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UPKultur- und Kreativzentrum in der Zellerau

Bürgerbräu zeigt Gesicht

Das Kultur- und Kreativzentrum Bürgerbräu von der Frankfurter Straße aus. Deutlich zu erkennen: die großen halbrunden Bögen, die in die Gewölbekeller gesägt und verglast wurden. Das Kultur- und Kreativzentrum Bürgerbräu von der Frankfurter Straße aus. Deutlich zu erkennen: die großen halbrunden Bögen, die in die Gewölbekeller gesägt und verglast wurden. Rainer Adelmann

Nach einem Leerstand von mehreren Jahren nimmt das Bürgerbräu-Areal wieder ein Gesicht an. Die Idee eines Kultur- und Kreativzentrums hat zahlreiche Unternehmen, Dienstleister und Kaufleute angelockt.

von Rainer Adelmann

Wenige Areale in Würzburg sind so von der Historie geprägt wie das Bürgerbräu-Gelände in der Zellerau. Viele erinnern sich sicherlich noch an die Brauerei, betrieben von der Würzburger Bürgerbräu AG, später übernommen von der Patrizier Bräu Nürnberg.

Als 1989 die Schließung bekanntgegeben wurde, kam es zu einem jahrelangen Stillstand – bis 2012 damit begonnen wurde, das Bürgerbräu-Areal zu einem Kultur- und Kreativzentrum umzubauen. Jetzt, Ende 2016, sind die meisten Planungen in die Realität umgesetzt. Das altehrwürdige Bürgerbräu ist zu neuem Leben erwacht.

Nachdem im Dezember 1989 das letzte Bier auf dem Gelände gebraut wurde, hatte die Stadt Würzburg das komplette Areal für neun Millionen D-Mark aufgekauft. Viele der Gebäude standen dann lange leer, mit wenigen Ausnahmen: Mehrere Jahre war das so genannte „Autonome Kulturzentrum (AKW)“ in der ehemaligen Picherei und Büttnerei des Bürgerbräus beheimatet, 2009 schloss es seine Pforten. Anfang 2012 wurde das Gelände von einer Investorengruppe erworben. UP Magazin sprach mit Manuela Binder von archicult – breunig architekten über die Entwicklung des Geländes.

Bevor das Areal 2011 aufgekauft wurde, habe es eine Vorlaufzeit von über fünf Jahren gegeben. „Es ging darum, zunächst überhaupt ein Konzept für das Gesamtgelände zu finden.“ Einige Nutzungen waren zu diesem Zeitpunkt bereits vorhanden, so die Sporthalle für die Würzburg Baskets und die Sektkellerei.

Zudem wurden zwei  weitere Gebäude genutzt: die Direktoren-Villa mit dem Siebold-Museum und das alte Kantinengebäude, in dem unter anderem das Theater-Ensemble seit über 20 Jahren seine Heimat hat. Beide Gebäude wurden nicht verkauft und blieben in städtischer Hand.

Die große Idee, um dies alles unter einen Hut zu bringen, war ein Kultur- und Kreativzentrum. Der Bebauungsplan musste geändert werden, denn  er war noch auf eine Brauerei festgeschrieben und Ende 2012 konnte mit dem Bauen begonnen werden. Zuerst wurde das Braumeisterhaus fertiggestellt: In dem kleinsten Bau auf dem Bürgerbräu Gelände an der Auffahrt gleich rechts sind inzwischen Büros untergebracht.

Es folgte der Pferdestall, der Ende 2014, pünktlich zum Weihnachtsgeschäft eröffnet wurde. In dem langgezogenen Bau neben der Villa wurden Ladenzeilen eingerichtet und ein Café. Darüber zogen Büros und eine Galerie ein. Das Sudhaus wurde 2015 fertig und konnte die ersten Bewohner empfangen. Die erste Ebene wird Gastronomie beherbergen, darüber liegen drei Ebenen mit Büroeinheiten. Die Maschinenhalle wird von einer Catering-Firma für Veranstaltungen genutzt.

Im Mittelteil des Areals residiert die Sektkellerei Höfer mit einer großen Produktionshalle. Der spannendste und aufwändigste Teil ist der Bereich der alten Flaschenfüllerei, der gerade zum Abschluss gebracht wurde. Es handelt sich um elf Gewölbekeller an der Frankfurter Straße, weitere elf Keller am Hang nutzt die Sektkellerei. Die Keller zur Frankfurter Straße lagen hinter Erdreich und eine große Säge fräste halbrunde Bögen hinein. Drei Keller davon gehören zum Central-Kino mit rund 320 Sitzplätzen in drei Sälen.

An der Hangseite wird ein Hotel mit 56 Betten und einer Tiefgarage Raum finden. Die Hälfte der Zimmer sollen ebenerdig zur Obstbaumwiese schauen. Als Fertigstellungstermin ist 2018 geplant. Vier „Atelier-Würfel“, die noch in den ursprünglichen Planungen zu sehen sind, werden nicht gebaut, stattdessen wird ein Bürokomplex kommen.

Das komplette Ensemble steht unter Denkmalschutz, die Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege sei reibunglos verlaufen. „Wir haben frühzeitig alle ins Boot geholt und schnell gemerkt, dass alle mitgehen“, so Manuela Binder. „Uns war wichtig, dass man schonend mit der Altsubstanz umgeht, wir haben eher zurückgebaut.“

Bisweilen tauchte auch Unerwartetes auf: zum Beispiel der kleine Spiegelsee vor der Direktorenvilla, der komplett zugewachsen war und inzwischen freigelegt wurde. Ergänzt wird noch die Allee in der Auffahrt. Sie war auf eine Seite zusammengestutzt, die andere Seite wird in Kürze neu bepflanzt.


Schon seit vielen Jahren etabliert ist der Bauernmarkt auf dem Bürgerbräu-Gelände, der jeden ersten Samstag im Monat stattfindet. Von 8 Uhr bis 12.30 Uhr bieten heimische Landwirte und Erzeuger Produkte aus der Region an, darunter auch eine große Auswahl in kontrolliert-biologischer Qualität.

 

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