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UPBürgerbotschafterin berichtet über den Bürgerdialog Wasser in Würzburg

Bürgerdialog Wasser

Der Wasser-Hochbehälter Galgenberg der WVV. Der Wasser-Hochbehälter Galgenberg der WVV. WVV

Um ein wichtiges Gut ging es im Bürgerdialog Wasser, an dem Bürgervertreter aus Würzburg, Oldenburg, Cottbus und Mannheim beteiligt waren. Diplom-Geologin Uta Böttcher wurde als einer von vier Bürgerbotschaftern für Würzburg gewählt und berichtet im UP Magazin über den Nationalen Wasserdialog und die Wasserversorgung in Würzburg.

Uta Böttcher ist Diplom-Geologin mit Schwerpunkt Hydrogeologie und wurde im Zuge des „Bürgerdialogs Wasser“ des Bundesumweltministeriums zu einem der vier Bürgerbotschafter aus Würzburg gewählt. Im UP Magazin beschreibt sie im folgenden die Wasserversorgung und warum man keine Angst haben muss, dass uns das Wasser ausgeht. Und sie wirft einen Blick darauf, wie eine reibungslose Wasserversorgung funktioniert, wenn ein Jahr trocken (2018) oder niederschlagsreich (2021) ist.

Der Nationale Wasserdialog
Das Bundesministerium für Umwelt (BMU) und das Umweltbundesamt (UBA) haben zwischen 2018 und 2020 den „Nationalen Wasserdialog“ in Auftrag gegeben. Unter der Leitung von Beratungsfirmen formulierten insgesamt 287 Teilnehmer aus der Praxis, also Wasserwerke, Wasserverbände und Wasserforschung, aus Wirtschaft und Verwaltung sowie von Interessensvertretungen wesentliche Probleme und mögliche Lösungsansätze.

Es ging dabei um die Entwicklung einer resilienten Wasserbewirtschaftung, indem die wassertechnische Infrastruktur an neue Gegebenheiten, wie urbaner Bevölkerungszuwachs und Niederschlagsschwankungen, angepasst wird. Aber auch das Verhalten der Wasser-Gebraucher — denn VERbrauchen können wir das Wasser im Kreislauf des Planeten Erde nicht — wurde thematisiert. Auf dieser Grundlage haben BMU und UBA die „Nationale Wasserstrategie“ entwickelt. Sie benennt die zentralen Herausforderungen und zeigt die möglichen politischen Maßnahmen für die Zukunft des Wassers in Deutschland auf. Mehr hierzu:
www.bmu.de/themen/wasser-abfall-boden/binnengewaesser/nationale-wasserstrategie
Eine Bürgerbeteiligung wurde parallel im „Bürgerdialog Wasser“ umgesetzt. In Workshops wurde von rund 300 am Thema Wasser interessierten Bürgern der „Bürgerratschlag“ formuliert, und von jeweils vier gewählten Bürgervertretern aus den Städten Oldenburg, Cottbus, Mannheim und Würzburg ausformuliert. Der Bürgerratschlag wurde der Bundesministerin am 8.Juli 2021 übergeben.

Hochmodern: das Wasserwerk in der Bahnhofstraße mit der Ultra- und Aktivkohlefiltration. | Foto: WVVHochmodern: das Wasserwerk in der Bahnhofstraße mit der Ultra- und Aktivkohlefiltration. | Foto: WVVDie Säulen unserer Wasserversorgung
Würzburg wird überwiegend aus eigenen Quellen mit Trinkwasser versorgt: Die Quell- und Grundwassergebiete liegen in Würzburg, Zell, Zellingen, Estenfeld, Versbach und der Winterhäuser Quelle.

Gefördert, in drei Wasserwerken aufbereitet und in das Trinkwassernetz eingespeist werden hier jährlich etwa neun Millionen Kubikmeter Wasser. Das fertige Trinkwasser wird von sog. Hochbehältern in die Haushalte verteilt. Die Hochbehälter dienen der Zwischenlagerung und als Puffer für die Schwankungen im Trinkwasserverbrauch.

