UP Magazin

UPBauarbeiten für neues Mainfranken Theater kurz vor Beginn

Kultur im Mittelpunkt

Spektakulär: Die Front des generalsanierten und erweiterten Mainfranken Theaters mit Stadtbalkon und Einblick in den Ballettprobensaal in der aktuellen Visualisierung. Wie die Gestaltung im Detail aussehen wird, ergibt sich erst in der Feinplanung. Spektakulär: Die Front des generalsanierten und erweiterten Mainfranken Theaters mit Stadtbalkon und Einblick in den Ballettprobensaal in der aktuellen Visualisierung. Wie die Gestaltung im Detail aussehen wird, ergibt sich erst in der Feinplanung. php Architekten

Stadtbalkon, gläserne Front mit Einblick in den Ballettproberaum, spektakuläre An- und Aussicht: das generalsanierte und erweiterte Mainfranken Theater zieht die Blicke auf sich. UP Magazin sprach mit Intendant und Geschäftsführendem Direktor über das neue kulturelle Aushängeschild, dessen Bauarbeiten in Kürze beginnen.

von Rainer Adelmann

Lange wurde diskutiert, oft wurde geplant: Jetzt steht die längst überfällige Renovierung und Erweiterung des Mainfranken Theaters kurz vor dem Beginn. Schon in der Sommerpause starten die bauvorbereitenden Arbeiten. UP Magazin sprach mit dem Intendanten des Mainfranken Theaters, Markus Trabusch, und dem Geschäftsführenden Direktor Dirk Terwey über das neue, erweiterte und generalsanierte Theater, das zur Spielzeit im Herbst 2022 fertig sein soll.

Seit mehr als 15 Jahren ist eine Sanierung des Mainfranken Theaters ein Thema. In Kürze wird es tatsächlich losgehen, nachdem der Stadtrat im Januar dieses Jahres grünes Licht für die Vorplanung zur Erweiterung und Sanierung des 1966 als Stadttheater gestarteten Gebäudes gegeben hat. Bereits für den August ist geplant, das Atrium, also den eingeschossigen Vorbau mit dem kleinen Innenhof abzureißen und eine Baugrube einzurichten.

Die Platanen vor dem Theater wurden bereits entfernt. „Bis zum Start der neuen Spielzeit im September möchten wir die geräuschintensiven Arbeiten beendet haben“, so Dirk Terwey. Der Weg zum neuen Theater erfolgt in zwei Schritten und ohne Unterbrechung des Spielbetriebs. Dies ist möglich, weil das Theater zunächst an der Frontseite erweitert und erst dann das alte Hauptgebäude saniert wird. Das heißt: In der ersten Phase erfolgt nach dem Abriss des eingeschossigen Atriums der Anbau an der Frontseite des Theaters. Dieser entsteht in etwa auf der Grundfläche des alten Vorbaus und kragt in den oberen Geschossen noch weiter vor. Ist der Neubau fertig, erfolgt die zweite Phase: die Sanierung des alten Theatergebäudes. Der Spielbetrieb wird dann – zumindest zum größten Teil – in den Neubau verlegt.

Querschnitt durch den neuen Baukörper des Mainfranken Theaters an der Frontseite: Er beinhaltet einen kleinen Saal mit 330 Sitzplätzen, einen Proberaum für Ballett und zwei Probebühnen im Souterrain. Dazu ein großräumiges Foyer mit Gastronomie, Bar und Garderobe. | Skizze: php ArchitektenQuerschnitt durch den neuen Baukörper des Mainfranken Theaters an der Frontseite: Er beinhaltet einen kleinen Saal mit 330 Sitzplätzen, einen Proberaum für Ballett und zwei Probebühnen im Souterrain. Dazu ein großräumiges Foyer mit Gastronomie, Bar und Garderobe. | Skizze: php ArchitektenDer Zeitplan sieht folgendermaßen aus: vorbereitende und Erdarbeiten noch dieses Jahr, Beginn des Erweiterungsbaus 2019, Beginn der Bestandssanierung im Jahr 2020. Im Herbst 2022 soll das Mainfranken Theater in neuem Glanz erstrahlen.

