UP Magazin

UPTourismusdiektor Dr. Peter Oettinger geht in den Ruhestand

Tourismus als Leidenschaft

Dr. Peter Oettinger, Tourismusdirektor der Stadt Würzburg und Geschäftsleiter des städtischen Eigenbetriebs CTW Congress – Tourismus – Würzburg, beim Rundgang mit dem UP Magazin durch das erweiterte und neu gestaltete Congress Centrum vor drei Jahren. Dr. Peter Oettinger, Tourismusdirektor der Stadt Würzburg und Geschäftsleiter des städtischen Eigenbetriebs CTW Congress – Tourismus – Würzburg, beim Rundgang mit dem UP Magazin durch das erweiterte und neu gestaltete Congress Centrum vor drei Jahren. Uta Böttcher

Als er 1988 als Tourismusdirektor der Stadt Würzburg begann, war er der jüngste Tourismus-Chef Deutschlands. Er brachte das Congress Centrum auf Kurs und führte eine besondere Ausbildung für Gästeführer ein. Am 31. Juli geht Dr. Peter Oettinger in Ruhestand. UP Magazin sprach mit dem einstigen Senkrechtstarter in Sachen Tourismus.

Geboren wurde Peter Oettinger in einem 800 Seelen Dorf in der Nähe von Miltenberg, in Rüdenau. Bei seinem Vater in der Schreinerwerkstatt half er in seiner Jugendzeit mit, sollte nach dem Wunsch des Vaters sogar Schreiner werden. Seine Liebe gehörte aber damals der Musik. Er lernte mit neun Jahren Akkordeon, später Klavier. Mit 16 begann er noch dazu sich selbst Blasinstrumente beizubringen. Ein weiteres Jahr später spielte er in der Kapelle und kurz darauf hatte er bereits 20 Musikschüler.

„Meine Vorstellung war, bei der Bundeswehr im Musikkorps mitzuspielen“, so Peter Oettinger rückblickend. Dazu kam es nicht, denn er begann in Würzburg mit dem Studium der Wirtschaftsgeographie. Obwohl er sogar während des Studiums noch Musikschüler in Rüdenau betreute, wandelte sich der Schwerpunkt und die Liebe zum Reisen bekam die Oberhand. Er organisierte und betreute Studienreisen als qualifizierter Reiseleiter. „Ich bin viel gereist und habe wenig studiert. Das ging damals noch. Später habe ich rechtzeitig die Kurve bekommen, mit meiner Promotion über die Verflechtung Tourismus mit Weinbau am Beispiel Frankens.“

„Dies hat mir alle Türen geöffnet“, so Peter Oettinger weiter. „Plötzlich war ich Marketingleiter der Stadt Nürnberg ohne eine einzige Bewerbung geschrieben zu haben.“ Bekannt wurde der junge Oettinger zunächst „durch einige provokante Thesen.“ Er hatte herausgefunden, dass es den Gemeinden zwar meist nicht am Angebot fehlte – aber an der Umsetzung, sprich Vermarktung dieser Angebote. Einzelleistungen sollten zu Paketen geschnürt, Gästeführer eingesetzt werden. Außerdem hatte er Modelle herausgearbeitet, wie der Weinbau – eigentlich eine Monostruktur – als Grundlage für die Entwicklung in Richtung Tourismus als zweitem wirtschaftlichen Standbein genutzt werden konnte.

Im Rahmen seiner Dissertation hatte er tausende von Leuten befragt. Den Bürgermeistern bot er nun an, vor Ort die relevanten Ergebnisse zu präsentieren. Zur Präsentation in Volkach hatte sich sogar Klaus Schönemann, der Tourismuspapst der 80er Jahre in Deutschland, angemeldet. Beim Mittagessen sitzt der Fahrer Schönemanns Oettinger gegenüber. „Der Mann fragt mich aus. Später stellte sich heraus, dass er zwar Fahrer war – aber gleichzeitig auch Personalchef.“ Ergebnis: Drei Tage später kurz vor Weihnachten 1980 trudelte ein Brief von Schönemann bei Oettinger ein. Er solle doch gelegentlich bei ihm in Nürnberg vorbeischauen – aber sich nicht so lange Zeit dazu lassen.

Schönemann bot Peter Oettinger den Posten als Marketingleiter der Congress & Tourismus Zentrale Nürnberg an, inklusive der Projektleitungen für die weltweite Vermarktung der Jubiläen 500 Jahre Martin Luther (1983) und 150 Jahre Deutsche Eisenbahn (1985). Nach drei Tagen Bedenkzeit nahm Oettinger das Angebot an. Und um wirklich fit für die neue Aufgabe zu sein, absolvierte er ein berufsbegleitendes Marketing-Studium mit Abschluss „Werbebetriebswirt“. Er entwickelte ein neues Imagekonzept für Nürnberg und den traditionsreichen Verkehrsverein zur Congress & Tourismus Zentrale. Nach Würzburg kam er über eine schlichte Stellenanzeige in einer Fachzeitschrift. Die Stadt kannte er ja bereits aus dem Studium und: „Hier ist alles überschaubarer.“ Bei seiner Bewerbung vor dem Würzburger Stadtrat überzeugte er mit seinen Ideen, ja bekam sogar Zwischenapplaus. „Da wusste ich: So schlecht war es wohl nicht gelaufen.“

Seine ersten Arbeitstage in Würzburg beschreibt Peter Oettinger als „zwei verschiedene Welten“. Nürnberg war zu der Zeit die Vorzeigestadt im Städtetourismus, organisiert nach Marketinggesichtspunkten. „Hier in Würzburg gab es das Wort Marketing quasi noch nicht.“ Er begann damit, Mitarbeiter zum Reiseverkehrskaufmann ausbilden zu lassen. Ohnehin setzte er große Stücke auf Fort- und Weiterbildung. So war Peter Oettinger der erste in der Stadt Würzburg, der mit Personaltrainern arbeitete.

