UP Magazin

UPCrowdfunding für neue Antikörpertherapie

Deine Waffe gegen Krebs

HemiBodies nennen sich Antikörperfragmente, die das Immunsystem eines Patienten so aktivieren sollen, dass es Krebszellen zerstört. HemiBodies nennen sich Antikörperfragmente, die das Immunsystem eines Patienten so aktivieren sollen, dass es Krebszellen zerstört. icue-medien.de

Eine Spende für das erste Crowdfunding-Projekt des Vereins „Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.“ ähnelt einer Spende in die eigene Gesundheit: nämlich in die Forschung zur Antikörper-Therapie des Universitätsklinikums Würzburg. Die Sparkasse Mainfranken hat dafür eigens auf ihrer neuen Spendenplattform „www.gut-fuer-mainfranken.de“ eine Rubrik eingerichtet.

von Rainer Adelmann

Der Körper soll es selber richten: Das ist die Basis der neuen, aussichtsreichen Krebstherapie, an der derzeit Mediziner am Uniklinikum in Würzburg forschen und arbeiten. Ziel ist es, den körpereigenen Immunzellen beizubringen, welche Zelle entartet und bösartig ist und welche nicht. So außergewöhnlich dieser Ansatz ist, so außergewöhnlich ist das Instrument zur Finanzierung der Forschungen: Per Crowdfunding – also dank vieler kleiner Spenden und Investoren – sollen eine Million Euro zusammenkommen. Die Sparkasse Mainfranken hat dafür eigens auf ihrer neuen Spendenplattform „www.gut-fuer-mainfranken.de“ ein Formular eingerichtet, mit dem sich unkompliziert spenden lässt.

Krebs zählt zu den führenden Todesursachen der Welt, jeder zweite Bewohner der westlichen Welt erkrankt statistisch gesehen an Krebs. „Wir brauchen dringend neue Medikamente, die hohe Effizienz mit akzeptablen Nebenwirkungen vereinen“, so Prof. Hermann Einsele, Direktor der medizinischen Klinik und Poliklinik II des Uniklinikums Würzburg.

Denn: „Viele der verfügbaren Wirkstoffe treffen zwar die Krebszellen sehr hart, können aber leider nicht zwischen Tumorzellen und dem umliegenden, gesunden Gewebe unterscheiden“. Das heißt, die Nebenwirkungen können fatal sein und womöglich sogar lebensbedrohlich werden. In diesem Fall, so Prof. Einsele, müsse die Therapie gestoppt werden – und die Krebszellen können weiter wachsen.

Dr. Thomas Bumm (links) und das von ihm geleitete Forscherteam des Uniklinikums Würzburg, das sich mit der neuen Antikörper-Therapie beschäftigt. | Fotos: Universitätsklinikum WürzburgDr. Thomas Bumm (links) und das von ihm geleitete Forscherteam des Uniklinikums Würzburg, das sich mit der neuen Antikörper-Therapie beschäftigt. | Fotos: Universitätsklinikum WürzburgDaher arbeiten die Onkologen des Uniklinikums Würzburg seit 2010 an einer neuen Antikörpertherapie. Sie soll den Krebs so präzise attackieren, dass dabei kein gesundes Gewebe geschädigt wird. Leiter der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe ist Dr. Thomas Bumm, wesentlich an der Entwicklung des neuen Verfahrens beteiligt ist zudem Privatdozent Dr. Gernot Stuhler, der frühere Leiter des Bereichs Stammzellentherapie für Erwachsene am Würzburger Uniklinikum.

Die neue Therapie nutzt die körpereigenen, gesunden Immunzellen zur Tumorbekämpfung und kommt daher ohne Chemotherapie aus. Schlüssel sind im Labor hergestellte Antikörperfragmente, die von der Arbeitsgruppe „HemiBodies“ genannt werden. „Diese maßgeschneiderten Eiweißmoleküle aktivieren das Immunsystem des Patienten so, dass es den Tumor zielgerecht zerstört“, so Dr. Thomas Bumm. Ein großer Vorteil: Die HemiBody-Technologie kann laut Dr. Bumm auf jede Tumorerkrankung zugeschnitten werden.

Die HemiBodies produziert die Arbeitsgruppe selbst. „Die technischen Anforderungen hierfür sind enorm“, so Dr. Bumm. „Keine andere Arbeitsgruppe weltweit hat diese Art von Antikörperfragmenten jemals hergestellt oder getestet“, ergänzt Prof. Einsele. Ziel sei es, die vielversprechende Immuntherapie in Würzburg weiterzuentwickeln und in vier bis fünf Jahren in die klinische Anwendung zu bringen.

