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UPUP Magazin besucht die Baustelle Mainfranken Theater

Der lange Weg zum neuen Theater

Der lange Weg zum neuen Theater Uta Böttcher

Der Eröffnungstermin für das neue Mainfranken Theater hat sich zwar auf 2024 verschoben — aber es gibt Licht am Ende des Tunnels: Ende dieses Jahres soll der neue Kopfbau mit Stadtbalkon und Kleinem Haus in Betrieb gehen. Ein Bericht von zwei grundverschiedenen Baustellen.

Derzeit bietet die Baustelle Mainfranken Theater zwei Bilder: Während im Kopfbau zum Kardinal-Faulhaber-Platz das neue Theater bereits Konturen annimmt, sieht es im entkernten Bestandsgebäude aus, als hätte — mit Verlaub gesagt — die Bombe eingeschlagen. Der Geschäftsführende Direktor des Mainfranken Theaters, Dirk Terwey, nahm sich die Zeit für einen Baustellenrundgang mit dem UP Magazin.

Der imposante Stadtbalkon prägt das Bild des neuen Mainfranken Theaters in Richtung Innenstadt. Programm ist die große gläserne Front: Das Haus soll transparent sein und sich zum Platz hin öffnen. Ein Café im Foyer und auf dem Vorplatz wird zum Besuchen und Verweilen einladen. | Fotos: Uta BöttcherDer imposante Stadtbalkon prägt das Bild des neuen Mainfranken Theaters in Richtung Innenstadt. Programm ist die große gläserne Front: Das Haus soll transparent sein und sich zum Platz hin öffnen. Ein Café im Foyer und auf dem Vorplatz wird zum Besuchen und Verweilen einladen. | Fotos: Uta BöttcherDer Stadtbalkon prägt die Fassade des neuen Mainfranken Theaters in Richtung Innenstadt. Auch die riesige gläserne Front des neuen Gebäudes ist für jeden Passanten bereits im Vorübergehen ersichtlich. Die Öffnung zur Stadt ist Programm: „Wir möchten Transparenz schaffen und wir wollen, dass die Menschen auch tagsüber bereits herein kommen, hier einen Café trinken und einfach mal schauen, was im Theater los ist“, beschreibt Dirk Terwey das neue Mainfranken Theater

Deswegen wird ein Pächter unabhängig von den Öffnungszeiten des Theaters die Gastronomie im Foyer und auf dem Vorplatz betreiben. „Unser Theater soll auch die gute Stube sein, in der sich die Menschen gerne treffen. Das gastronomische Angebot wird daher auch während der Spielpause im Sommer bleiben.“

Beim Eintreten in das Foyer sticht sofort die geschwungene Wendeltreppe hervor, die sich harmonisch an die ebenfalls geschwungene Deckenkonstruktion anschmiegt. Die Akustikdecke in Wellenform sieht nicht nur besonders aus – sie ist auch etwas Besonderes: „Die Decke ist ein Unikat“, so Christian Rügemer, dessen Firma die Trockenbauarbeiten ausführt, im Gespräch mit dem UP Magazin. Die Profile für die Unterkonstruktion kommen vorgebogen, anschließend wird die Gipsverkleidung aufgesetzt. Wenn die Gipsplatten angefeuchtet werden, sind sie biegsam. Die Lochstruktur der Platten bricht den Schall, um die Raumakustik im Foyer für die Besucher angenehm zu machen. Damit die Löcher nicht sichtbar sind, wird am Ende ein Flies aufgezogen. Dieses Flies darf nicht überstrichen werden, um den Effekt der Akustikplatten nicht zu zerstören.

Bei unserem Besuch fehlen zwar noch Stufen und Geländer für die Wendeltreppe, aber das Gesamtbild des neuen Entrees inklusive der geschwungenen Decke ist bereits deutlich erkennbar. Besonders spektakulär ist aber natürlich der Stadtbalkon, auf dem sich bei einem Glas Sekt in der Theaterpause der Blick über die Stadt genießen lässt.