Das Würzburger Trinkwasser ist von sehr guter Qualität. Das bestätigen die jährlich rund 24.000 chemischen und mikrobiologischen Untersuchungen im eigenen Labor der Trinkwasserversorgung Würzburg GmbH (TWV).

Wasserwerk Bahnhofstraße - Bahnhofsquellen
Mitten in Würzburg, unmittelbar am Bahnhof, befindet sich die erste und älteste Trinkwasserversorgungsanlage der Stadt. Die Bahnhofsquelle wurde bereits mit Errichtung der Stadtmauer 1668 gefasst. Ab 1733 wurde das Trinkwasser über Leitungen, von Balthasar Neumann geplant, in der Stadt verteilt. Noch heute werden bis zu einem Fünftel der Würzburger Bevölkerung über diese Quelle mit Trinkwasser versorgt.

Das Wasser der Bahnhofsquelle kommt das gesamte Jahr über mit nahezu gleichbleibender Temperatur von um die 12,5°C aus der Quelle. Das lässt darauf schließen, dass dieses Wasser aus größeren Tiefen entspringt und somit gut geschützt ist. Es verfügt bereits als Rohwasser über Trinkwasserqualität.

Dennoch wurde - wegen der anhaltenden Baumaßnahmen rund um den Würzburger Hauptbahnhof - das Wasserwerk Bahnhofstraße im Jahr 2015 mit einer hochmodernen neuen Aufbereitungstechnik ausgestattet: mit Ultrafiltration über Membranen, die sogar Bakterien und Viren sicher zurückhält, Aktivkohlefiltern und UV-Desinfektion, die ohne die Zugabe von Chemikalien wie Chlor ggf. noch vorhandene Mikroorganismen deaktiviert.

Mit der neuen Trinkwasseraufbereitungsanlage für die Bahnhofsquellen, dem Wasserwerk in der Bahnhofstraße, wird sichergestellt, dass auch in Zukunft Trinkwasser in hoher Qualität bereitsteht.

Wasserwerk Zell a. Main - Zeller Stollen
Mehr als die Hälfte des Trinkwasserbedarfs liefern die drei Zeller Quellstollen, die zwischen 1900 und 1912 in den Berg hineingetrieben worden sind: Schulhaus-, Zellerberg- und Norbertusheim-Stollen. Der Norbertusheim-Stollen ist eine

natürliche Karst-Schachthöhle, die in einem künstlichen Stollen endet. Aus einer verkarsteten Verwerfung im Gestein tritt hier eine stark schüttende Quelle aus.

Das Quellwasser weist in der Regel bereits Trinkwasserqualität auf. Es fließt von den Stollen zum Wasserwerk Zell, wo es über eine Aktivkohlefiltration aufbereitet wird, damit ggf. doch einmal vorhandene bakteriologische und organische Verunreinigungen zurückgehalten werden.

Über den Quellstollen, südlich der Hettstadter Steige, befindet sich ein ausgedehntes Wasserschutzgebiet, das auf einem schönen Themen-Wanderweg erkundet werden kann. Hier findet man den Link zum Folder  „Ökologisches Wasserschutzgebiet Zell“: www.wvv.de/trinkwasser/wuerzburg.html

Dort sickert das Niederschlagswasser von der Erdoberfläche durch Boden und Muschelkalkschichten und sammelt sich in den Klüften und Hohlräumen des Kalkgesteins als Grundwasser. Die Fließzeiten des Wassers von der Oberfläche bis zu den Stollen beträgt Tage, an manchen Stellen wenige Stunden. Die über diese Stollen gewinnbare Wassermenge geht nach trockenen Jahren zurück, denn die Quellschüttung reagiert relativ schnell auf fehlende Niederschläge.
Weitere fünf Tiefbrunnen befinden sich in Zellingen, deren gefördertes Wasser wird ebenfalls zum Wasserwerk in Zell befördert.