Aufgelöst werden dann auch die bisherigen angemieteten Räume in der Oeggstraße: Kostüm, Bürobereiche und Orchesterprobenraum werden von dort in das neue Theater umziehen. Ab diesem Zeitpunkt wird also alles unter einem Dach sein.

Spektakulär gestaltet sich die neue Front des Mainfranken Theaters in Richtung Stadt: Viel Glas, äußerste Transparenz und ein Stadtbalkon mit Glasgeländer und Aussicht auf Festung, Dom und die nahezu komplette Stadtsilhoutte.

Damit habe das neue Theater, so Intendant Markus Trabusch, nicht nur eine Ausrichtung zur Stadt und einen wunderbaren Ausblick für die Besucher. Auch die Künstler und Theatermitarbeiter haben in ihren Pausen die Stadt im Blick. „So verliert man nicht den Bezug dazu, für wen man das alles macht.“

Der Anbau an der Front des Theaters wird eine Spielstätte mit Raum für rund 330 Besucher beherbergen. Dazu kommt ein Proberaum für das Ballett, der ebenfalls als Spielbühne für experimentelle Formate und Ballett „vom Band“ eingesetzt werden könnte  – und noch dazu durch die Glasfassade von außen einsehbar. Unterirdisch geht es weiter: Dort enstehen gleich zwei Proberäume, von denen einer während der Sanierung des Großen Hauses als kleine Ausweichspielstätte umgenutzt werden könnte.
Der Erweiterungsbau beinhaltet das neue Foyer, Kasse, Gastronomie und Garderobe. So ist er auch schon autark, wenn er in der zweiten Bauphase als „alleiniges“ Mainfranken Theater dienen muss.

Einziges Manko: Großes Musiktheater ist darin nicht möglich. Dazu müssen in der zweijährigen Übergangszeit andere Optionen im Stadtgebiet genutzt werden. „Die Bauzeit kann sehr spannend werden, und wir hoffen, dass uns die Zuschauer folgen“, so der Geschäftsführende Direktor Dirk Terwey. „Wir spielen auch deswegen ohne Unterbrechung weiter, damit uns die Menschen nicht aus dem Fokus verlieren. Das darf nicht passieren.“

Das Würzburger Stadttheater – jetzt Mainfranken Theater – in einer Aufnahme, wahrscheinlich aus dem Ende der 60er Jahre. Deutlich erkennbar: Der flache Vorbau mit dem Atrium, der bereits im Sommer einer Baugrube weichen soll. | Quelle: Stadtarchiv Würzburg / Fotograf: Wilhelm PabstDas Würzburger Stadttheater – jetzt Mainfranken Theater – in einer Aufnahme, wahrscheinlich aus dem Ende der 60er Jahre. Deutlich erkennbar: Der flache Vorbau mit dem Atrium, der bereits im Sommer einer Baugrube weichen soll. | Quelle: Stadtarchiv Würzburg / Fotograf: Wilhelm PabstDer innere Aufbau des Bestandgebäudes bleibt im Grunde erhalten, wird aber komplett saniert. „Das Haus an sich ist sehr klug um die Bühne konzipiert“, beurteilt Terwey den Bestand, „allerdings im Standard der 60er Jahre.“ Das heißt konkret: Der große Saal wird renoviert, es gibt eine neue Bestuhlung, die Akustik wird verbessert, indem man Akustikfallen, also Ecken und Kanten bereinigt. Ziel ist ein besserer Nachhall. „Die derzeitige Akustik ist zu trocken“, sagt Intendant Markus Trabusch. Selbstverständlich wird im Rahmen der Sanierung die Technik verbessert. Eine neue Lautsprecheranlage wird installiert und die alte Drehscheibe und die Hebebühnen werden endlich wieder voll funktionstüchtig sein.