Das große Kleine Haus
Weit fortgeschritten präsentiert sich das so genannte Kleine Haus, das nach der Eröffnung Ende dieses Jahres zu einem der Hauptspielorte des Mainfranken Theaters avanciert. Auf den Sitzreihen ist das Parkett fast fertig verlegt, Holz und Feinbeton prägen das Aussehen, die Bühne schließt direkt an die Sitztribüne an. Die Besucher erwartet hier Theater hautnah.

Das Kleine Haus zeigt bereits sein Gesicht. 330 Besucher werden hier Platz finden. Die Bühne reicht bis direkt an das Holzparkett der Stuhlreihen: Theater hautnah.Das Kleine Haus zeigt bereits sein Gesicht. 330 Besucher werden hier Platz finden. Die Bühne reicht bis direkt an das Holzparkett der Stuhlreihen: Theater hautnah.Und dabei ist das Kleine Haus so klein nicht: Es fasst 330 Zuschauer und ist damit eigentlich ein großer Saal. „Das Kleine Haus wird später den Schwerpunkt Schauspiel besitzen“, erläutert Dirk Terwey. „Die früheren Kammerspiele wären mit 100 Plätzen für zeitgenössische Stücke zu klein gewesen. So können wir neuen Formaten bald einen adäquaten Rahmen bieten. Dies gibt uns nun die Chance, vieles zu machen, was früher in Würzburg in dieser Form nicht möglich gewesen wäre. Das Kleine Haus hat – auch unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit – ein absolut zeitgemäßes Format.“

In der Übergangszeit, wenn das neue Kopfgebäude eröffnet, aber das alte Haus noch saniert wird, ist das Kleine Haus eine der tragenden Säulen des Spielplans. Die Theaterfabrik Blaue Halle in Dürrbachau (500 Plätze unter regulären Spielbedingungen, entsprechend der aktuellen Corona-Regelungen ist die Platzkapazität bislang noch auf 129 Sitze begrenzt), das Kleine Haus sowie eine der beiden Probebühnen im Kopfbau (120 bis 130 Plätze) werden die drei Spielstätten sein bis das Mainfranken Theater wiedereröffnet wird. Zur Erinnerung: Sanierung und Neubau werden, wie in einer früheren Ausgabe des UP Magazins bereits berichtet, in zwei Stufen erfolgen: Zunächst wird der neue Kopfbau errichtet, der mit Kleinem Haus, Ballettsaal sowie zwei Probebühnen bereits eröffnet wird, während die Bauarbeiten am Bestandsbau noch weiter gehen.

Während sich also das Kleine Haus, der wunderbare neue Ballettsaal mit seiner großen Glasfassade zur Stadt und die beiden Probebühnen im Kellergeschoss des Kopfbaus langsam der Fertigstellung nähern, sind die Arbeiten im Bestandsbau noch in einer Art „grober Phase“. Betritt man diese Baustelle, sieht man zwischen Lärm, Dreck und Staub auf die Grundfesten des 1966 als Stadttheater eröffneten Baus.

„Wir haben diesen zweiten Bauabschnitt letzten Sommer gestartet“, informiert Dirk Terwey. „Der statische Abriss ist fast abgeschlossen. Das was stehenbliebt, ist bis auf den Rohbau zurückgebaut.“ Dementsprechend ist nur noch wenig vom alten Theater erkennbar. An mancher Wand sind noch die Beschriftungen lesbar.

Da wo sich früher Toiletten und Garderobe befanden, schaut man jetzt auf die Betonstelzen, die die Zuschauertribüne trugen. Der Zuschauerraum selbst ist komplett ausgefüllt mit einem Gerüst, das die Arbeiten an den Seitenwänden und der Decke ermöglicht.

Die Bühne wird komplett entkernt. Die Bretter, die die Welt bedeuten, präsentieren sich derzeit als ein riesiges schwarzes Loch, an dem sich an den Wänden noch die Zahlen der alten Bühnenzüge ablesen lassen. Während die alte Bühnentechnik bereits entfernt ist, arbeitet man schon am Einsetzen der neuen Stahlbauten.

„Backstage“, wo sich früher Lagerflächen und der Malersaal befanden, ist: gar nichts mehr. Diese Bereiche wurden abgerissen und werden zukünftig aufgestockt. Dann ist hier unter anderem auch Platz für einen Orchesterprobenraum und die Kostümabteilung – alles, was bisher nebenan in der Oeggstraße angemietet war. Im neuen Mainfranken Theater wird endlich alles, was zum Theater gehört, auch unter einem Dach sein.