WVV Schulhausstollen ausFolder CYMK 2021 8WVV Schulhausstollen ausFolder CYMK 2021 8Der geologische Schnitt auf Höhe des Schulhausstollens (siehe Grafik) zeigt unmittelbar, warum das Würzburger Trinkwasser besonders „hart“ ist, denn bevor unser Grundwasser zu Trinkwasser verarbeitet wird, fließt es durch mächtige Muschelkalkschichten. Der hohe Kalkgehalt entsteht also geogen und ganz natürlich durch die hier herrschenden Untergrundverhältnisse.

Ob Wasser „hart“ oder „weich“ ist, hängt davon ab, wie hoch der Anteil der Härtebildner ist. Diese Härtebildner sind nichts anderes, als die lebenswichtigen Mineralien Calcium und Magnesium. Diese Stoffe sind gesund, besonders für Knochen, Haare und Zähne. Einziger Nachteil: „Hartes“ Wasser verursacht lästige Kalkablagerungen.

Die Wasserhärte wird in drei Härtegrade eingeteilt: weich, mittel und hart. Hartes Wasser mit dem Härtebereich 3 enthält mehr als 2,5 Millimol Calciumcarbonat je Liter, was mehr als 14° deutsche Härte (dH) entspricht. Das Würzburger Trinkwasser ist unter diesen Gesichtspunkten besonders „hart“: Beispielhafte Messungen aus dem Jahr 2021 weisen im Wasser des Hochbehälters Zellingen 4,5 mmol/L (25 °dH), des Hochbehälters Galgenberg 7,1 mmol/ (39,8 °dH), des Hochbehälters Grombühl 7,7 mmol/L (43,1° dH) und des Hochbehälters Versbach 5,5 mmol/L (31° dH) auf.

Wasserwerk Mergentheimer Straße
Das Wasserwerk in der Mergentheimer Straße ist für die Aufbereitung von Oberflächenwasser und Grundwasser ausgelegt. Durch die Nutzung von aufbereitetem Mainwasser und Uferfiltrat kann die Wasserversorgung, wenn notwendig, weitgehend unabhängig vom zur Verfügung stehenden Grundwasser sichergestellt werden.

Das Wasserwerk wurde 1894 in Betrieb genommen und erhielt zuletzt in den Jahren 2003 bis 2005 völlig neue Aufbereitungs- und Förderanlagen.

Parallel zum Main unter der Wiese angelegte Horizontalfilterbrunnen und Sammelleitungen ermöglichen die Förderung von drei verschiedenen Wasserqualitäten: Grundwasser, durch künstlich infiltriertes Mainwasser angereichertem Grundwasser und - in der Nähe zum Mainufer - Uferfiltrat.
Es werden zwei unabhängig arbeitende Wasseraufbereitungsanlagen betrieben:
1. Das Mainwasser wird mit einer Förderanlage entnommen und zum Wasserwerk gepumpt. Dort und in einem anschließenden Filterbecken wird das ehemalige Mainwasser aufbereitet, bevor es in den Boden infiltriert wird. Das Wasser hat nach diesen Reinigungsstufen schon beinahe Trinkwasserqualität. Es durchläuft dann eine Bodenpassage. Bis das ursprünglich infiltrierte Wasser als angereichertes Grundwasser im Trinkwasserwerk ankommt, können bis zu zwei Wochen vergehen.

2. Über die Sammelleitung wird eine Mischung aus Grundwasser, angereichertem Grundwasser und Uferfiltrat entnommen. Auch das Wasser der Winterhäuser Quelle wird hier mit eingespeist. Dieses Rohwasser wird anschließend im Trinkwasserwerk mehrfach gefiltert und gereinigt, bevor es gespeichert wird.

Durch das große Speichervolumen im Untergrund dieses Trinkwasserschutzgebietes lassen sich kurzzeitig relativ hohe Wassermengen fördern. Deshalb kann dieses Wasserwerk unabhängig vom schwankenden Grundwasserangebot betrieben werden. Auch heiße Sommer und Bedarfsspitzen können ausgeglichen werden. So war die Mainwasseraufbereitung fast das gesamte Jahr 2019 in Betrieb, um den Trinkwasserbedarf decken zu können.

 

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