Aktuell befindet sich die HemiBody-Technik in der prä-klinischen Entwicklung. Im Labor werden die neuen Antikörperfragmente noch bis 2017/2018 an Krebszellen angewandt. Für Ende 2018 sind dann erste Studien geplant und die HemiBodies werden an Patienten auf ihre Wirksamkeit getestet.

Für die langwierige Entwicklungsarbeit vom Forschungslabor bis in die Klinik benötigt man viel und sehr gut ausgebildetes Personal – und natürlich hochtechnologische Geräte. Die Crowdfunding-Initiative sieht Prof. Einsele als Chance, die wissenschaftliche Arbeit noch schneller voranzubringen.

Laut Prof. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät, gibt es im Gegensatz zu der mit öffentlichen Mitteln gut geförderten Grundlagenforschung bei den so genannten translationalen Forschungsförderungen noch großen Nachholbedarf. „Die Grundausstattung der Universitäten und Medizinischen Fakultäten wird immer knapper, so dass auch für extern geförderte Projekte zunehmend Engpässe in der Co-Finanzierung aus Haushaltsmitteln bestehen“, so Prof. Frosch.

Bei der Präsentation der Werbebuttons der Crowdfunding-Aktion (von links): Stefan Hebig (Sparkasse Mainfranken Würzburg), Dr. Thomas Bumm, Kaufmännische Direktorin Anja Simon, Prof. Georg Ertl (alle drei Uniklinikum Würzburg), Gabriele Nelkenstock (Hilfe im Kampf gegen Krebs e. V.), Barbara Stamm (Schirmherrin und Bayerische Landtagspräsidentin) und Prof. Hermann Einsele (Uniklinikum Würzburg). | Fotos: Universitätsklinikum WürzburgBei der Präsentation der Werbebuttons der Crowdfunding-Aktion (von links): Stefan Hebig (Sparkasse Mainfranken Würzburg), Dr. Thomas Bumm, Kaufmännische Direktorin Anja Simon, Prof. Georg Ertl (alle drei Uniklinikum Würzburg), Gabriele Nelkenstock (Hilfe im Kampf gegen Krebs e. V.), Barbara Stamm (Schirmherrin und Bayerische Landtagspräsidentin) und Prof. Hermann Einsele (Uniklinikum Würzburg). | Fotos: Universitätsklinikum WürzburgDer Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.“ hat das Crowdfunding-Projekt ins Leben gerufen und dabei eine Million Euro als Marke zur Anschubfinanzierung gesetzt. Für die Vorsitzende des Vereins, Gabriele Nelkenstock, ist dies „eine zeitgemäße Form der Spendenakquise und für viele Menschen und Unternehmen eine moderne Form, sich mit einem Thema zu identifizieren und Teil der Lösung einer großen gesellschaftlichen Aufgabe zu werden.“

Die Sparkasse Mainfranken stellt dem Projekt „Dein Immunsystem wird deine eigene Waffe gegen Krebs“ ihre neue, regionale Online-Spendenplattform  zur Verfügung. Unter „www.gut-fuer-mainfranken.de“ kann man schnell und per weniger Mausklicks die Forschung zur Antikörpertherapie finanziell unterstützen. Die Unterstützer können dabei sowohl anonym bleiben als auch mit ihrem Namen in der Unterstützerliste erscheinen. Zur Drucklegung dieser Ausgabe des UP Magazins näherte man sich der 500.000-Euro-Marke.

Die Plattform ist laut Stefan Hebig, Leiter der Abteilung Kommunikation der Sparkasse Mainfranken, ein Pilotprojekt, das auch für kleinere Projekte aus der Region gedacht ist. Vereine können dort beispielsweise unkompliziert eigene Crowdfunding-Projekte auf den Weg bringen. Ein großer Vorteil der Plattform: Man kann jederzeit den Fortschritt eines Projekts nachverfolgen.

Der Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.“ hat eigens für „Dein Immunsystem wird deine Waffe gegen Krebs“ eine neue Website eingerichtet. Unter www.helpingisbeautiful.de kann man noch mehr über den neuen Therapieansatz und die Forschung nachlesen.

Mehr Informationen:  www.helpingisbeautiful.de
Für Ihre Spenden: www.gut-fuer-mainfranken.de

 

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