UP Magazin

UPPilotprojekt "Fit for move" gestartet

Moderne Herbergssuche

Irina Perez Lazcano (links) berät und vermittelt im Rahmen von „Fit for move“. Das Pilotprojekt von Stadt und Landkreis Würzburg sowie dem Caritasverband befasst sich mit der Wohnungsvermittlung an bedürftige Menschen. Irina Perez Lazcano (links) berät und vermittelt im Rahmen von „Fit for move“. Das Pilotprojekt von Stadt und Landkreis Würzburg sowie dem Caritasverband befasst sich mit der Wohnungsvermittlung an bedürftige Menschen. Caritasverband

Stadt, Landkreis und Caritas haben sich zusammengetan, um Wohnraum an Bedürftige zu vermitteln. „Fit for move“ nennt sich das Interkommunale Pilotprojekt, das im Juli dieses Jahres gestartet ist.

von Rainer Adelmann

Die Weihnachtszeit steht vor der Tür und ist im christlichen Glauben eng verbunden mit einer Herbergssuche der besonderen Art: Maria und Josef auf der Suche nach einer Unterkunft. Selbst heute, in unserer modernen Zeit, ist es nicht immer einfach, an eine vor allem bezahlbare Wohnung zu kommen. Für Menschen, die auf dem Wohnungsmarkt benachteiligt sind und Unterstützung, Begleitung und Fürsprache brauchen, aber auch für Geflüchtete, die eine Aufenthaltserlaubnis haben und aus der Gemeinschaftsunterkunft ausziehen müssen, wurde „Fit for move“ gegründet.

Das interkommunale Pilotprojekt von Stadt und Landkreis mit dem Caritasverband wurde erst im Juli dieses Jahres gestartet. UP Magazin sprach mit Vermittlerin Heike Bracker und Christiane Weinkötz, Leiterin des Fachbereichs Sozialarbeit des Caritasverbandes für die Stadt und den Landkreis Würzburg, über das noch junge Projekt. Ausgangspunkt war der Wunsch von Stadt und Landkreis, in Sachen Wohnraumvermittlung für Bedürftige ein Angebot auf die Beine zu stellen. Da die Caritas bereits mit Wohnraumvermittlung Erfahrung gesammelt hatte, willigte sie ein. Stadt und Landkreis finanzieren jeweils eine Vollzeit-Beratungsstelle, der Caritasverband für die Diözese übernahm die Finanzierung einer halben Stelle für eine Verwaltungskraft.

Christiane Weinkötz findet es „gut und spannend, dass sich Stadt und Landkreis gleichermaßen dieses Projekt auf die Fahnen geschrieben haben – wenngleich die Strukturen komplett unterschiedlich sind.“ Während es in der Stadt Wohnungsbaugesellschaften wie die Stadtbau gibt, ist die Wohnungssuche auf dem Land großenteils auf private Anbieter angewiesen. Bei 52 Gemeinden im Landkreis ist die Arbeit daher kleinteiliger und deutlich aufwändiger.
„Das Thema Wohnungssuche und bezahlbarer Wohnraum ist schon lange ein Thema“, so Christiane Weinkötz. Durch die Flüchtlingswelle habe es sich aber weiter verschärft. Die Wohnraumvermittlung „Fit for move“ ist aber nicht nur für Geflüchtete da, sondern für alle, die am Wohnungsmarkt benachteiligt sind. „Teueren Wohnraum findet man in Würzburg, aber bei bezahlbarem wird es schwierig“, so Chris-tiane Weinkötz weiter. „Dies wird ein Thema für die Politik in den nächsten Jahren sein.“

„Fit for move“ wendet sich an alle, die von Obdachlosigkeit betroffen sind, dazu zählen zwar hauptsächlich Geflüchtete, aber zunehmend auch deutsche Familien. Bisweilen kommen die Familien sehr spät zur Wohnraumvermittlung – kurz bevor sie aus der Wohnung heraus müssen. Und nicht immer klappt es so gut wie bei einer Familie mit drei Kindern im Landkreis, die kürzlich innerhalb von einer Woche eine neue Bleibe fand. „Das war ein Glücksfall“, so Heike Bracker.

Die Vermittlerinnen helfen nicht nur bei der Suche, sondern auch beim Ausfüllen von Formularen und Ämtergängen sowie bei der Organisation eines Kita- oder Schulplatzes. Auch beim Möbelkauf und weiteren Fragen und Problemen um die Wohnungssuche sind sie behilflich. „Wir machen auch Nachbetreuung“, so Heike Bracker. Das heißt: Gibt es später Probleme und Unstimmigkeiten zwischen Mieter und Vermieter, wirken die Mitarbeiterinnen vermittelnd.

„Das Angebot der Nachbetreuung wirkt auch bei Vermietern“, weiß Heike Bracker. Wenn ein Vermieter weiß, dass er bei späteren Problemen nicht alleine dasteht, ist er eher bereit, seinen Wohnraum zu vermieten. „Wir gehen auch mit zu Wohnungsbesichtigungen und schlagen dem Vermieter verschiedene Familien vor“, so Heike Bracker. All dies trägt zur Gewinnung der Vermieter bei. Etwaige Vermieter zu motivieren, Wohnraum zur Verfügung zu stellen ist einer der Hauptaufgabenbereiche der Vermittler.

Ist Wohnraum gefunden, kämpfen die Vermittlerinnen bisweilen mit den Erwartungen ihrer Klienten. Manchem ist das neue Domizil zu klein oder die Lage ungünstig. Probleme bereiten große Familien. „Für große Familien ist in der Stadt kaum Wohnraum vorhanden“, weiß Christiane Weinkötz.

Dennoch kann sich die erste Bilanz von „Fit for move“ sehen lassen: Im Landkreis wurden seit dem 1. Juli bis 31. Oktober 13 Bedarfsgemeinschaften mit 30 Personen vermittelt. In der Stadt wurden im gleichen Zeitraum 22 Bedarfsgemeinschaften mit 76 Personen vermittelt.

Vermittelt werden können nur Personen, die schon bisher ihren Wohnsitz in Stadt oder Landkreis Würzburg hatten. Zu den weiteren Voraussetzungen zählen unter anderem ein Leistungsbezug nach dem Sozialgesetzbuch, wenn eine Räumungsklage oder eine besondere Notlage vorliegt oder bei besonderer Schutzbedürftigkeit – zum Beispiel bei Frauen aus Frauenhäusern oder Menschen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind.
Die Sprechzeiten im Reuterhaus in der Mergentheimer Str. 184 sind Donnerstags von 9.30 bis 12.30 Uhr (Landkreis Würzburg) und Montag 9.30 bis 12.30 Uhr (Stadt Würzburg). Wer helfen und Wohnraum zur Verfügung stellen  möchte, kann unter folgenden Adressen Kontakt aufnehmen:
Christine Lüneburg, Tel. 0931/38659-211, (Stadt Würzburg)
Mail: c.lueneburg@caritas-wuerzburg.org
Irina Perez Lazcano, Tel. 0931/38659-212, (Stadt und Landkreis Wbg.), Mail: i.perez-lazcano@caritas-wuerzburg.org.
Heike Bracker, Tel. 0931/38659-213, (Landkreis Würzburg), Mail: h.bracker@caritas-wuerzburg.org

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