UP Magazin

UPWürzburgs Eingangstor endlich wieder geöffnet

Freude über den Zeller Bock

Seit 21. April wieder für den Verkehr geöffnet: Die Staatsstraße 2300 zwischen Würzburg und Zell – genannt Zeller Bock. Seit 21. April wieder für den Verkehr geöffnet: Die Staatsstraße 2300 zwischen Würzburg und Zell – genannt Zeller Bock. Rainer Adelmann/Erik Isselée

Seit 2002 einseitig und seit 2010 schließlich komplett gesperrt: Seit 21. April ist der Zeller Bock endlich wieder offen und somit Würzburgs schickes, neues Eingangstor. UP Magazin sprach mit Tiefbau-Chef Jörg Roth über eine nicht gerade einfache Baustelle.

von Rainer Adelmann

Selten hat ein Sprichwort wohl besser gepasst als am Zeller Bock: Was lange währt wird endlich gut. Seit 2002 war der Zeller Bock als Verbindungsstraße zwischen Würzburg und dem Landkreis Main-Spessart erst einseitig und seit 2010 komplett gesperrt. UP Magazin sprach mit dem Tiefbau-Chef Jörg Roth über eine der wichtigsten Baustellen in Würzburg der vergangenen Jahre – deren Verkehrsfreigabe am 21. April erfolgte.

 390 Bohrpfähle mussten gesetzt werden, um den Hang am Zeller Bock stabil abzusichern. | Foto: Stadt Würzburg Fachabteilung Tiefbau 390 Bohrpfähle mussten gesetzt werden, um den Hang am Zeller Bock stabil abzusichern. | Foto: Stadt Würzburg Fachabteilung TiefbauEs war keine einfache Baustelle, weiß leitender Baudirektor Jörg Roth. Ein Teil der Straße zwischen dem Würzburger Stadtteil Zellerau und der Gemeinde Zell liegt im Wasserschutzgebiet der Zeller Quellen, die Route führt zudem durch das unter Denkmalschutz stehende Kloster Oberzell und während der Bauarbeiten musste ein Vergleich mit einem Anwohner gefunden werden, der geklagt hatte. 25 Millionen Euro waren für das Projekt veranschlagt, eine Summe, die sich nach Abrechnung wahrscheinlich noch erhöhen wird.

Als im März 2010 der Zeller Bock wegen mehrerer Mauereinstürze komplett gesperrt werden musste, ging es zunächst darum, Baurecht zu schaffen und die für den Bau notwendigen Fördergelder zu bekommen, erinnert sich Jörg Roth. Eine knifflige Geschichte, denn um Fördergelder zu erhalten, muss eine Straße eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse vorweisen: Im Falle des Zeller Bocks beispielsweise eine Öffnung auch für Lkw – was bei den Zellerauern auf Widerstand stieß. Zudem hätte bei einer Öffnung der Straße für den Schwerverkehr die tägliche Belastung bei rund 22.000 Fahrzeugen gelegen. Dann wiederum hätte der Ausbau gemäß den Förderrichtlinien vierspurig erfolgen müssen. Ein vierspuriger Ausbau war aber weder vorgesehen, noch bei der räumlichen Enge zwischen Berg und Main realistisch machbar.

Vernagelt: Mit schwerem Gerät wurden die Mauern am Zeller Bock tief in den Fels gesichert. | Foto: Stadt Würzburg Fachabteilung TiefbauVernagelt: Mit schwerem Gerät wurden die Mauern am Zeller Bock tief in den Fels gesichert. | Foto: Stadt Würzburg Fachabteilung TiefbauDie Lösung des Dilemmas brachte – indirekt – das Kloster Oberzell: Das Kloster steht unter Denkmalschutz und ein vierspuriger Ausbau der Straße, die mitten durch das denkmalgeschützte Gesamtensemble führt, war somit ausgeschlossen. Ergebnis: Der Ausbau der Straße wurde gefördert, obwohl sie zweispurig bleibt und für Lkw gesperrt ist. Als Verbesserung der Verkehrsverhältnisse zählt auch, dass ein Gehweg mit drei Metern Breite gebaut wurde, der auch für Fahrräder frei ist und dass rund 150 Busse täglich im Öffentlichen Nahverkehr die Straße passieren können. Dank der Förderung übernahm der Freistaat rund 17 Millionen Euro, acht Millionen Euro der Gesamtkosten bleiben bei der Stadt.