Gut 30 Mitarbeiter unterstehen Oettinger heute in seinem Stab plus einem enormen Anteil von selbständig arbeitenden Gästeführern, nämlich rund 170 an der Zahl. Alle Gästeführer durchliefen die Ausbildung bei Peter Oettinger und seinem Team, „das ist ein Steckenpferd von mir.“ Hier fließen seine Erkenntnisse aus der Zeit der Reiseleitung mit seiner Erfahrung als Tourismusdirektor zusammen. Die Anforderungen an einen Gästeführer in Würzburg sind dementsprechend hoch.

Aus rund 3.000 Bewerbern hat Oettinger in seiner Zeit in der Stadt Würzburg in acht Ausbildungsgängen rund 400 Leute ausgebildet. Die Ausbildung zum Gästeführer umfasst 140 bis 150 Vollzeitstunden, im ersten Teil in Seminarform insbesondere zu Kunst, Geschichte und Geographie. Anschließend geht es in Kirchen, Museen und Sehenswürdigkeiten. Das dabei erworbene Wissen wird in einer zweistündigen Klausur abgefragt. Es folgt der Trainingsteil, in dem die Teilnehmer Führungen vorbereiten und vortragen – per Video aufgenommen, um sich später selbst beurteilen und verbessern zu können. Die harte Ausbildung ist Oettinger wichtig, denn: „Der Gästeführer ist den Gästen gegenüber der Repräsentant und Kulturträger für die Stadt Würzburg.“

Als Oettinger seine Arbeit in Würzburg begann, war das Congress Centrum (CCW) gerade drei Jahre alt.
Er erkannte, dass das Thema Kongresse und Seminare nicht nur für den Betrieb des CCW notwendig, sondern darüber hinaus das entscheidende Rückgrat für den Standort Würzburg ist. Multiplikatoren-Marketing über Verbände, Vereinigungen oder auch hiesige Professoren waren der Schlüssel, möglichst viele Veranstaltungen nach Würzburg zu holen.

Den dazugehörigen Service bieten die Mitarbeiter des CTW (Congress –Tourismus – Würzburg) – ob die Vermietung eines einzelnen Raums oder die Organisation eines kompletten Kongresses. Sechs bis sieben Mitarbeiter arbeiten in diesem Bereich bei rund 500 Veranstaltungen jährlich. Das CCW geriet an seine Grenzen. Und damit es nicht von der Karte der Kongressstädte verschwindet, leistete Oettinger schon vor 15 Jahren Motivationsarbeit: Er überzeugte Stadtrat und Politik von der Notwendigkeit eines Ausbaus. Benötigt wurden deutlich mehr Räumlichkeiten: für Kongresse, für Präsentations- und Gastronomieflächen. Und: Es musste möglich sein, zwei mittelgroße Veranstaltungen gleichzeitig zu bedienen. Der Erfolg gibt Peter Oettinger recht: Die neuen Räume im CCW sind auf drei Jahre im voraus sehr gut gebucht.

Als wesentliches Standbein für den Standort sieht Oettinger die Kooperationen. Als Aufsichtsratsmitglied der Fränkischen Weinland Tourismus GmbH und der Touristik-Arbeitsgemeinschaft Romantische Straße, vor allem aber als Vorstandsvorsitzender der Werbegemeinschaft Historic Highlights of Germany nutzte er die Verflechtungen für beide Seiten. Sonderveranstaltungen wie die Tiepolo-Ausstellung 1996, die Ägypten-Ausstellung im Jahr 2000 oder die Landesausstellung Wiederaufbau Wirtschaftswunder 2009 glänzten mit Besucherrekorden.

Oettinger freut sich, dass der Knoten in Sachen Hotelentwicklung geplatzt scheint. Nachdem sich über ein Jahrzehnt kaum etwas verändert hat sind einige neue Hotels in Planung – nach zahllosen Gesprächen mit Grundstücksbesitzern, Investoren und Vertretern von Hotelketten.
 
Er hat also viel bewegt, doch wie geht es weiter? Musizieren ist natürlich ein Thema für den Ruhestand, ebenfalls vorstellbar: ein Ehrenamt im sozialen Bereich. Eines will Oettinger freilich nicht: „Ich werde – das habe ich mir fest vorgenommen – keine Beratungen in meinem beruflichen Umfeld machen. Ich will es nicht so machen wie Kollegen, die einfach den Absprung nicht finden.“

 

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