UP Magazin

UPNutzung für Stadt, Musikhochschule und Sing- und Musikschule

Geteiltes Hufeisen

Das Gebäude des ehemaligen Mozart-Gymnasiums von der Hofstraße aus. In die alte Turnhalle rechts wird die Musikhochschule einziehen, in den linken Flügel kommt die Sing- und Musikschule und das Kopfgebäude bleibt in städtischer Nutzung mit der Aula als Veranstaltungsraum. Das Gebäude des ehemaligen Mozart-Gymnasiums von der Hofstraße aus. In die alte Turnhalle rechts wird die Musikhochschule einziehen, in den linken Flügel kommt die Sing- und Musikschule und das Kopfgebäude bleibt in städtischer Nutzung mit der Aula als Veranstaltungsraum. Rainer Adelmann

Es sollte verkauft werden, es sollte neu bebaut werden, es sollte erhalten werden: Lange war das Schicksal des Mozart-Areals ungewiss, nun nehmen die Planungen zu dem Gelände, das seit 2001 nur sporadisch genutzt wurde, konkrete Formen an.

Es kommt Bewegung ins Mozart-Areal: Nachdem 2001 das Mozart-Gymnasium aus dem Gebäudekomplex zwischen Hof- und Maxstraße ausgezogen war, wurden die Räume vereinzelt von Schulen oder kulturellen Vereinigungen genutzt. Bis 2016 war das Programmkino Central in der ehemaligen Aula beheimatet.

Während der ganzen Zeit herrschte allerdings baulich gesehen Stillstand, das Gebäude machte zunehmend einen verwahrlosten Eindruck, obwohl es bereits 1995 in die bayerische Denkmalliste eingetragen worden war. Die Vorstellungen für die Nutzung gingen auseinander: 2007 beschloss der Stadtrat die Entwicklung einer Einkaufsgalerie, die nie umgesetzt wurde. 2012 schrieb die Stadt einen Investorenwettbewerb für das Gelände aus mit den Zielen Einkaufen, Wohnen, Gastronomie und Hotel.

Auch dies wurde nicht Wirklichkeit. Vorübergehend hatte sich die Stadt um das Museum für bayerische Geschichte beworben und 2015 schließlich wurde mit einem Bürgerentscheid ein vorläufiger Schlusspunkt unter die Pläne für das Mozart-Areal gesetzt. Demzufolge sollte das Areal nicht verkauft, sondern die Gebäude für Bildung und Kultur genutzt werden.

Die Gültigkeit des Bürgerentscheids ist längst vorbei, dennoch hat sich die Stadt entschlossen, das Areal zu behalten. In einem ersten Stadtratsbeschluss befasste sich das Gremium kürzlich zunächst mit dem so genannten Hufeisen. Das sind jene drei Gebäudeteile, die von der Hofstraße aus sichtbar und zugänglich sind.

„Wir haben den Stadtratsbeschluss, dass wir für das Hufeisen in die Planung gehen dürfen“, so Stadtplaner Peter Wiegand im Gespräch mit dem UP Magazin. Die Planungen sehen vor, dass das – von der Hofstraße aus – rechte Gebäude, das bisher die Turnhalle beherbergte, künftig von der Musikhochschule genutzt wird. Der mittlere Teil mit der Aula bleibt in der Nutzung der Stadt. Und das linke Gebäude des Hufeisens, früher unter anderem mit Aufenthaltsräumen und Lehrerzimmer, kommt der städtischen Sing- und Musikschule zugute.

Der Grundriss des „Hufeisens“ des ehemaligen Mozart-Gymnasiums. | Skizze: kuntz und brück, architekten ingenieureDer Grundriss des „Hufeisens“ des ehemaligen Mozart-Gymnasiums. | Skizze: kuntz und brück, architekten ingenieureDie alte Turnhalle soll komplett entkernt und per Zwischendecke in zwei Geschosse unterteilt werden. Erschlossen wird dieser Trakt von hinten, so dass die Musikstudenten über den Hof Zugang haben. Das angrenzende ehemalige Gebäude der Bayerischen Staatsbank wird ja ohnehin von der Musikhochschule genutzt, die sich somit erweitert.