„Die Erwartungen des Publikums an ein Theater und an den Standard haben sich über die Jahre gewandelt“, weiß Terwey. Das bedeutet nicht nur eine moderne, bequeme Bestuhlung, sondern auch Barrierefreiheit im kompletten Haus. Und weil man schon dabei ist, sorgen eine ganze Reihe von Aufzügen für Durchlässigkeit – auch über die Stockwerke hinweg. Gastronomie, Garderobe, Kasse und Foyer werden den neuen Standards ebenso gerecht.

Die Büroräume werden an heutige Bedürfnisse angepasst, und man nutzt die Chance, die vorhanden Räumlichkeiten etwas anders aufzuteilen. Über die Jahre hinweg wurde hier immer wieder verändert und ergänzt. Die „Theaterfabrik“ hinter der großen Bühne von Schlosserei bis Schreinerwerkstatt wird saniert und das Kostüm zieht – wie eingangs erwähnt – aus der Oeggstraße ins Theater ein. Ein großer Brocken kommt ebenfalls hinzu: Ein komplett neuer Orchesterprobensaal wird „huckepack“ aufgesattelt und ragt wie der Bühnenturm über die Fassade hinaus. In Richtung Parkhaus verlängert sich das Gebäude um etwa drei Meter. Man ist bei der insgesamt eingeschränkten Grundstückssituation froh um jeden Meter Raum mehr.

Einfach wird die Sanierung des Bestandsgebäudes nicht. „Bei der technischen Aufgabenstellung und zur Erfüllung aller rechtlichen Vorgaben hat man den Eindruck, man saniert ein Gebäude um die Lüftungskanäle herum“, schildert Terwey die Situation. Alt- und Neubau trennt während der Bauzeit eine Wand, damit ein Spielbetrieb im jeweils „baufreien“ Teil möglich ist.

Diese Wand wird erst kurz vor Fertigstellung entfernt und die Verbindung beider Gebäudeteile damit vollzogen. Der gesamte Körper erhält eine einheitliche Fassade, so dass Neu und Alt letztlich eine Einheit ergeben.

Intendant Markus Trabusch freut sich, dass das Theater dank des neuen Baukörpers, der wechselseitige Sichtachsen vom und auf das Gebäude eröffnet, wieder präsenter im Stadtbild wird: „Das Theater war im Laufe der Zeit ein Stück weit verlorengegangen – durch die Platanen und den Vorplatz, der immer weiter mit Dingen angefüllt wurde, bis das Theater immer unwichtiger erschien.“ Den neuen Theaterbau begreift er als „offene Einladung an die Stadt: Das Theater versteckt sich nicht mehr hinter einem flachen Vorbau.“ Und Dirk Terwey ergänzt: „Wir investieren jetzt in den Lebenszyklus einer Kultur-immobilie – und zwar mit einer einmaligen Investition, die uns hilft, die laufenden Kosten für die nächsten 20 bis 30 Jahre kalkulierbar zu halten.“ Die Modernisierung schlägt sich also nicht nur in einem Theater auf dem neuesten Stand der Technik und des Komforts nieder, sondern stellt auch sicher, dass die Kosten des laufenden Betriebs für die nächsten Jahrzehnte vorausschaubar bleiben. Dazu passt auch, dass sich das neue Theater zwar weitaus attraktiver präsentiert, der Personalaufwand aber annähernd gleich bleiben wird.

Nach der derzeitigen Kalkulation und dem Stadtratsbeschluss vom Januar sind Gesamtkosten von 65 Millionen Euro veranschlagt, wobei der Freistaat 75 Prozent der förderfähigen Kosten übernimmt. Mit im Boot sind ebenfalls der Bezirk Unterfranken, die Landkreisgemeinden, die Sparkassenstiftung und natürlich die Stadt Würzburg als Träger. Der derzeitigen Entwurfsplanung folgt Ende Juli die nächste Etappe, wenn die verfeinerte Planung im Stadtrat vorgestellt wird.

 

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