Im Vorhof zur Hölle
Besonders wüst geht es derzeit noch im Keller des Bestandsgebäudes zu: „Hier sieht man derzeit Bilder der Apokalypse“, kommentiert der Geschäftsführer des Mainfranken Theaters diesen Bereich. „Wenn hier gearbeitet wird, meint man sich im Vorhof zur Hölle.“

 Da fehlt ja eine Säule: Die Betonsäulen in der Tiefgarage müssen teilweise erneuert werden. Da fehlt ja eine Säule: Die Betonsäulen in der Tiefgarage müssen teilweise erneuert werden.Wie die Sanierung hier unten in der Tiefgarage vor sich geht, erläutert Bauleiter Normen Raneberg von Otto Heil, einer der bauausführenden Firmen des Projekts, gegenüber dem UP Magazin. Zunächst müssen diejenigen Stützen, die erneuert werden, abgesichert werden: „Dies geschieht mit Hilfe von Stahlkonstruktionen und Hydraulikpressen, die das Gewicht abfangen. Erst dann können die alten Betonstützen mit einem Hochdruckwasserstrahl beseitigt werden, teilweise werden sie auch von unseren Arbeitern weggestemmt.“

Normen Raneberg ist auf der Großbaustelle zuständig für den Bauabschnitt zwei, der die Arbeiten am kompletten Bestandsbau umfasst, also den teilweisen Abbruch, die Ertüchtigung des Bestands und den Neuaufbau in Richtung Parkhaus sowie das Aufstocken.

„Im Bürotrakt sind wir großenteils bereits fertig“, so der Bauleiter. Die Skelettbauweise des alten Gebäudes aus Stahlbeton bleibt bei der Sanierung in der Regel erhalten, aber die Ausfachungen werden neu gemauert. Aktuell ist man mit den Arbeiten am Bühnenhaus angelangt. Dort wird deshalb schon bald das Graffiti mit den Faustschen Anleihen verschwinden, das in der Oeggstraße noch zu sehen ist (siehe auch Titelfoto). Auf der Baustelle stieß man immer wieder auf Unvorhergesehenes: So waren es zunächst die Überreste des Alten Bahnhofs an der Seite zum Kardinal-Faulhaber-Platz, von denen man natürlich wusste, die sich als umfangreicher entpuppten als gedacht. Und in der Tiefgarage zeigten sich die Fundamente des alten Stadttheaters weitaus mächtiger, als in den Bestandsunterlagen angegeben. Was die eigentlichen Arbeiten angeht, wäre man zwar im Zeitplan — es kamen aber immer wieder neue Aufgaben dazu, die es abzuarbeiten gilt.

„Die Sanierung des Bestandsbaus ist sicherlich eine der herausforderndsten Aufgabenstellungen für die nächsten Monate“, fasst Dirk Terwey zusammen. „Aber wir machen damit das Haus auch fit für die nächsten Jahrzehnte. Wenn wir endlich alle Funktionalitäten unter einem Dach haben, ergeben sich in Zukunft auch völlig neue Möglichkeiten für den Spielplan.“

Eröffnung voraussichtlich 2024
Ein fixer Termin für die Eröffnung des neuen Mainfranken Theaters ist derzeit noch nicht absehbar. Fest steht: Mit der ursprünglich geplanten Eröffnung im Herbst 2022 wird es nichts werden. Die theaterhungrigen Würzburger Mitbürger werden sich noch bis 2024 gedulden müssen, bis ihnen das komplette Mainfranken Theater wieder zur Verfügung steht.

Derweilen scharren die Künstler und Mitarbeiter des Mainfranken Theaters aber bereits mit den Hufen: „Alle freuen sich natürlich, dass sie im Herbst wenigstens im Neubau wieder ihrer Arbeit nachgehen dürfen. Die Künstler wollen unbedingt loslegen. Sie haben sich die neuen Probebühnen, den Ballettsaal und das Kleine Haus natürlich bereits angesehen – und wollen endlich rein.“

 

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