt.

Und wem es nächstes Jahr nach dem Besuch der Landesgartenschau etwas wehmütig werden sollte, kann ja am nächsten Tag wiederkommen: 179 Tage lang wird die zweite Würzburger Gartenschau ihre Pforten öffnen.

 

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