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UPUP Magazin sprach mit Würzburgs Tourismusdirektor Björn Rudek

Ein Geschäftsjahr in Luft aufgelöst

In den vergangenen Jahren stark angestiegen und während Corona besonders beliebt: der Urlaub mit dem Wohnmobil. Hier der Parkplatz unterhalb der Friedensbrücke. In den vergangenen Jahren stark angestiegen und während Corona besonders beliebt: der Urlaub mit dem Wohnmobil. Hier der Parkplatz unterhalb der Friedensbrücke. Rainer Adelmann

Touristisch gesehen führten die Zahlen in Würzburg in den vergangenen Jahren nur in eine Richtung: nach oben. Der Einbruch durch die Corona-Maßnahmen war enorm und traf die Branche in allen Bereichen schwer. Ein Gespräch mit Würzburgs Tourismusdirektor Björn Rudek.

Die vergangenen Jahre waren eine Erfolgs-story für den Tourismus in Würzburg. Jedes Jahr brachte eine Steigerung, bis Corona dem ein Ende setzte. UP Magazin sprach mit Björn Rudek, Tourismus-Chef der Stadt Würzburg, über die Entwicklung in den letzten Monaten und den Ausblick auf das künftige Tourismus-Geschäft.

„Tatsächlich haben wir 2019 auf eine Dekade touristischen Erfolgs zurückgeblickt“, so der Tourismusdirektor der Stadt. „Jedes Jahr gab es eine Steigerung der Zahlen, wobei wir als amtliche Statistik die Übernachtungszahlen heranziehen. Und zum damaligen Jahreswechsel zeichnete sich bereits ab, dass auch 2020 ein weiteres Erfolgsjahr werden kann, weil die Vorausbuchungslage sehr gut war.“

Ein weitere Indikator war, dass bereits im Januar und Februar 2020 mehr Tagesgäste als im gleichen Zeitraum der Vorjahre in Würzburg waren. Nachdem aber die ersten größeren Messen und sogar die Tourismusmesse in Berlin abgesagt wurden, „war uns klar, dass etwas passiert, was wir noch nicht erlebt haben. Wir haben ab Mitte März ein komplettes Jahr rückabgewickelt, umgebucht und verschoben. Gefühlt hatte sich ein komplettes Geschäftsjahr in Luft aufgelöst.“
Doch dabei blieb es bekanntlich nicht. „Das komplette Ausmaß ist final noch gar nicht zu greifen“, so Björn Rudek weiter. Denn was damals auf 2021 umgebucht wurde, wird jetzt sogar auf 2022 oder gar 2023 weitergebucht. Flusskreuzfahrtenveranstalter beispielsweise vergaben Reiseguthaben, die auf 2022 oder 2023 weitergegeben wurden.

Doch noch mehr: „Die gesamte touristische Leistungskette ist zusammengebrochen, viele kleine Rädchen in der Gastmaschinerie sind ebenfalls betroffen. Busveranstalter haben Busse und Mietwagenveranstalter Autos abgemeldet. In der Tourismusbranche und Gastronomie haben rund 130.000 Beschäftigte in Deutschland ihren Job verloren.“

Was alleine in Würzburg an Bruttoumsätzen verlorengegangen ist, kann man anhand der Zahlen für 2019 analysieren. Rund sieben Millionen Euro errechnete ein Fachinstitut für 2019 als touristischen Bruttoumsatz. Rechnet man dies wiederum mit einem durchschnittlichen Einkommen auf Personen um, ergeben sich etwa 10.000 Menschen, die in Würzburg ihr Einkommen aus touristischer Aktivität beziehen. Daraus lässt sich leicht erkennen, dass der Tourismus einer der größten Arbeitgeber in Würzburg ist.

Vor allem das Tagungsgeschäft hatte sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. „Und jetzt haben wir genau die Kehrtwende. Das Tagungsgeschäft ruht, weil wir keine Planungssicherheit haben und es durch Verordnungen eine geraume Zeit ohnehin untersagt war.“ Mittlerweile könnten zwar kleinere Seminare stattfinden. Doch die Auflagen haben die Kosten für einen Veranstalter rund versiebenfacht. Ein wirtschaftliches Arbeiten ist so kaum möglich.

Etwas Erholung gab es dieses Jahr durch den Freizeittourismus. Die erste Statistik für den Juni dieses Jahres ergab eine Auslastung in der Hotelerie von etwa 28 Prozent. Was sich wenig anhört, relativiert sich dadurch, dass die Auslastung deutschlandweit im Normalfall etwa 46 Prozent beträgt. Allerdings: In Würzburg liegt sie üblicherweise bei 60 Prozent.

Es kristallisierte sich Anfang dieses Jahres schnell heraus, dass mehr Touristen kommen werden, die Tagesausflüge mit dem Rad oder zu Fuß unternehmen wollen. Viele Gäste kommen auch mit dem Wohnmobil, das in der Corona-Zeit einen Hype erlebt. Und was gar nicht so schlecht für die Stadt ist: „Der Gast, der mit dem Wohnmobil kommt, lässt statistisch gesehen mehr Geld hier als ein Tagesausflügler.“ Bei einem Preis von 12 bis 15 Euro pro Stellplatz verdient die Stadt. Und das gilt ebenso für die Flusskreuzfahrtschiffe, die hier an den Anlegestellen Frischwasser tanken und ihr Abwasser entsorgen können. Seit wenigen Wochen sind die Flusskreuzer wieder unterwegs, nachdem sie eine ganze Zeitlang gar nicht, oder nur bestimmte Abschnitte der Flüsse befahren konnten.

Wie es mit dem lukrativen Tagungsgeschäft in der nächsten Zeit weitergeht, ist noch ungewiss. Immerhin: „Die Wertschätzung einer Tagesveranstaltung ist durch die lange Abstinenz bei den Firmen gestiegen“, weiß Björn Rudek. „Man hat in den Unternehmen gemerkt, was man hat, wenn sich die Teilnehmer persönlich sehen können.“ Gerade im wissenschaftlichen Bereich brauche man die gegenseitige Aussprache. Gut für die Vernetzung sind auch ein ansprechendes  Rahmenprogramm, der gemeinsame Café zwischendurch oder das gemeinsame Abendessen in einer schönen Umgebung. Dabei kann Würzburg ebenso punkten wie mit seiner zentralen Lage.

Und noch einen Vorteil sieht der Tourismusdirektor. Denn, auch wenn man derzeit nicht vorhersehen kann, wie sich die Maßnahmen weiter entwickeln: Das Congress Centrum Würzburg bietet durch den Um- und Neubau die Möglichkeit, dass verschiedene Veranstaltungen bei kompletter örtlicher Trennung und unter Einhaltung der Hygienekonzepte laufen können.

Bemerkenswert ist übrigens, dass Städte um die 100.000 Einwohner offenbar besser über die Runden kamen, als die noch größeren Städte. Während die Auslastung der Hotellerie – wie bereits  geschrieben – im Juni bei uns in Würzburg um die 28 Prozent betrug, verzeichnete Nürnberg beispielsweise nur etwa 17 Prozent. Dies ist offenbar dem Freizeittourismus geschuldet. „Man merkt den Reisedruck, den die Leute verspüren“, so Rudek.

 

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