2012 konnte schließlich mit dem Neubau des Zeller Bocks begonnen werden: Das Projekt wurde europaweit ausgeschrieben und Firmen aus Fulda und der Region erhielten den Zuschlag. Doch die Schwierigkeiten waren noch nicht gänzlich beseitigt. Ein Anwohner klagte gegen die Planfeststellung und nachdem ein Gericht trotzdem den Baubeginn genehmigte, wurde mit dem Bau zunächst an beiden Enden der rund 1,2 Kilometer langen Strecke begonnen – sowohl an der Zellerauer, als auch an der Zell zugewandten Seite. Für die Baustelle bedeutete dies einen zusätzlichen Aufwand, denn die beiden Einzelbaustellen mussten über zwei Zugänge bedient werden.

In der Klage des Anwohners ging es u. a. um eine Stützmauer, so Jörg Roth, die gleichzeitig Außenmauer eines Wohnhauses war. Ein Jahr nach Baubeginn erfolgte eine außergerichtliche Einigung und die bisherige Mauer wurde letztlich durch eine neue Stützmauer hinterfüttert.

Wegen der Lage am Hang und der Trassenführung durch das Wasserschutzgebiet war freilich von vorneherein klar, dass die Baustelle einen besonderen Aufwand erforderte. Unter der Straße verläuft glücklicherweise eine etwa fünf bis sechs Meter hohe Tonschicht, die bereits einen natürlichen Schutz für den sensiblen Quellbereich darstellt.

Doppelt gesichert: Im Wasserschutzgebiet wurde ein Tunnel aus Beton gegossen – und darin der Kanal für Straßenabwässer gelegt. So können keine Schadstoffe ins Trinkwasser gelangen. | Foto: Stadt Würzburg Fachabteilung TiefbauDoppelt gesichert: Im Wasserschutzgebiet wurde ein Tunnel aus Beton gegossen – und darin der Kanal für Straßenabwässer gelegt. So können keine Schadstoffe ins Trinkwasser gelangen. | Foto: Stadt Würzburg Fachabteilung TiefbauIn jenem Straßenstück, das durch das Schutzgebiet führt, musste dennoch eigens ein Kanal angelegt werden – der noch dazu in einem eigens erstellten Betontunnel verläuft. So soll sichergestellt werden, dass nach einem Unfall belastete Abwässer auf gar keinen Fall in die Quellen gelangen können und der Kanal zudem leicht zugänglich ist. Zusätzlich zu den Abdichtungsschichten gab es viele kleine Maßnahmen, um den Trinkwasserschutz zu verbessern.

Insgesamt wurden 13.000 Kubikmeter Beton verbaut. „Damit könnte man 2 Fußballfelder einen Meter hoch mit Beton ausgießen“, verdeutlicht Roth die enormen Ausmaße der Baustelle. 1600 Tonnen Stahl wurden in die Armierung verbaut und 17.000 Quadratmeter Fläche asphaltierten die Arbeiter, bis die neue Straße endlich fertig war. 390 Bohrpfähle mussten gesetzt werden, um den Hang stabil gegen ein Abrutschen zu sichern – bei einer Gesamtlänge von 3,6 Kilometern. Teilweise mussten die Arbeiter bis zu  14 Metern tief bohren, um endlich auf den Fels zu stoßen, der den Bohrankern sicheren Halt verleiht.

Knifflig wurde es bei einer Mauer des Klosters Oberzell, die unter Denkmalschutz steht: Die alte Friedhofsmauer an der Ecke Zeller Bock zur Hettstadter Steige musste aufwendig erneuert werden. Die Steine wurden herausgenommen, dahinter wurde mit Hilfe von 2300 Injektionen und Ankern in einer Gesamtlänge von 1,5 Kilometern wieder eine stabile und sichere Grundlage geschaffen, bevor die Verkleidung mit Bruchsteinen wieder aufgesetzt wurde.

All der hohe Aufwand hat sich gelohnt: Denn die Staatstraße 2300, wie sie nüchtern heißt, hat nicht nur eine hohe Verkehrsbedeutung, sondern sie ist auch eines der Eingangstore in die Stadt – und dank seiner Lage am abfallenden Hang zum Main eines der schönsten.

 

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