Der linke Teil des Hufeisens wird von der Sing- und Musikschule bezogen, die derzeit noch in der Burkarderstraße unter beengten Verhältnissen untergebracht ist. In diesem Gebäudeteil bleiben die bisherigen drei Geschosse erhalten. Der alte Gymnastikraum unter dem großen Eingangspodest wird zum Ensembleproberaum.

Das Kopfgebäude behält sich die Stadt zur eigenen Nutzung vor. Die Aula steht für Veranstaltungen zur Verfügung und auch ein kleines Café soll seinen Platz finden. Das Mozartfestbüro wird mit fünf Büros ebenfalls einziehen.

Der Zeitplan sieht vor, so Peter Wiegand, dass das Hufeisen bis Mitte 2022 fertiggestellt sein soll. Die Ausschreibung wird Anfang nächsten Jahres erfolgen, das Jahr 2019 wird noch mit Planungen ins Land gehen. Ab 2020 könnten dann die Bauarbeiten beginnen.

Nach derzeitigem Stand sind Kosten von 12,1 Millionen Euro veranschlagt, wobei, 3,9 Millionen auf den Trakt der Musikhochschule, 3,1 Millionen auf das Gebäude der Sing- und  Musikschule und 6 Millionen auf das Kopfgebäude fallen. Fördergelder könnten vom Landesamt für Denkmalpflege und aus dem Topf der Städtebauförderung fließen.

Weniger konkret ist das Schicksal der angrenzenden Gebäudeteile, dem so genannten Windmühlenflügel (so sehen die Gebäude von oben aus) und dem „Schimmel“-Flügel, einem kleineren Gebäudeteil, der an den Kardinal-Faulhaber-Platz angrenzt. Während das Mozart-Gymnasium aus den 50er Jahren stammt, wurde der „Schimmel“-Flügel 1968 angebaut.

Nach bisherigen Planungen steigt die VR-Bank beim Windmühlenflügel ein, allerdings nicht als Käufer sondern „höchstens in Erbpacht“, so Peter Wiegand. Die VR-Bank, die bereits eine Filiale am Residenzplatz besitzt, würde den Windmühlenflügel anmieten und in zumeist selbst genutzte Büroräume umwandeln. Sie würde auch die Durchlässigkeit des Areals sicherstellen.

Interesse hat die VR-Bank auch am 1968 gebauten Anhang, der in der Stadtverwaltung als „Schimmel“-Flügel bezeichnet wird. Schimmel ist hier durchaus wörtlich zu nehmen, denn das Gebäude ist einem so schlechten Zustand, dass sich Schimmel breit gemacht hat. Auch wenn es nach Architektenmeinung noch zu retten wäre, ist das Schicksal dieses Gebäudes ungewiss.

Möglicherweise ist dies der einzige Bereich, den die Stadt verkauft, denn er steht weder unter Denkmalschutz, noch war er Teil des Bürgerentscheids. Käufer wäre die VR-Bank, die dann sogar die Möglichkeit hätte, das Gebäude abzureißen. Nach den bisherigen Überlegungen will die VR-Bank aber auch dieses Gebäude erhalten.

Bliebe noch ein Blick auf den Kardinal-Faulhaber-Platz, wo sich das Gartenamt nun der Planungen angenommen hat. Noch ist Rollrasen verlegt, die Planungen für die Parkanlage sollen nächstes Jahr erfolgen – wobei der Platz etwas größer werden soll, denn die angrenzenden Fahrbahnen werden verengt. Noch hat der Stadtrat keinen Beschluss gefällt, dass gebaut werden darf. Wenn, wäre das ab 2020 der Fall.

 

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